Logo anwaltssuche.de
Arbeitsrecht ,

Ausbildungsunterhalt: Muss ich ein Praktikum meines Kindes finanzieren?

Eltern müssen für ein unentgeltliches Praktikum ihrer Kinder nicht unweigerlich zahlen. Die Voraussetzungen, die für eine Zahlung gegeben sein müssen, lesen Sie hier.

Gemäß § 1610 Abs. 2 BGB umfasst der Unterhaltsanspruch eines Kindes auch die Kosten einer Berufsausbildung. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes bemisst sich der Anspruch auf eine angemessene Ausbildung nach der Begabung und den Fähigkeiten, dem Leistungswillen und den beachtenswerten Neigungen des Kindes. Dementsprechend ist der überwiegende Teil der Eltern gern bereit, während der Ausbildung ihres Schützlings Unterhalt zu gewähren. Immer häufiger stellen sich Eltern jedoch die Frage, ob sie auch verpflichtet sind, nicht vergütete Praktika, die das Kind vor Beginn der Ausbildung oder im Anschluss an die Ausbildung absolviert, zu finanzieren.

Das OberlandesgerichtZweibrücken hat in seiner Entscheidung vom 12.05.2006 (2 WF 87/06) klargestellt, ein Praktikum ohne Vergütung rechtfertigt einen Anspruch auf sogenannten Ausbildungsunterhalt nur soweit und solange, wie das Praktikum für die Berufsausbildung vorgeschrieben ist. D.h. dient das Praktikum lediglich der Überbrückung von Wartezeiten bis zum Beginn des Studiums oder nach dem Studium zum Einstieg in das Berufsleben, so ist dies unterhaltsrechtlich nicht hinzunehmen.



Das Oberlandesgericht Rostock dagegen führt in seiner Entscheidung vom 18.04.2006 (10 WF 234/05) aus, ein Anspruch auf Ausbildungsunterhalt könne auch für die Dauer eines berufsvorbereitenden Praktikums bestehen. Das Praktikum sei zwar keine Ausbildung im engeren Sinne. Unter einer Berufsausbildung seien nicht nur Ausbildungsmaßnahmen wie z.B. Unterricht oder die Teilnahme an Kursen zu verstehen, sondern alle Maßnahmen, die dem Ziel dienen, Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Erfahrungen zu sammeln die als Grundlage für die Ausübung des angestrebten Berufs geeignet sind.
Auch wenn die Argumentation des Oberlandesgerichtes nicht von der Hand zu weisen ist, so birgt sie die Gefahr in sich, dass Kinder von ihren Eltern verlangen, mehrjährige Praktika zu finanzieren, was keineswegs dem Sinn und Zweck des Ausbildungsunterhaltes gerecht wird. Von den unterhaltspflichtigen Eltern kann daher allenfalls abverlangt werden, ein für die Berufsausbildung erforderliches Praktikum zu finanzieren, was der Auszubildende im Zweifel anhand eines Sachverständigengutachtens zu beweisen hat.

Kerstin Herms
Rechtsanwältin





Rechtsanwältin Kerstin Herms
Jägerallee 26, 14469 Potsdam
gelistet in: Potsdam
Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Arbeit & Beruf
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Arbeitsrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_graustern_graustern_graustern_graustern_grau

0.0 / 5 (0 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht    (137 mal gelesen)

Ein Darlehn für ein Auto, die Übernahme von Heizkosten oder für einen Gebärdendolmetscher – die Agentur für Arbeit ist mit unterschiedlichsten Anträgen auf finanzielle Unterstützung konfrontiert. Wie haben Ihnen interessante aktuelle Gerichtsentscheidungen rund um die Agentur für Arbeit zusammengestellt.

Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht GKS Rechtsanwälte    (132 mal gelesen)

Premiere in der Rechtsprechung: Erstmals äußerte sich Anfang August 2015 das Bundesarbeitsgericht (BAG) zur Altersvorgabe für den Zeitpunkt der Eheschließung für die Hinterbliebenenrente

Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht    (35 mal gelesen)

Hauterkrankungen, Lärmschwerhörigkeit und Erkrankungen an der Wirbelsäule sind einer aktuellen Statistik zur Folge die häufigsten Berufserkrankungen in Deutschland. Aber auch andere Erkrankungen von Arbeitnehmern können auf die berufliche Tätigkeit zurückzuführen sein und damit ein Fall für die gesetzliche Unfallversicherung werden.

5.0 / 5 (1 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht    (19 mal gelesen)

Wer Handwerker oder Dienstleister „ohne Rechnung“ beschäftigt hat im Hinblick auf Gewährleistungsansprüche wenn die geleistete Arbeit Mängel zeigt, das Nachsehen.

Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht GKS Rechtsanwälte    (131 mal gelesen)

Fachanwalt für Arbeitsrecht Volker Schneider bringt Licht ins Dunkel um auf den Mindestlohn anrechenbare Sonderzahlungen

Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht    (25 mal gelesen)

Ob Arbeitnehmer ihre Berufskleidung selbst bezahlen müssen, welche Bekleidung als Arbeitskleidung beim Finanzamt durchgeht und ob die Reinigung der Berufskleidung von der Steuer abgesetzt werden kann – dies und weitere Rechtstipps rund um die Arbeitskleidung lesen Sie hier …

Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht    (40 mal gelesen)

Krankheitsfälle und damit verbundene Arbeitsunfähigkeit sind ein immer währendes Konfliktfeld zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Streit gibt es etwa um Fragen wie: Wann muss der Arbeitnehmer den Chef von der Erkrankung informieren? Ab welchem Zeitpunkt kann der Arbeitgeber eine Arbeitsungfähigkeitsbescheinigung verlangen und was muss in dieser drin stehen? Lesen Sie mehr …

Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht    (19 mal gelesen)

Seit Anfang Januar 2015 gibt es in Deutschland einen gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro. Diese Lohngrenze darf seit dem vom Arbeitgeber nicht mehr unterschritten werden. Mittlerweile haben sich schon einige Gerichte mit dem Mindestlohn und seinen Folgen beschäftigt.

Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht Martin Kupka    (569 mal gelesen)

Vielen ist bekannt, dass man nach einer Kündigung als Arbeitnehmer schnell reagieren muss, da man eine rechtswidrige Kündigung - mit wenigen Ausnahmen - nicht mehr angreifen kann, wenn man nicht innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung Kündigungsschutzklage beim zuständigen Arbeitsgericht eingelegt hat.

Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht Martin P. Heinzelmann, LL.M.    (524 mal gelesen)

Wer von seinem Chef eine Kündigung erhält, ist darüber erfahrungsgemäß alles andere als erfreut. Der Verlust des Arbeitsplatzes stellt für die meisten Menschen eine existenzielle Bedrohung dar und zieht fast immer erhebliche finanzielle Folgen nach sich. Kein Wunder, dass sich viele Arbeiter und Angestellte gegen eine Entlassung wehren und rechtlich gegen die ausgesprochene Kündigung vorgehen.

Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht GKS Rechtsanwälte    (308 mal gelesen)

Auszubildende sind in aller Regel noch nicht so erfahren wie andere Mitarbeiter, die schon ihre Lehrphase durchschritten haben. Deshalb könnte man davon ausgehen, dass diese aufgrund ihrer fehlenden Kenntnisse und ihres zumeist noch jungen Alters, auch bei Haftungsfragen privilegiert werden.

Alle Expertentipps zum Arbeit & Beruf
Suche in Fachbeiträgen