Logo anwaltssuche.de
Verkehrsrecht ,

Kamera-Krad-Geschwindigkeitsmessung unzulässig?

Vor kurzem ging die Meldung durch die Presse, dass die von der Polizei vor allem im Hochsauerlandkreis eingesetzten Videomotorräder (sog. „ProViDa-Kräder“) nicht mehr eingesetzt werden können.

Vor kurzem ging die Meldung durch die Presse, dass die von der Polizei vor allem im Hochsauerlandkreis eingesetzten Videomotorräder (sog. „ProViDa-Kräder“) nicht mehr eingesetzt werden können. Der Hintergrund war, dass die physikalisch-technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig herausgefunden hatte, dass die Messwerte der Kamera-Kräder in Kurven zu hoch waren. Dies führte dazu, dass der Hersteller der Messgeräte die Anweisung herausgegeben hat, die Geräte vorerst in Kurvenfahrten nicht mehr zu verwenden. Hingegen seien Messungen auf gerader Strecke auch weiterhin erlaubt. Dies führt allerdings im Ergebnis dazu, dass der Einsatz der Kamera-Kräder insgesamt sehr schwierig wird, da Strecken, die ausreichend gerade für eine zulässige Messung wären, kaum vorhanden sind.

Messungen durch Nachfahren trotzdem möglich
Auch wenn gegen den Einsatz von ProViDa-Krädern Bedenken bestehen, bedeutet das nicht, dass die zivilen Messmotorräder der Polizei überhaupt nicht mehr zum Einsatz kommen. Nach wie vor zulässig ist nämlich eine Geschwindigkeitsmessung durch einfaches Nachfahren, bei welcher der Polizeibeamte die Geschwindigkeit des Verkehrssünders mit einem Blick auf den eigenen Tacho ermittelt. Das Video des Kamera-Krades kann dann allerdings nur noch als Beweis dafür eingesetzt werden, dass der Verkehrssünder überhaupt auf der Straße war. Entscheidend ist dann nur der abgelesene und nicht der elektronisch gemessene Wert.

########
Auf dieses Thema spezialisierte Rechtsanwälte:
Rechtsanwalt Vertragrecht
Rechtsanwalt Verkehrsrecht
Rechtsanwalt Strafrecht
########

Worauf sollten Betroffene achten?
Zum einen ist darauf zu achten, dass im Falle des Vorwurfs eines Verkehrsverstoßes tatsächlich nur eine Geschwindigkeitsmessung durch einfaches Nachfahren erfolgt ist. Sollte gleichwohl eine ProViDa-Messung während einer Kurvenfahrt erfolgt sein, kann dies dazu führen, dass die Messung vor Gericht nicht verwertet werden darf. Soweit eine Messung durch Ablesen vom eigenen Tacho erfolgt ist, ist darauf zu achten, dass wegen der Ungenauigkeit der Messmethode ein Abzug von 20% Toleranz bei ungeeichten Tachometern erforderlich ist. War der Tacho geeicht, richtet sich der Abzug nach der gemessenen Geschwindigkeit, so dass bei Geschwindigkeiten über 100 km/h auch hier 15 % abzuziehen sind.
Auf jeden Fall macht es Sinn, eine solche Messung im Rahmen des Bußgeldverfahrens durch einen spezialisierten Rechtsanwalt überprüfen zu lassen. Oftmals ist es auch sinnvoll, durch einen Sachverständigen, die Richtigkeit der Messung überprüfen zu lassen. Aus diesem Grund haben wir veranlasst, dass zwei solcher Messungen durch das renommierte Sachverständigenbüro VUT aus Püttlingen auf ihre Verwertbarkeit überprüft werden, wobei die Ergebnisse noch ausstehen. Die dadurch entstehenden Kosten werden dabei sogar in vielen Fällen durch die Rechtsschutzversicherung übernommen. Zumindest der Statistik nach sind jedenfalls 25% der Messungen fehlerhaft.


