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Reiserecht , 16.08.2010

Sandflöhe am Strand sind kein Reisemangel

Für Badeferien am Meer hat der Strand selbstverständlich eine besondere Bedeutung. Wenn er nicht den Erwartungen der Urlauber entspricht, ziehen sie gerne vor den Kadi – vorausgesetzt, sie haben jemanden, den sie verklagen können. Meist sind das die Reiseveranstalter, die zumindest aus Sicht ihres Kunden zuviel versprochen haben. Entschädigung oder nicht?

Für Badeferien am Meer hat der Strand selbstverständlich eine besondere Bedeutung. Wenn er nicht den Erwartungen der Urlauber entspricht, ziehen sie gerne vor den Kadi – vorausgesetzt, sie haben jemanden, den sie verklagen können. Meist sind das die Reiseveranstalter, die zumindest aus Sicht ihres Kunden zuviel versprochen haben. Entschädigung oder nicht? Die Rechtsanwaltskammer Frankfurt hat einmal in einschlägigen Urteilen geblättert.

Entspricht der Strand dem, was im Katalog der Reisefirma steht, dem was der Gast erlebt? Manchmal nicht, wenn auch generell die „Katalogwahrheit“ sehr zugenommen hat. Bei einem Apartmenthotel an der Türkischen Riviera war das nicht der Fall, wie das Amtsgericht Franfurt befand. Einem „herrlichen, flach ins Meer abfallenden feinen Sandstrand“ hatte der Katalog verheißen. Die Wirklichkeit sah anders aus: ein grobes Sand-Kies-Gemisch und nach wenigen Metern fiel der Strand steil ab in die Tiefe. 20 Prozent des Preises dieser Pauschalflugreise musste der Veranstalter zurückzahlen. Und weil die Firma vor Gericht auch noch erwähnt hatte, es können auch zu plötzlich auftretenden, bis zu zwei Meter hohen Wellen kommen, gab es in der Urteilsverkündung noch einen Hieb dazu: Diese akute Gefährdung hätte selbstverständlich auch in den Katalog gehört. (Az 32/30 C 2122/90-48) Auch die Katalogbeschreibung eines Reiseveranstalters, der Strand sei „teilweise felsig“, reichte den Richtern am Amtsgericht Düsseldorf nicht angesichts der Beweisaufnahme, wonach Strand und Meer völlig felsig und die Steine überdies gefährlich mit glitschigen Algen bewachsen waren. Der Rest des Standes war auch nicht „feinsandig“ sondern grob-kiesig. Aber es waren nicht die einzigen Mängel. Die nächsten WassersportMöglichkeiten waren mindestens zwei Kilometer entfernt, obgleich der Katalog für den Richter den Eindruck erweckte, Wassersport sei direkt beim Hotel möglich. Ein weiterer Mangel war die Straße zwischen Hotel und Strand, da der Katalog den Strand direkt vor der Tür versprach. Auch hier summierten sich die Mängel auf 20 Prozent Erstattung. (231 C 2599/97) Solch eine Straße beschäftigte auch schon das Landgericht Duisburg. Hier hatte es im Katalog geheißen, das Hotel liege direkt an einer Strandpromenade. Als Promenade wollte der Richter aber die Straße zwischen Herberge und Strand nicht ansehen, zumal sie auch nicht besonders ausgebaut war für Flaneure. Urteil: 5 Prozent Preisminderung. (12 S 71/07) Abgeblitzt ist ein Kläger, den das erhoffte Badevergnügen in Rimini durch eine Algenpest verleidet wurde. Das sei ein Naturereignis und kein Reisemangel, sagte das Landgericht Hannover. Der Veranstalter sei auch nicht verpflichtet gewesen, auf die Algenplage hinzuweisen, da es dazu eine umfangreiche Berichterstattung in der Presse gegeben habe. (11 S 164/90)
Und wie sieht es aus im Wasser? Das Amtsgericht München hat festgestellt, Reisende hätten gegenüber ihrem Veranstalter keinen Anspruch darauf, ungefährdet in Kreta im Meer schwimmen zu können. Das Reiseunternehmen habe keinen Einfluss auf andere Urlauber, die ihren Wassersport außerhalb der zugewiesenen Areale ausüben (212 C 39735). Aber es kommt immer auch auf den Einzelfall an. Einem Schwimmer, der zwischen Strand und Badeinsel von einem Motorboot verletzt wurde, sprach das Oberlandesgericht München vollen Schadensersatz zu, weil der Mottobootführer in solch einem Bereich stets mit Schwimmern zu rechnen habe. Auch ein Mitverschulden des Verletzten sah das Gericht nicht, weil der Beklagte nicht beweisen konnte, dass der Schwimmer schnorchelte und sich mit einer Art Boje hätte sichern sollen. Auch den Vorwurf, der Schwimmer habe nach sich nähernden Booten Ausschau halten müssen, akzeptierten die Richter nicht: ein Schwimmer ist einem mit 38 km/h fahrenden Motorboot in seinen Manövriermöglichkeiten in jeder Hinsicht unterlegen. Der Bundesgerichtshof hat den Fall nicht zur Revision angenommen.(19 U 2221/99) Noch schwieriger kann es für Urlauber werden, zumindest einen Teil ihrer Reisekosten erstattet zu bekommen, wenn die Natur gegen ihn ist. So erging es einer Familie, die bei einer sehr teuren Seychellen-Reise Pech mit dem Wetter hatte. Hohe Wellen erlaubten weder Schnorcheln noch Baden. Das sei ein natürliches Risiko von Meer und Wetter, urteilte das Landgericht Hannover, also kein Grund zur Erstattung eines Viertels des Reisepreises. Auch die Kataloginformation zum üblichen Wetter auf den Inseln halfen dem Kläger nicht: Ein „verständiger Reisender“ könne nicht erwarten, dass der Veranstalter Unwägbarkeiten der Natur ausschließen könne. (1 O 59/09)
Schnorchlern und Tauchern riet das Amtsgericht Ludwigsburg, den Reisekatalog nicht misszuverstehen.
Wenn es dort heiße, in der Nähe des Hotels liegen ein Hausriff, dann heiße das nicht, dass dort auch jemand ohne Erfahrung tauchen und schnorcheln könne. Hier komme es auch auf die Fähigkeiten des Urlaubers an und auf die habe der Reiseveranstalter keinen Einfluss. (5 C 3719/99)

