Logo anwaltssuche.de
Steuerrecht , 29.08.2017

Insolvenz und Selbstständigkeit: Beides gleichzeitig geht!

Viele Selbstständige und Kleinunternehmer gehen davon aus, dass das Insolvenzverfahren die Einstellung der selbstständigen Tätigkeit zur Folge hat. Dies ist in der Praxis aber gerade nicht der Fall. Der Insolvenzverwalter kann dem Selbstständigen nicht die weitere gewerbliche Tätigkeit untersagen. Auch sind dem Gewerbeaufsichtsamt die Hände gebunden. Bei einem laufenden Insolvenzverfahren kann das Gewerbe aufgrund der vorhandenen Verbindlichkeiten nicht entzogen werden.

I. Zeitpunkt


Auch wenn das Insolvenzverfahren ein unangenehmer Schritt ist, sollte man das Verfahren nicht unnötig vor sich herschieben. Nach unseren Erfahrungen leidet die Gesundheit massiv, wenn die Situation der permanenten Zahlungsunfähigkeit nicht in überschaubarer Zeit – maximal 3 – 6 Monate – behoben werden kann. Vorhandene Maßnahmen des Gerichtsvollziehers sowie Mahnbescheide etc. zu ignorieren und innerlich auszublenden geht lediglich für einen beschränkten Zeitraum. Insofern sollte man sich jedenfalls beraten lassen, um zu prüfen, welche Vermögenswerte tatsächlich noch vom Insolvenzverwalter verwertet/abgenommen werden können und welcher Verbindlichkeiten man sich im Gegenzug entledigen kann.

II. Folgen einer Insolvenz


Die unmittelbaren Folgen eines Insolvenzverfahrens sind zunächst überschaubar. Denn Sie sollten berücksichtigen, dass
- die Wohnung des Schuldners geschützt ist. Das Inventar also in der Regel pfändungsfrei ist;
- der PKW grundsätzlich für die Fortsetzung in der beruflichen/gewerblichen Tätigkeit benötigt wird und daher ebenfalls von der Verwertung ausgeschlossen ist;
- die Bargeldversorgung gesichert ist, wenn das Bankkonto als Pfändungsschutzkonto (P-Konto) geführt wird.

So ist folglich jeder Insolvenzverwalter bestrebt, die gewerbliche Tätigkeit zunächst fortzuführen, um gemeinsam mit dem Schuldner und ggf. dessen Berater eine tragfähige Lösung zu erarbeiten.

III. Freigabe der selbstständigen Tätigkeit


Aufgabe des Insolvenzverwalters ist es, die Insolvenzmasse zu vermehren. Dies bedeutet, dass vorhandene Vermögenswerte „versilbert“ werden sollen. Sofern ein Gewerbebetrieb vorhanden ist, wird der Insolvenzverwalter den Betrieb nur im Rahmen des Insolvenzverfahrens fortführen wollen, wenn absehbar ist, dass mit Sicherheit ein Überschuss erzielt werden kann. Betriebe, bei denen neben einer Kostendeckung nur der persönliche Lebensbedarf des Schuldners erwirtschaftet wird, werden in der Regel durch den Insolvenzverwalter freigegeben.

Dies bedeutet, dass der Unternehmer ohne die alten Verbindlichkeiten weiterarbeiten und sämtliche Einnahmen des Betriebes zur Kostendeckung und für seinen persönlichen Lebensbedarf verwenden kann. Die gewerbliche/selbstständige Tätigkeit wird quasi außerhalb des Insolvenzverfahrens fortgesetzt. Zeitgleich sind Zwangsvollstreckungsmaßnahmen wegen der Altschulden nicht mehr möglich.

Die Insolvenzmasse profitiert dennoch von der Fortsetzung der gewerblichen Tätigkeit. Allerdings nur insofern, als dass an den Insolvenzverwalter ein Betrag abgeführt wird, der bei einer fiktiven abhängigen Beschäftigung pfändbar wäre. Hierzu werden in der Regel mit dem Insolvenzverwalter Absprachen herbeigeführt.

