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Arztrecht , 27.01.2014

Behandlungsfehler- Wer muss für die Folgen aufkommen?

In deutschen Kliniken sterben jährlich rund 19.000 Menschen verursacht durch Behandlungsfehler. Das sind fünfmal so viele Todesfälle wie im Straßenverkehr, analysiert der aktuelle AOK Krankenhausreport. Bei jährlich rund 190.000 Patienten begründen Behandlungsfehler gesundheitliche Schäden. Letztinstanzlich müssen dann Gerichte beurteilen, ob ein Behandlungsfehler vorlag.

Verletzung der Blasenwand und Infektion mit Noro-Viren – kein Behandlungsfehler

Wird bei der Operation eines beidseitigen Leistenbruchs eines dreijährigen Mädchens die Blasenwand verletzt und infiziert sich die Patientin nach der Operation mit Noro-Viren, muss kein ärztlicher Behandlungsfehler vorliegen. So lautet eine aktuelle Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamms (Aktenzeichen 26 U 183/12).
Bei dem dreijährigen Mädchen war ein beidseitiger Leistenbruch operiert, wobei es zu einer Verletzung der vorgefallenen Blasenwand kam. Dies wurde während der Operation bemerkt und sofort versorgt. Bei einer erneuten stationären Behandlung von Beschwerden, die wenige Tage nach der Operation aufgetreten waren, stellte sich heraus, dass sich das Mädchen zwischenzeitlich mit Noro-Viren infiziert hatte. Das Mädchen verklagte das Krankenhaus und die behandelnde Ärztin auf Schadensersatz in Höhe von rund 30.000 Euro.
Ohne Erfolg! Das Oberlandesgericht Hamm konnte nach der Anhörung einer kinderchirurgischen Sachverständigen keinen ärztlichen Behandlungsfehler feststellen. Die Operation des Mädchens sei indiziert gewesen und auch ohne Behandlungsfehler durchgeführt worden. Die Verletzung der Blasenwand sei eine seltene Komplikation. Im vorliegenden Fall beruhe sie darauf, dass der Bruch und der darin befindliche Blasenteil von Bauchfellstrukturen bedeckt gewesen sei und die vorgefallene Blasenwand deswegen - ohne den Vorwurf eine Behandlungsfehlers zu begründen - für einen Teil des Bruchsacks habe gehalten werden können. Diese verwechslungsbedingte Verletzung sei durch andere Maßnahmen nicht zu verhindern gewesen. Auf sie sei richtig reagiert worden. Man habe sie sofort erkannt und fachgerecht behandelt. Die Verletzung von Hygieneregeln sei nicht dargelegt und nicht ersichtlich. Das Mädchen habe zwar mit einem anderen Kind in einem Krankenzimmer gelegen. Dass dieses an einem Noro-Virus erkrankt gewesen sei, stehe nicht fest und sei mangels existierender Laborwerte auch nicht mehr aufklärbar. Ob das andere Kind seinerzeit einen Magen-Darm-Virus gehabt habe, sei unerheblich, weil dieser die Noro-Virus-Infektion des Mädchens nicht habe auslösen können, so das Oberlandesgericht Hamm.

Kein Schadensersatz für Komplikationen nach Heparinbehandlung ohne Aufklärung

Einer Patientin, bei der sich im Verlauf einer therapiebegleitenden Heparinbehandlung schmerzhafte Hämatome gebildet haben, steht kein Schadensersatzanspruch zu, wenn sie der - fehlerfrei durchgeführten - Behandlung auch bei ordnungsgemäßer Aufklärung zugestimmt hätte. So lautet eine weitere Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm (Aktenzeichen 3 U 54/12). Es sei nämlich davon auszugehen, dass die Klägerin der Heparinbehandlung auch bei Vornahme der gebotenen Aufklärung zugestimmt hätte (hypothetische Einwilligung). Deren Voraussetzungen habe zwar der behandelnde Arzt zu beweisen. Der Patient müsse jedoch in den Fällen, in denen die Ablehnung der Behandlung medizinisch unvernünftig gewesen wäre, plausible Gründe darlegen und das Gericht davon überzeugen, dass er sich in einem echten Entscheidungskonflikt befunden hätte. Letzteres sei der Klägerin nicht gelungen.


Letzte Aktualisierung am 2016-12-22 13:36:11.0

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