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Arztrecht , 13.08.2015

Medizinrecht: Immer mehr Arzthaftungsfälle bei Orthopäden und Unfallchirugen!

Nach einem aktuellen Bericht der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern sind die Fälle von ärztlichen Behandlungsfehlern im Jahr 2014 gestiegen. Die meisten ärztlichen Kunstfehler unterlaufen dabei Orthopäden und Unfallchirurgen. Wir haben Ihnen interessante Rechtsprechung zu Behandlungsfehlern in der Orthopädie zusammengestellt, die zeigen was als ärztlicher Behandlungsfehler gewertet wird und viel Schadensersatz es dafür gibt.

Kunstfehler bei Schulteroperation - 8.000 Euro Schmerzensgeld


Unterlässt es ein Chirurg während einer Operation einer Schultereckgelenksprengung vor der Anbringung der Schrauben die Bohrung mittels intraoperative Bildgebung zu überprüfen und werden die Schrauben deshalb zu nah am Gelenk gebohrt, ist dies ein ärztlicher Behandlungsfehler. Dem Patienten wurden in einem Arzthaftungsprozess 8.000 Euro Schmerzensgeld vom Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 26 U 152/13) zu gesprochen.

Nach Operation Schulter nicht mehr einsatzfähig- 50.000 Euro Schmerzensgeld


50.000 Euro Schmerzensgeld erhielt eine Patientin deren linke Schulter aufgrund einer misslungenen Operation nicht mehr einsatzfähig war und versteift werden musste, entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 26 U 4/13).

Nach Ansicht des Gerichts war die Wahl der Schulteroperation ebenso fehlerhaft wie deren Durchführung. Man hätte aufgrund des MRT-Befundes einen arthroskopischen Eingriff zur Entfernung des Schleimbeutels bei der Patientin durchführen müssen. Bei der Operation seien dann Teile des Schulterdachs entfernt und das Schulterdach letztlich zerstört worden. Danach sei nur noch eine Versteifung der Schulter in Betracht gekommen, was zu einer Funktionsbeeinträchtigung beim linken Arm geführt habe. Die beklagten Chirurgen hätten grob fehlerhaft gehandelt, so das Hammer Oberlandesgericht.

Dauerhafte Kniebeschwerden nach Umstellungsosteotomie - kein ärztlicher Behandlungsfehler


Bei einem Patienten traten nach einer in seinem Kniegelenk durchgeführte Umstellungsosteotomie weiterhin Beschwerden auf. Der Patient fühlte sich vor der Operation vom behandelnden Arzt nicht ausreichend aufgeklärt, weil ihm keine Operation mit einer Schlittenprothese angeraten wurde. Er verlangte daraufhin 25.000 Euro Schmerzensgeld vom Arzt.

Das Oberlandesgericht Hamm wies die Klage des Patienten ab, weil es keinen ärztlichen Behandlungsfehler feststellen konnte. Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass der Patient über die Risiken einer Umstellungsosteotomie und die alternativ mögliche Operation mit einer Schlittenprothese vom Arzt ausreichend aufgeklärt worden sei.

Thrombose nach Sportunfall- kein ärztlicher Behandlungsfehler!


Ein Patient zog sich bei einem Sportunfall eine Distorsion beider Kniegelenke und eine Innenbandläsion eines Kniegelenks zu. Beim Orthopäden wurde der Patient an eine radiologische Praxis verwiesen, wo zehn tage später ein MRT vom Knie gemacht werden sollte. Zwei Tage nach dem Arztbesuch erlitt der Patient eine Lungenembolie und verstarb einige Tage später.

Die unterbliebene Thromboseprophylaxe stellt nach Auffassung des Oberlandesgerichts Hamm (Aktenzeichen 26 U 119/12) kein ärztlicher Behandlungsfehler dar. Da es für ein Thromboserisiko beim Patienten keine anamnestischen oder klinischen Anhaltspunkte gegeben habe, sei eine Prophylaxe mit Medikamenten auch nicht angezeigt gewesen.

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