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Rechtliches zum Vorstellungsgespräch

In einem Vorstellungsgespräch versuchen sich Unternehmen und Bewerber besser kennenzulernen. Rechtlich ist dieser Bereich dann von Bedeutung, wenn es um das Thema Kostenübernahme geht oder darum, welche Fragen im Gespräch gestellt werden dürfen bzw. welche beantwortet werden müssen.

Übernahme der Anreisekosten

Wer zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird, hat generell Anspruch auf Erstattung der Kosten, die ihm dadurch entstehen. Es müssen aber nicht alle Kosten, die an diesem Tag angefallen sind, erstattet werden. Auch müssen Bewerber die Fahrtkosten von sich aus geltend machen. Der Anspruch besteht normalerweise auch dann, wenn sich der Arbeitgeber zu diesem Punkt nicht geäußert hat. Größere Firmen teilen vorab in der Regel mit, welche Kosten sie genau übernehmen, etwa für Zug, Flieger, Bahn zweiter Klasse; aber keine Hotel- oder Verpflegungskosten o.ä.

Ausschluss der Anreisekosten und Alternative

Eine Firma kann die Übernahme der Fahrtkosten auch explizit ausschließen. Dann müssen alle Kosten selbst getragen werden. Alternativ kann vorab abgeklärt werden, ob die Arbeitsagentur ggf. die Kosten übernimmt. Hier gelten bestimmte Voraussetzungen.

Keine "sozialistische" Kostenübernahme!

Ein Unternehmen muss nicht jedem Bewerber, der sich auf eine Stelle in seiner Firma bewirbt, die gleichen Kosten erstatten. Oftmals wird Bewerbern für gehobene Stellen (z.B. Geschäftsführer) mehr zugestanden, als Bewerbern für einfachere Tätigkeiten. Möchten Sie also weitere Kosten - etwa für eine Taxifahrt - in Rechnung stellen, sollten Sie das vorab unbedingt mit dem einladenden Unternehmen klären. Wenn er dies bei Ihnen ablehnt und einem anderen Bewerber gewährt, müssen Sie das leider akzeptieren.

Informationspflicht im Vorstellungsgespräch

Bewerber und Firma müssen sich gegenseitig grundsätzlich über alle Umstände informieren, die für die Stelle relevant sind (Aufklärungspflicht).

Aufklärungspflicht Bewerber

Bewerber müssen immer ausdrücklich darauf hinweisen, wenn die Arbeitserlaubnis fehlt. Andere Pflichten sind berufsbedingt. Ist der Führerschein Dreh- und Angelpunkt für eine Stelle, etwa als Busfahrer, muss ein derzeitiges Fahrverbot oder gar ein Führerscheinentzug mitgeteilt werden. Genauso verhält es sich in diesem Fall, wenn eine Alkoholabhängigkeit vorliegt.

Aufklärungspflicht Arbeitgeber

Die Vertreter des Unternehmens müssen die ausgeschriebene Stelle so detailliert wie möglich beschreiben. Vor allem über gesundheitliche Belastungen oder überdurchschnittliche Anforderungen, die an den Bewerber gestellt werden, muss offen und unmissverständlich gesprochen werden. Genauso verhält es sich, wenn der Job aufgrund jetzt bereits bekannter Umstrukturierungen gefährdet ist oder wenn die Auftragslage jetzt oder in Zukunft so schlecht ist/wird, dass das Gehalt gefährdet sein kann. Wichtig: Gegen Firmen, die hier nicht schonungslos offen sind, können Bewerber vorgehen und auf Schadensersatz klagen.

Wahrheit oder Lüge?

Alle juristisch zulässigen Fragen müssen Bewerber wahrheitsgemäß beantworten. Das gilt natürlich auch für Arbeitgeber. Die Auswirkungen sind für den Bewerber aber wohl existenzieller: Kann ein Arbeitgeber eine Lüge (Schweigen gehört auch dazu!) nachweisen, kann er später mindestens die Kündigung des Arbeitsverhältnisses aussprechen. Ob er eine Abmahnung vorausschickt oder ob er gar für eine fristlose Kündigung entscheidet, sollte mit einem Anwalt für Arbeitsrecht vorab besprochen sein.

Zulässigkeit von Fragen - Beispiele

Ob eine Frage zulässig ist oder nicht, hängt von der konkreten Stelle ab. Immer rechtens sind Fragen nach dem beruflichen Werdegang, den fachlichen Kenntnissen, nach einem Arbeitszeugnis oder nach Zeugnisnoten, früheren Arbeitgebern, Beschäftigungsdauer - kurz alle Fragen, die Sie auch in einem Lebenslauf erwähnen (sollten). Der Gesundheitszustand spielt nur bei bestimmten Tätigkeiten eine Rolle, etwa die Frage nach einer ansteckenden Krankheit bei einer OP-Assistenz. Generell unzulässig sind Fragen nach der sexuellen oder religiösen Orientierung, nach Zugehörigkeit zu Gewerkschaften, Parteien, Vereinen etc.; nach der persönlichen Lebenssituation (verheiratet, geschieden etc.) und normalerweise auch nach den Vermögensverhältnissen. Übrigens: Die berühmte Frage nach einer vorliegenden Schwangerschaft ist dann rechtens, wenn das Kind etwa geschädigt werden würde (Röntgenassistentin). Und wie oben bereits erwähnt, darf nach einer Alkoholabhängigkeit gefragt werden, wenn diese eine Tätigkeit quasi unmöglich machen würde (z.B. Pilot).

Alkohol- und Drogentests

Aus Arbeitgebersicht sind Alkohol- und Drogentests vielleicht verständlich, rechtlich bewegen sich diese Tests auf Drogen in einem eher wackeligen Bereich. Solche Tests sind nur dann zulässig, wenn eine diesbezügliche Information für eine Stelle wirklich unabdingbar sind - also eben als Pilot, Lokführer, Waffenträger (z.B. Polizist). Grundsätzlich gitl: Sollte ein Test rechtens sein, darf etwa ein Betriebsarzt das genaue Ergebnis nur mit Einwilligung des Bewerbers mitteilen. Ansonsten darf er den Arbeitgeber nur darüber informieren, ob ein Arbeitnehmer tauglich ist oder nicht.

Absage erhalten - was nun?

Haben Sie nach einem Vorstellungsgespräch eine Absage erhalten, ist es fraglich, ob Sie dagegen rechtliche Schritte einleiten sollten. Eine Kontaktaufnahme mit einem Anwalt lässt Sie klarer die Chancen und Risiken eines anwaltlichen Einschreitens beurteilen. Fragen Sie einen Anwalt für Arbeitsrecht gleich hier, bei anwaltssuche.de.

Letzte Aktualisierung am 2016-04-14

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