Frank Brüne
Rechtsanwalt







Tim Geißler
Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht



GKS Rechtsanwälte



Rechtsanwälte GKS Rechtsanwälte
Morianstr. 3, 42103 Wuppertal
gelistet in: Wuppertal
Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Auto & Verkehr
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Verkehrsrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_graustern_graustern_graustern_graustern_grau

0.0 / 5 (0 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht    (32 mal gelesen)

Zur Urlaubszeit sind wieder viele deutsche Autofahrer mit ihrem Fahrzeug im europäischen Ausland unterwegs. Gut, wer sich mit den jeweiligen Verkehrsregeln des Landes auskennt, ansonsten können bei Verkehrsverstößen empfindliche Geldbußen drohen …

4.5 / 5 (2 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht GKS Rechtsanwälte    (123 mal gelesen)

Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg (EuGH) hat mit einem folgenschweren Urteil eine vermeintliche Lücke für Autofahrer geschlossen, die nach dem Entzug der deutschen Fahrerlaubnis und einer entsprechenden Sperre weiter mit einem Führerschein aus einem europäischen Land Auto fuhren (EuGH, Urt. v. 21.05.2015, Rs. C-339/14).

Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht GKS Rechtsanwälte    (224 mal gelesen)

Was in Deutschland legitim ist, wird in der Schweiz mit einem Bußgeld geahndet. Tagtäglich wird hierzulande auf Facebook, Twitter oder anderen sozialen Netzwerken gepostet, wo wieder einmal eine Radarkontrolle durchgeführt wird.

5.0 / 5 (2 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht GKS Rechtsanwälte    (112 mal gelesen)

Der Teufel steckte wie immer im Detail - besser gesagt in der Länge eines unscheinbaren Kabels: Wie jetzt bekannt wurde, dürfen viele Autofahrer, die mit dem Gerät LEIVTEC XV3 als vermeintlich zu schnell fahrend gemessen wurden, berechtigt darauf hoffen, dass die Messung unverwertbar ist.

Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht GKS Rechtsanwälte    (111 mal gelesen)

Immer wieder ist in der anwaltlichen Praxis zu beobachten, dass die Auswertung von Geschwindigkeitsmessungen nicht durch Behörden sondern faktisch durch private Firmen durchgeführt wird. In einem solchen Fall hat das Amtsgericht Kassel nun ein "Beweisverwertungsverbot" für die fragliche Messung mit dem Gerät "Jenoptik 5350" ausgesprochen. Die Folge: der betroffene Autofahrer vom Vorwurf der Geschwindigkeitsüberschreitung freigesprochen (Az.: 350 OWi - 9863 Js 1377/15).

Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht    (22 mal gelesen)

Wer mit seinem Fahrzeug einen Unfall verursacht und einfach weiterfährt begeht Fahrerflucht - und die kann Autofahrer teuer zu stehen kommen.

Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht GKS Rechtsanwälte    (166 mal gelesen)

Erwirbt ein Verbraucher von einem Händler ein gebrauchtes Fahrzeug, muss er regelmäßig davon ausgehen, dass der Händler die Gewährleistungsfrist – zulässiger Weise – auf ein Jahr statt der gesetzlichen zwei Jahre verkürzt. In der Regel erfolgt die Verkürzung der Gewährleistungsfrist durch allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB). Gebrauchtwagenhändler bedienen sich dabei oft der vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe e.V. – kurz ZDK – herausgegebenen AGB.

Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht    (20 mal gelesen)

Auch beim Gebrauchtwagenkauf vom Autohändler sollte der Käufer genau hinschauen. Wird ihm ein Auto als „TÜV neu“ verkauft, muss es auch die notwendige Verkehrssicherheit aufweisen. Fehlt diese, kann der Käufer sofort vom Gebrauchtwagenkauf zurücktreten.

Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht GKS Rechtsanwälte    (153 mal gelesen)

Radwege sind nach der StVO (Zeichen 237) den Fahrradfahrern vorbehalten, im Zweifel haben Fahrräder dort Vorfahrt: "anderer Verkehr darf ihn (den Radweg) nicht benutzen" heißt es im Gesetz. Kollidiert ein Radfahrer allerdings auf einem Radweg in unmittelbarer Nähe einer Bushaltestelle mit einem Fußgänger, so kann dem Radfahrer ein überwiegendes Mitverschulden an dem Unfall angerechnet werden.

Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht    (13 mal gelesen)

Handy am Ohr und Autofahren ist verboten, das wissen alle Autofahrer! Doch ist es auch verboten ein Handy am Fahrzeugsteuer als Navigationshilfe zu nutzen, oder zur Internetrecherche?

Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht    (11 mal gelesen)

Autofahrer fürchten sie: die Fahrtenbuchauflage! Sie kann den Halter eines Fahrzeuges dann treffen, wenn die Straßenverkehrsbehörde nach einem Verkehrsverstoß vergeblich versucht hat, den Fahrer des Fahrzeuges festzustellen.

Alle Expertentipps zum Auto & Verkehr
Suche in Fachbeiträgen