Die Natur kann auch in ganz anderer Weise negativ auf die Urlaubsfreude wirken. Aber Sandflöhe an einem öffentlichen Karibikstrand führen nicht zur Rückerstattung, sagt das Amtsgericht in Köln. Der Kläger bekam aber in einem anderen Punkt Recht. Er hatte moniert, dass das Meer am Hotelstrand dauerhaft bräunlichtrüb sei. Darauf hätte der Reiseveranstalter zwar auch keinen Einfluss gehabt, aber sein Katalogfoto mit blauem Meer begründete den Reisemangel. (134 C 419/07)

Strittig ist auch häufig die Qualität des Strandes. Einen tragischen Fall musste vor einigen Jahren das Oberlandesgericht Schleswig entscheiden: Ein Feriengast war am Ostseestrand in eine im Sand verborgene rostige Coladose getreten. Die Verletzung führte, so der Kläger, in der Folge dazu, dass dem Mann beide Unterschenkel amputiert werden mussten. War die gemeinde schuld? Nein, sagten die Richter, es handele sich um ein Risiko an einem allgemein zugänglichen Strand. Die Gemeinde ließ zwar den Strand von sichtbarem Müll reinigen, aber nicht in der Tiefe durchharken oder gar durchsieben. Das sei, so das Gericht, ausreichend.

Die Arbeiter könnten gerade im Bereich der Strandkörbe und Sandburgen die Zwischenräume nicht auf vergrabenen Unrat untersuchen. (11 U 39/92) „Waldi darf mit“ hieß es im Katalog, mit der Einschränkung, Vierbeiner seien im Restaurant nicht geduldet. Als die Urlauber am jugoslawischen Ferienort ankamen, hieß es jedoch an den Ständen: Keine Hunde. Für andere Ziele in dem Katalog war auf das Strandverbot für Hunde hingewiesen worden, nicht aber für das Ferienziel des Klägers. Deshalb beschied das Landgericht Hannover: Reisemangel. (3 S 158/89) Auch die Hotels für den Badeurlaub sind nicht selten ein Grund für den Gang zum Kadi. Etwa die Katalogzeile „Hotel mit Meerblick“. Das bedeutet, so das Amtsgericht Hamburg, nicht automatisch, dass das Quartier direkt am Strand liegt. Der Kläger scheiterte in derselben Sache auch mit seiner Beschwerde über ein „4Sterne-Hotel“, das dieser Kategorie aber nicht entspreche. Diese Einordnung, so der Richter, beziehe aber nur auf vergleichbare Hotels im Katalog des Reiseveranstalters. Im Ausland dürfe man dann nicht immer den Standard eines 4-Sterne-Hauses in Deutschland erwarten. (22 C 204/97) Namen sind Schall und Rauch, hatte Goethe gesagt. Soweit wollte das Oberlandesgericht Celle zwar nicht gehen. Aber die Richter sagten, der Hotelname „Beach Club“ lasse keine Vermutung zur Entfernung vom Strand zu, zumal im Katalog von 100 bis 800 Meter die Rede war. Diese vage Angabe hätte die Klägerin sensibilisieren sollen, denn wenn es günstiger sei für den Veranstalter, nutze er präzisere Angaben. In dem Fall waren es in Luftlinie nur 100 Meter zum Strand, aber wegen einer Baustelle wurden es 700 Meter. Kein Reisemangel. (11 U 251/03)

Zwei Reisemängel verzeichnete hingegen das Landgericht Hannover in bei einem All-inclusive-Angebot in
Griechenland: Die Bar, die laut Katalog von 10 bis 24 Uhr geöffnet sein sollte, war nur während der Mahlzeiten besetzt. Überdies fehlte dem Zimmer der gebuchte Meerblick. Dafür gab es eine Minderung des Reisepreises um zehn Prozent. Nicht durchsetzen konnte sich der Kläger allerdings mit weiteren Beanstandungen, etwa mit dem Verweis auf den fehlenden Service am Tisch in einem Buffet-Restaurant oder auf fehlende Liegestühle. Büffet bedeutet Selbstbedienung, hörten die Kläger vor Gericht, und 50 Liegestühle für 100 Zimmer sind auch ausreichend.

Schließlich: Darf das örtlich Aufsichtspersonal an einem öffentlichen Strand ein zeitweises Badeverbot aussprechen? Ja, sagt das Amtsgericht Bad Homburg. (2 C 1658/01). Darf eine Kommune, in diesem Fall auf Sylt, aus Naturschutzgründen für einen Teil des Strandes ein „Betretungsverbot“ erlassen? Ja, sie darf, sagt das Verwaltungsgericht Schleswig. Und die so geschützten Kegelrobben werden es den Robenträgern danken. (1 D 41/88)

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