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Arbeitsrecht , 04.11.2014

Arbeit: Schwerbehinderung und Bewerbung

Arbeit: Schwerbehinderung und Bewerbung © eccolo - Fotolia

Die Suche nach einem Arbeitsplatz gestaltet sich für schwerbehinderte Menschen oft schwierig. Gerade in der Bewerbungsphase erfahren sie oft Diskriminierungen.

Keine Einladung zum Bewerbungsgespräch- Entschädigung?



Wird ein schwerbehinderter Bewerber nicht zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen, kann ihm dadurch möglicherweise ein Entschädigungsanspruch aufgrund einer Benachteiligung zu stehen. Schreibt ein öffentlicher Arbeitgeber aber eine wegen Altersteilzeit frei gewordene Stelle nur für Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit Bedrohte aus, benachteiligt er allein dadurch keine schwerbehinderten Bewerber, die eine Anstellung haben. Er muss sie nicht zum Bewerbungsgespräch einladen, entschied das jüngst das Arbeitsgericht Kiel (Aktenzeichen 2 Ca 1194 c/14).

Im zugrundeliegenden Fall war an einer Universität wegen Altersteilzeit ein Arbeitsplatz frei geworden war. Der Arbeitgeber schrieb diese Stelle nur für arbeitslos Gemeldete oder von Arbeitslosigkeit Bedrohte aus, um eine aufstockende Förderung nach dem Altersteilzeitgesetz in Anspruch nehmen zu können. Der fachlich für die Tätigkeit zweifelsfrei geeignete Kläger bewarb sich unter Hinweis auf seine Schwerbehinderung und stellte auf Nachfrage klar, dass er nicht arbeitslos und auch nicht von Arbeitslosigkeit bedroht sei. Daraufhin wurde er im Auswahlverfahren nicht weiter berücksichtigt und verlangte nun mit seiner Klage von der beklagten öffentlichen Arbeitgeberin 30.000,00 Euro Entschädigung nach dem Antidiskriminierungsgesetz.

Zu Unrecht, entschied das Arbeitsgericht Kiel. Aus der Tatsache, dass die Stelle eingeschränkt ausgeschrieben war, lässt sich keinerlei Zusammenhang ableiten, dass die Nichtberücksichtigung des Klägers an dessen Behinderung anknüpfte oder durch diese motiviert war. Im Übrigen muss ein öffentlicher Arbeitgeber geeignete schwerbehinderte Bewerber zwar grundsätzlich zu einem Vorstellungsgespräch einladen. Geschieht dies nicht, ist das in der Regel ein Indiz für eine Benachteiligung wegen der Behinderung. Lädt ein öffentlicher Arbeitgeber aber einen Bewerber mit Behinderung ausschließlich deshalb nicht zum Vorstellungsgespräch ein, weil dieser die formalen Voraussetzungen der beschränkten Ausschreibung nicht erfüllt, ist die Indizwirkung widerlegt.

Bewerbung muss Hinweis auf Schwerbehinderung enthalten!



Behinderte Arbeitssuchende sind verpflichtet, schon im Bewerbungsschreiben auf ihr Handicap hinzuweisen, entschied das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 8 AZR 759/13). Wenn ein schwerbehinderter Mensch, der bei seiner Bewerbung um eine Stelle den besonderen Schutz und die Förderung nach dem SGB IX in Anspruch nehmen will. In diesem Fall muss er die Eigenschaft, schwerbehindert zu sein, grundsätzlich im Bewerbungsschreiben mitteilen. Eine solche Mitteilung muss bei jeder Bewerbung erfolgen. Auf Erklärungen bei früheren Bewerbungen kommt es nicht an.





Letzte Aktualisierung am 2016-12-22 13:02:02.0

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