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Familienrecht , 21.08.2012

Sorgerecht- Wo bleiben die Kinder nach der Scheidung?

Nach einer Scheidung behalten Ehepaare automatisch das gemeinsame Sorgerecht. Was geschieht aber, wenn ein Elternteil nicht mit dem gemeinsamen Sorgerecht einverstanden ist?

Nach einer Scheidung behalten Ehepaare automatisch das gemeinsame Sorgerecht. Was geschieht aber, wenn ein Elternteil nicht mit dem gemeinsamen Sorgerecht einverstanden ist?

Das Elternteil, bei dem das Kind lebt, steht die Alltagssorge zu, das heißt es kann alle Fragen des täglichen Lebens selbst entscheiden. Das abwesende Elternteil hat nur ein Mitspracherecht bei Fragen von erheblicher Bedeutung. In vielen Fällen streiten sich an diesem Punkt die Eltern, wann nun eine Frage von erheblicher Bedeutung vorliegt, und wann nicht. Fragen von erheblicher Bedeutung sind beispielsweise Fragen der Gesundheit, Ausbildung, Schule, Aufenthaltsbestimmung und der Vermögensbildung und -verwaltung.
In vielen Fällen gelingt es den geschiedenen Eltern nicht, diese Fragen gemeinsam im Interesse des Kindes zu klären. Für das Kind ist es dann das Beste, wenn ein Elternteil das alleinige Sorgerecht besitzt.

Entscheidet sich ein Elternteil gegen ein gemeinsames Sorgerecht für die Kinder, so muss er einen Antrag beim zuständigen Familiengericht auf Erteilung des alleinigen Sorgerechts stellen. Stimmt der andere Elternteil dem Antrag zu, so muss das Gericht die gemeinsame Entscheidung der Eltern akzeptieren und entsprechend entscheiden. Ist das betroffene Kind 14 Jahre und älter, kann es dem Antrag des Elternteils widersprechen. Das Gericht ist dann in seiner Entscheidung frei. Stimmt der andere Elternteil dem Antrag nicht zu, so muss das Gericht dann im Interesse des Kindes entscheiden, welche Form des Sorgerechts für es am besten ist.
Das Gericht wird zunächst prüfen, inwieweit überhaupt noch ein gemeinsames Sorgerecht möglich ist, und ob das alleinige Sorgerecht des Antragsstellers die beste Lösung für das Kindeswohl darstellt.
Bei der sogenannten großen Kindeswohl-Prüfung entscheidet das Gericht nach vier verschiedenen Kriterien:

- Förderungsprinzip:
Hier wird vom Gericht geprüft, welcher Elternteil besser in der Lage ist, das Kind zu fördern. In der Regel hat der nicht berufstätige Elternteil hier die besseren Karten.

- Kontinuitätsprinzip:
Das Gericht prüft, welcher Elternteil in der Vergangenheit den größeren Erziehungsanteil hatte und wer daher die Erziehung kontinuierlich fortsetzen kann.
Für die gesunde psychosoziale Entwicklung des Kindes ist eine Einheitlichkeit, Gleichmäßigkeit und Stabilität der Erziehungsverhältnisse wichtig.

- Nestprinzip
Das Gericht stellt hier die Frage, zu welchem Elternteil das Kind die größere Bindung aufgebaut hat. Dies ist naturgemäß der Elternteil, der sich am meisten um das Kind kümmert. Aber auch die Bindung an die Geschwister ist eine Entscheidungsgröße für das Gericht. Um die soziale Bindung der Kinder aneinander nicht zu stören, wird das Gericht regelmäßig die elterliche Sorge für alle Kinder auf ein Elternteil übertragen.

- Kindeswille
Der Kindeswille muss von Gericht mitberücksichtigt werden. Schießlich geht es ja um seine konkrete zukünftige Lebensweise. Hierbei ist es oft eine Schwierigkeit für das Gericht herauszufinden, welche Entscheidung des Kindes wirklich sein Wille ist, oder inwieweit die Entscheidung durch äußere Umstände, wie Versprechen oder Geschenke, beeinflusst wurde.

Achtung Sorgerechtsreform: Die Bundesregierung hat 2012 ein neues Sorgerecht verabschiedet. Neu ist insbesondere, dass unverheiratete Väter auch gegen den Willen der Mutter ein Mit-Sorgerecht haben können, wenn dies dem Kindeswohl nicht widerspricht. Die Sorgerechtsreform soll im Frühjahr 2013 in Kraft treten.

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