Passwort-Klau bei Internet-Auktion

Passwort-Klau bei Internet-Auktion: Verkäufer muss Vertragsschluss beweisen

Wer Waren in einer Internetauktion versteigert, muss vor Gericht beweisen, dass mit dem Ersteigerer auch tatsächlich ein Vertrag zustande gekommen ist. Der Verkäufer bekommt nur dann sein Geld, wenn er die Behauptung des Käufers, ein Fremder habe unrechtmäßig mit seinem Passwort an der Versteigerung teilgenommen, widerlegen kann. So lautet jedenfalls ein Urteil des OLG Naumburg.

Der Fall: Ein Mann hatte über das Internet einen Audi A 4 Avant versteigert. Ein Bieter erhielt zum Preis von 15.500 Euro den Zuschlag. Der vermeintliche Ersteigerer weigerte sich aber zu zahlen, denn er habe an der Auktion gar nicht teilgenommen. Ein Unbekannter müsse sein Passwort geknackt und unbefugt unter seinem Namen mitgeboten haben. Der Verkäufer ließ diese Argument nicht gelten und zog vor Gericht. Er vertrat die Ansicht, der "Käufer" müsse zahlen, da er nicht bewiesen habe, dass bei der Versteigerung tatsächlich ein Fremder unrechtmäßig sein Passwort benutzt habe.

Die Richter wiesen die Klage mit der Begründung ab, dass die Nutzung des Internets mit Gefahren verbunden sei, weil technisch die Möglichkeit bestehe, auch ein ordnungsgemäß geschütztes Passwort auszuspähen und rechtswidrig zu nutzen. Der vermeintliche Ersteigerer habe hier auch schlüssig dargelegt, dass es bei der Auktion zu einer missbräuchlichen Nutzung seines Passwortes gekommen sein konnte. Daher hätte der Verkäufer diese Behauptung widerlegen und nachweisen müssen, dass der Mann, dessen Passwort verwendet wurde, auch wirklich sein Vertragspartner geworden sei. Das habe er nicht getan. Er könne deshalb nicht Zahlung des Kaufpreises verlangen.

OLG Naumburg (Urteil vom 02.03.2004 - 9 U 145/03)
(Meldung vom 19-Mai-2005)

[vom 14.05.2007]

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