IV. Ergebnis


Ein Insolvenzverfahren ist daher nicht nur ein Schreckgespenst, sondern bietet durchaus auch erhebliche Chancen, wieder finanziell, wirtschaftlich und auch gesundheitlich auf die Beine zu kommen. Sofern mit dem Betrieb laufend Gewinne erwirtschaftet werden, kann dieser im Rahmen des Insolvenzverfahrens fortgeführt werden.

Holger Syldath
Rechtsanwalt,
Fachanwalt für Insolvenzrecht,
geprüfter ESUG-Berater (DIAI)
Tel.: 0202 245670
Online-Beratung: https://gks-rechtsanwaelte.de/online-beratung/?L=0#holger-syldath
E-Mail: info@gks-rechtsanwaelte.de
Homepage: https://gks-rechtsanwaelte.de/

Rechtsanwalt GKS Rechtsanwälte
Rechtsanwaltkanzlei mit Vertretung in allen klassischen Rechtsgebieten für private und gewerbliche Mandanten
Morianstr. 3, 42103 Wuppertal
Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Steuern & Finanzen
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Steuerrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.9411764705882355 / 5 (17 Bewertungen)

Bitte Ort anklicken oder erweitertes Suchformular verwenden

A B D E F G H K L M P R S T V W Z
Steuerrecht Groß-Gerau
weitere Orte >>>
Steuerrecht Taucha
weitere Orte >>>
Steuerrecht Vettweiß
weitere Orte >>>
Steuerrecht Zülpich
weitere Orte >>>

Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Insolvenzrecht 03.12.2015
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten kann es vorkommen, dass Privatpersonen oder Unternehmen ihre Rechnungen nicht begleichen oder ihre Kredite nicht zurückzahlen können. Sind sie anhaltend nicht in der Lage, die Forderungen ihrer Gläubiger zu bedienen, kann es zu einem Insolvenzverfahren kommen.
Kategorie: Anwalt Insolvenzrecht 02.12.2015
Wenn nach nüchterner Betrachtung deutlich wird, dass die Reserven aufgebraucht sind, muss ein Schnitt her. Eine übliche Möglichkeit ist die Privat- oder Verbraucherinsolvenz, eine andere die Entschuldung vor der Insolvenz.
Kategorie: Anwalt Insolvenzrecht 03.12.2015
Ein Gläubiger lebt im guten Glauben, dass er Leistungen wieder zurück erhält, die er für einen Schuldner erbracht hat. Begleicht der Schuldner seine Schuld nicht wie vereinbart, kann der Gläubiger Ansprüche geltend machen. Dazu stehen ihm eine ganze Reihe von Rechtsmitteln zur Verfügung.
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht GKS Rechtsanwälte 2016-01-28 (565 mal gelesen)

Nach Untersuchungen der Auskunftei Creditreform sind in Deutschland aktuell ca. 6,7 Mio. Menschen überschuldet und nicht in der Lage, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Obwohl die Überschuldung und die Zahlungsunfähigkeit der natürlichen Personen daher tendenziell zugenommen haben, nehmen die Insolvenzverfahren für Verbraucher und selbstständige oder ehemals selbstständige Personen ab.

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.8333333333333335 / 5 (36 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Steuerrecht Christian von der Linden 2012-05-25 (313 mal gelesen)

Natürliche Personen können unter bestimmten Bedingungen im Insolvenzverfahren Restschuldbefreiung sechs Jahre nach Eröffnung für die noch offenen Schulden erlangen. Ausgenommen davon sind Verbindlichkeiten aus vorsätzlich unerlaubter Handlung, wenn die Gläubiger diesen Forderungsgrund ausdrücklich bei der Anmeldung ihrer Forderungen im Insolvenzverfahren angegeben haben.

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.125 / 5 (16 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Steuerrecht GKS Rechtsanwälte 2017-07-25 (185 mal gelesen)

Der Bundesgerichtshof eröffnet Schuldnern neue Möglichkeiten: Nach Einstellung eines Insolvenzverfahrens, beispielsweise mangels Masse oder auch Versagung der Restschuldbefreiung, kann sofort wieder ein neuer Antrag auf Insolvenzeröffnung gestellt werden – sogar inklusive Kostenstundung und Restschuldbefreiung (BGH, 04.05.2017 – IX ZB 92/16).

