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Arztrecht , 11.09.2014

Behandlungsfehler oder Pfusch beim Zahnersatz?

Behandlungsfehler oder Pfusch beim Zahnersatz? © yanlev - Fotolia

Ob die Krone wackelt, oder das Implant drückt - Patienten sind oft mit den Folgen einer Zahnersatzbehandlung unzufrieden. Für den behandelnden Zahnarzt drohen dann nicht selten Arzthaftungsprozesse.

Zu früh eingebrachtes Langzeitprovisorium- Zahnarzthaftung!


Eine zahnärztliche Behandlung, die nach einer Therapie mittels Protrusionsschienen provisorischen Zahnersatz verfrüht eingliedert, kann grob behandlungsfehlerhaft sein. Das hat das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 26 U 14/13) entschieden. Laut zahnmedizinischem Gutachten sei bewiesen, dass der Zahnarzt die Frau provisorisch prothetisch versorgt habe, obwohl die Position des Unterkiefers durch die Schienentherapie noch nicht ausreichend gesichert gewesen sei. Die mit einer Schienentherapie erreichte Position sei erst dann als gesichert anzusehen, wenn die Betroffene mit ihr ein halbes Jahr beschwerdefrei gelebt habe. Bei der Patientin sei das nicht der Fall gewesen, sie habe noch Anfang September 2003 über Beschwerden geklagt. Ein grober Behandlungsfehler liege vor, weil die zu fordernde Zeit der Beschwerdefreiheit so deutlich unterschritten worden sei, dass sich ein Scheitern der zahnärztlichen Bemühungen geradezu aufgedrängt habe. Der Zahnarzt hafte daher für die bei der Frau eingetretenen Schäden.

Teilprothese durch Prothese mit Teleskopkronen ersetzt- Kein Behandlungsfehler!


Ein Zahnarzt hat keinen Behandlungsfehler begangen, wenn er eine mit Stiften zu befestigende, beschädigte Teilprothese durch eine Prothese mit Teleskopkronen ersetzt. Das hat ebenfalls das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 26 U 76/12) entschieden. Im zu entscheidenden Fall sei die prothetische Neuversorgung der Betroffenen indiziert gewesen. Eine Reparatur der alten Prothese wäre ebenso aufwendig gewesen wie die Neuversorgung. Auch die Reparatur hätte das Risiko von Druckstellen beinhaltet, zudem wäre eine Schwachstelle im Bereich der Stifte zurückgeblieben. Die neue Versorgung gung sei fachgerecht ausgeführt worden, eine unzureichende parodontale Befundung oder die Beschädigung eines in die Neuversorgung einbezogenen Eckzahns seien nicht festzustellen. Dass die Zahnärtzin eine parodontale Befundung nicht dokumentiert habe, habe keine gegenteilige Indizwirkung, weil insoweit aus zahnmedizinischer Sicht keine Dokumentationspflicht bestanden habe. Dann sei sie auch aus juristischer Sicht nicht zu fordern. Dass die Zahnärztin auf Beschwerden der Frau, insbesondere Druckstellen, unzureichend reagiert habe, lasse sich ebenfalls nicht feststellen.
In die zahnärztliche Behandlung habe die Frau auch wirksam eingewilligt. Über die neue Behandlung sei sie ausreichend informiert worden, diese sei auf der Basis eines der Frau zuvor ausgehändigten Kostenvoranschlages vorgenommen und der Patientin gegenüber abgerechnet worden, wobei sie ihren Eigenanteil gezahlt habe. Hieraus sei zu schließen, dass ihr der Umfang der Arbeiten bekannt gewesen sei und sie diese gebilligt habe. Über Behandlungsalternativen sei die Patientin nicht unzureichend aufgeklärt worden. Die Möglichkeit einer komplett auf Implantate gestützten neuerliche Versorgung sei mit ihr erörtert und letztlich wegen der Kosten und auch aus medizinischen Gründen abgelehnt worden. Weitere fachgerechte Behandlungsalternativen habe es nicht gegeben.



Letzte Aktualisierung am 2017-02-07 12:58:09.0

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