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Arztrecht , 27.11.2013

Wann liegt ein ärztlicher Behandlungsfehler vor?

Führt eine ärztliche Behandlung nicht zum gewünschten Heilungserfolg, vermuten immer mehr Patienten darin einen ärztlichen Behandlungsfehler. Ein Arzt muss aber nur für fahrlässige Fehldiagnosen und Behandlungsfehler einstehen, wie folgendes Urteil zeigt.

Dauerhafte Kniebeschwerden nach Umstellungsosteotomie - kein ärztlicher Behandlungsfehler

Eine in einem Kniegelenk durchgeführte Umstellungsosteotomie, nach der beim 52jährigen Patienten weiterhin Kniegelenksbeschwerden aufgetreten sind, ist nicht behandlungsfehlerhaft und nicht ohne ausreichende ärztliche Aufklärung durchgeführt worden, weil dem Patienten keine Operation mit einer Schlittenprothese empfohlen wurde. So lautet eine Entscheidung des Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 26 U 61/12) im Fall eines Patienten, bei dem aufgrund von Kniebeschwerden eine Umstellungsosteotomie in einem Krankenhaus vorgenommen wurde. Nach der Operation waren die Knieschmerzen allerdings nicht verschwunden und das Kniegelenk musste in einem anderen Krankenhaus nochmals operiert werden. Der Patient war der Ansicht, dass die erste Operation fehlerhaft gewesen sei. Man habe ihn nicht genügend aufgeklärt. Außerdem hätte bei ihm eine Operation mit einer Schlittenprothese und keine Umstellungsosteotomie vorgenommen werden müssen. Er verlangte vom Krankenhaus ein Schmerzensgeld in Höhe von 25.000 Euro.

Zu Unrecht, sagt das Oberlandesgericht Hamm. Die Richter konnten keine behandlungsfehlerhafte oder ohne ausreichende Einwilligung des Klägers durchgeführte Operation feststellen. Dass die Umstellungsoperation beim Kläger mit dem Ziel der Neutralstellung und nicht mit dem Ziel einer Überkorrektur der zuvor vorhandenen Fehlstellung vorgenommen worden sei, liege nach den Ausführungen des medizinischen Sachverständigen im Bereich einer fachgerechten Behandlung. Der Patient habe vor der Operation auch einer Umstellungsosteotomie und nicht einer Operation mit einer Schlittenprothese zugestimmt. Über die Risiken einer Umstellungsosteotomie und die alternativ mögliche Operation mit einer Schlittenprothese sei der Patienten ausreichend aufgeklärt worden. Auch das folge aus dem Ergebnis der Beweisaufnahme. Zu einer Operation mit Schlittenprothese habe das Krankenhaus dem Patienten nicht raten müssen. Nach den Ausführungen des Sachverständigen sei er insoweit zu jung gewesen. Prothesen seien bei jüngeren Patienten einer stärkeren Belastung ausgesetzt, so dass sie sich eher lockerten und dann auszutauschen seien. Das führe zu einem immer größeren Eingriff in den natürlichen Knochen und das Gewebe und berge die Gefahr von Entzündungen. Bei Patienten im Alter des Klägers sei deswegen noch ein gelenkerhaltender Eingriff zu bevorzugen, so die Hammer Richter.

Letzte Aktualisierung am 2016-12-22 13:38:27.0

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