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.923076923076923 / 5 (13 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Steuerrecht GKS Rechtsanwälte 2010-04-12 (315 mal gelesen)

Der Schuldner einer Insolvenz ist gesetzlich verpflichtet, dem Insolvenzgericht, dem Insolvenzverwalter und dem Gläubigerausschuss über alle das Verfahren betreffende Verhältnisse unaufgefordert Auskunft zu erteilen.

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.764705882352941 / 5 (17 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Gesellschaftsrecht 2014-02-06 (993 mal gelesen)

Bekannt ist, dass GmbH-Geschäftsführer in aller Regel keine Zahlungen aus dem Gesellschaftsvermögen mehr leisten dürfen, wenn das Unternehmen einmal überschuldet ist. Wer als Geschäftsführer gegen diese Regel verstößt, muss den entstehenden Schaden dem Insolvenzverwalter gegenüber aus der eigenen Tasche begleichen. Doch ist ein Unternehmen tatsächlich auch dann überschuldet, wenn der Geschäftsführer noch über stille Reserven verfügt, die nicht in der Handelsbilanz ausgewiesen sind?

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.9038461538461537 / 5 (52 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Mietrecht GKS Rechtsanwälte 2014-10-03 (1023 mal gelesen)

Wer sich in einer Verbraucherinsolvenz befindet, sollte genau überprüfen, ob der zuständige Insolvenzverwalter seine "Freigabe" über bestehende Wohnraummietverhältnisse gegeben hat. Ist dies der Fall, so können dem insolventen Mieter etwaige Rückzahlungen - z. B. von Nebenkosten oder der Mietkaution - zustehen, ohne dass der Verwalter Zugriff auf diese Gelder hat. Dies ergibt sich aus einem Urteil des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe (Az.: VIII ZR 107/13).

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.913793103448276 / 5 (58 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Mietrecht GKS Rechtsanwälte 2012-01-30 (456 mal gelesen)

Mit der Drogeriemarktkette "Schlecker" hat in der letzten Woche ein deutsches Traditionsunternehmen aus dem Einzelhandel angekündigt, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen. Das Insolvenzverfahren Schleckers betrifft allerdings nicht nur die Kunden des Unternehmens, die sich künftig neu orientieren müssen. Vielmehr müssen Vermieter von Gewerberäumen, die ihre Räumlichkeiten an Schlecker zur Einrichtung von Filialen vermietet haben, um ihre vertraglichen Mieteinnahmen bangen.

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.086956521739131 / 5 (23 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Wirtschaftsrecht GKS Rechtsanwälte 2011-12-09 (829 mal gelesen)

Handlungsfähig bleiben in der Insolvenz - die Reform der InsO durch das ESUG macht es möglich!

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.0 / 5 (49 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Gesellschaftsrecht GKS Rechtsanwälte 2015-02-10 (1219 mal gelesen)

Seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten, ist es immer wieder die gleiche Feststellung: Nicht nur Geschäftsführer von Firmen, sondern auch Privatleute scheuen den Schritt in die Insolvenz wie der Teufel das Weihwasser. Dabei ist bekannt, dass insbesondere für Geschäftsführer von Firmen das Hinauszögern der Entscheidung, Insolvenzantrag zu stellen, diese in erhebliche strafrechtliche und zivilrechtliche Gefahren bringt.

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.8524590163934427 / 5 (61 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht 2014-09-04 (232 mal gelesen)

Ob es der Gärtner nach Feierabend ist oder der Handwerker, der auf das Ausstellen einer Rechnung verzichtet: Verstöße gegen das Gesetz zur Bekämpfung der Schwarzarbeit und illegalen Beschäftigung können zu empfindlichen Bußgeldern führen. In Deutschland sind rund 7.000 Zöllnern den Schwarzarbeitern auf der Spur!

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.6 / 5 (10 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Steuern & Finanzen

Suche in Expertentipps