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Mietrecht , 20.09.2012

Schimmel in der Wohnung – Wann darf die Miete gemindert werden?

Feuchtigkeit und Schimmelbildung haben in der kälteren Jahreszeit wieder in vielen Mietwohnungen Hochkonjunktur. Tritt das Problem auf, verweisen Vermieter gerne darauf, dass der Mieter nicht, falsch oder zu wenig lüftet. Wir zeigen Ihnen, wie Sie bei Schimmelbildung in ihrer Wohnung richtig vorgehen, und wann eine Minderung der Miete gerechtfertigt ist.

Feuchtigkeit und Schimmelbildung haben in der kälteren Jahreszeit wieder in vielen Mietwohnungen Hochkonjunktur. Tritt das Problem auf, verweisen Vermieter gerne darauf, dass der Mieter nicht, falsch oder zu wenig lüftet. Wir zeigen Ihnen, wie Sie bei Schimmelbildung in ihrer Wohnung richtig vorgehen, und wann eine Minderung der Miete gerechtfertigt ist.

• Sofort Vermieter informieren
Zunächst sollten Mieter, sobald sie Schimmelbildung in ihrer Wohnung feststellen, ihren Vermieter informieren. Der Bundesgerichtshof ( Az. VIII ZR 182/06) hielt den überstürzten Auszug aus der Wohnung und die fristlose Kündigung eines Mieters wegen Schimmelbildung in seiner Wohnung für unwirksam, da er dem Vermieter nicht die Möglichkeit eingeräumt hatte, den Mietmangel Schimmel zu beseitigen.
Unterlassen Mieter die Anzeige des Mietmangels Schimmel an den Vermieter und erkranken aufgrund des Schimmels, haben sie keinen Anspruch gegenüber dem Vermieter auf Schmerzensgeld. Dies entschied das Kammergericht Berlin ( AZ 22 W 33/05 ).

• Mietminderung
Bleibt der Vermieter untätig, oder bekommt er die Schimmelbildung nicht in den Griff, hat der Mieter die Möglichkeit die Miete zu mindern, wenn die Schimmelbildung aufgrund der Bausubstanz und nicht nur auf falsches Lüften zurückzuführen ist (LG Frankfurt/Oder AZ 19 S 22/09).
Wie hoch eine Mietminderung ausfällt, hängt in der Regel davon ab, wieviel Wohnfläche betroffen ist. Eine Mietminderung von 100 Prozent sah das Amtsgericht München (AZ 412 C 11503/09) in dem Fall gerechtfertigt, in dem die Schimmelbildung in einer Wohnung nur durch ständiges Lüften vermieden werden kann. Dies entspricht nicht mehr den Anforderungen an eine normale Wohnungsnutzung. Nach Ansicht des Gerichts, dürfe das für eine Wohnnutzung erforderliche Lüftungsverhalten nicht so weit gehen, dass dadurch die Nutzung der Wohnung und das Lebensverhalten der Mieterin eingeschränkt werden. Insbesondere müsse es der Mieterin auch möglich sein, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen, bei der sie tagsüber nicht in der Wohnung sei und folglich nicht lüften könne.
Das Landgericht Frankfurt (Az. 2-17 S 89/11) hat aktuell entschieden, dass einem Mieter bei Schimmelbefall der Wohnung eine drei- bis viermalige Lüftung der Wohnung am Tag zugemutet werden kann. „Anders als das Amtsgericht hält die Einzelrichterin das Stoßlüften 3 bis 4 mal täglich auch für einen berufstätigen Mieter nicht für unzumutbar. So kann morgens vor Verlassen des Hauses 1 bis 2 mal gelüftet werden, dann am Nachmittag nach Rückkehr von der Arbeit und am Abend“, so das Gericht in seiner Urteilsbegründung.

• Fristlose Kündigung des Mietverhältnisses
Ein Mieter hat darüberhinaus die Möglichkeit das Mietverhältnis sofort zu kündigen, wenn der Schimmelbefall der Wohnung nicht dauerhaft erfolgreich beseitigt werden kann und Gesundheitsgefahren drohen.

Tipp: Mieter sollten vor einer Mietminderung, immer genau prüfen, ob sie ihren Pflichten zum Heizen und Lüften nachgekommen sind, um einen Schimmelbefall der Wohnung zu vermeiden. Falls der Schimmelbefall nämlich durch den Mieter verursacht wurde, ist er auch dazu verpflichtet diesen zu beseitigen und hat kein Recht die Miete zu mindern.



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