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Arztrecht , 22.04.2015

Tierarzthaftung bei der Behandlung von Pferden

Reitpferde sind ein teures Hobby. Kommt das Tier aufgrund eines Behandlungsfehlers des Tierarztes zu Schaden, oder stirbt sogar, ist der Tierarzt mit hohen Schadensersatzforderungen konfrontiert.

Pferd tot- Tierarzt haftet!


Nach einer fehlerhaften Behandlung muss ein Tierarzt der Pferdehalterin Schadensersatz zahlen. Im vom Oberlandesgericht Osnabrück (Aktenzeichen 14 U 100/14) zu entscheidenden Fall hatte die Pferdehalterin dem Tierarzt ihr Pferd zur Behandlung vorgestellt, nachdem sie an der Innenseite des rechten hinteren Beines in der Höhe des Unterschenkelknochens eine Verletzung festgestellt hatte. Der Tierarzt verschloss die Wunde und gab die Anweisung, das Pferd müsse zwei Tage geschont werden. Es könne dann aber wieder geritten werden, soweit keine Schwellung im Wundbereich eintrete. Drei Tage später wurde das Pferd zum Beritt abgeholt. Die Reiterin stellte beim ersten Beritt leichte Taktunreinheiten im Bereich des verletzten Beines fest und stellte daraufhin das Reiten ein. Weitere drei Tage später diagnostizierte der Tierarzt eine Fraktur des verletzten Beines. Die Operation der Fraktur gelang nicht, das Pferd wurde noch am selben Tag getötet. Wie sich nach Einholung eines Sachverständigengutachtens im Prozess herausstellte, hatte sich das Pferd durch den Tritt eines Artgenossen nicht nur eine äußerliche Wunde zugezogen, sondern auch eine Fissur des Knochens. Diese Fissur hatte sich zu einer vollständigen Fraktur entwickelt.

Das Gericht geht von einem schweren Behandlungsfehler durch den beklagten Tierarzt aus. Dieser hätte erkennen müssen, dass die Möglichkeit eine Fissur bestand. Er hätte dazu weitere Untersuchungen vornehmen müssen, die die Fissur bestätigt hätten. Sodann hätte er die Empfehlung aussprechen müssen, das Tier möglichst so zu halten, dass es sich wenig bewegen und sich insbesondere nicht hinlegen kann. Tatsächlich war die Fraktur des Beines beim Aufstehen des Pferdes entstanden, während es alleine im Paddock gehalten wurde.

Der juristische Kern des Falles lag insbesondere in der Frage, ob der schwere Behandlungsfehler ursächlich für die Fraktur geworden war. Dies konnte der Sachverständige nicht eindeutig bejahen oder verneinen, weshalb es darauf ankam, ob die Tierhalterin oder der Tierarzt die Beweislast trägt. Die Beweislast liegt grundsätzlich beim Tierhalter. Das Gericht nahm im Ergebnis die Umkehr der Beweislast an und bejahte die Eintrittspflicht des Tierarztes: Die Frage der Beweislastumkehr sei nicht generalisierend, sondern in jedem Einzelfall zu prüfen. Sie komme hier in Betracht, weil der Tierarzt durch seinen Rat, das Pferd könne bereits nach zwei Tagen wieder geritten werden, das Risiko einer Fraktur mit dem für das Tier tödlichen Ausgang noch wesentlich erhöht habe.
Nach dieser Entscheidung hat das Landgericht über die Höhe des Schadensersatzanspruches zu entscheiden, den die Tierhalterin mit mehr als 100.000 € beziffert.

Nicht notwendige Operation- Tierarzt muss Schadensersatz leisten!


Ein Tierarzt der einen lahmenden Dressurhengst einer nicht notwendigen Operation unterzog, muss dessen Eigentümer Schadensersatz und zwar in Höhe von 60.000 Euro zahlen. Das entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 26 U 3/11).

Im zugrundeliegenden Fall war bei einem Dressurpferd im hinteren Bereich des Fesselgelenks 2 Chips (kleine Knorpel-Knochenfragmente im Gelenk operativ vom beklagten Tierarzt entfernt worden. Nach der Operation lahmte der Dressurhengst dauerhaft und konnte zur Dressur nicht mehr eingesetzt werden. Die Eigentümer des Pferdes warfen daraufhin dem Tierarzt vor, er habe den Hengst ohne ausreichende Indikation und darüberhinaus auch fehlerhaft operiert sowie über die Risiken der Operation nicht ausreichend aufgeklärt. Sie klagten daher auf Schadensersatz.
Mit Erfolg, entschied das Oberlandesgericht Hamm und sprach den Eigentümern 60.000 Euro Schadensersatz zu. Aufgrund eines Sachverständigengutachten und der Vernehmung eines Zeugen hat das Gericht die Voraussetzungen für eine Haftung des Beklagten bejaht. Der Tierarzt habe ohne ausreichende Notwendigkeit mit einem suboptimalen Zugangsweg operiert, was grob fehlerhaft sei, und die Klägerin bzw. ihren verstorbenen Ehemann zudem nicht ausreichend über die Risiken der Operation aufgeklärt.
Der Tierarzt habe seinerzeit nicht operieren dürfen, weil die Ursachen einer positiven Beugeprobe nicht festgestanden hätten. Der Erfolg einer Operation sei offen gewesen, die vom Tierarztgewählte Operationsmethode über den suboptimalen Zugangsweg zur Entfernung beider Chips mit einem operativen Eingriff habe zu einer weiteren Traumatisierung des Bandapparates geführt. Angesichts dieser grob fehlerhaften Behandlung kehre sich die Beweislast um. Die dauerhafte Lahmheit gehe zulasten des Beklagten, der nicht nachweisen könne, dass seine Operation erfolgreich und der Schaden erst durch das spätere hengsthafte Verhalten des Pferdes eingetreten sei. Über die Risiken der Operation habe der Tierarzt auch nicht ausreichend aufgeklärt.




Letzte Aktualisierung am 2016-12-22 11:37:59.0

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