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Arztrecht , 27.03.2014

Zahnersatz - Haftet der Zahnarzt bei Schmerzen?

Kronen, Brücken oder Prothesen- die Auswahl an Zahnersatz ist groß. Welcher Zahnersatz der richtige für den Patienten ist, muss der Zahnarzt letztlich entscheiden. Macht der Zahnersatz dem Patienten dann Kummer, muss er dem Zahnarzt einen Behandlungsfehler nachweisen.

Austausch verschiedener Prothesen kein Behandlungsfehler

Ein Zahnarzt handelt nicht behandlungsfehlerhaft, wenn er eine mit Stiften zu befestigende, beschädigte Teilprothese durch eine Prothese mit Teleskopkronen ersetzt. So lautet eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm (Aktenzeichen 26 U 76/12) im Fall einer Patientin, die seit dem Jahre 1989 im Unterkiefer eine herausnehmbare, mit einem Stiftsystem befestigte Teilprothese trug. Aufgrund eines Prothesenschadens fertigte die beklagte 2008 eine prothetische Neuversorgung an. Hierbei wurde die ältere Prothese durch eine Prothese mit Teleskopkronen ersetzt. Obwohl Reparaturen und Anpassungen an der Prothese von der Zahnärztin vorgenommen wurden, hatte die Patientin nachwievor Schmerzen. Sie war der Meinung, dass die Prothesen-Neuversorgung nicht indiziert gewesen und fehlerhaft ausgeführt worden sei. Außerdem sei sie nicht hinreichend aufgeklärt worden. Aus diesen Gründen verklagte die Patientin die Zahnärztin auf Schadensersatz und Schmerzensgeld von rund 20.000 Euro und Ersatz eines Haushaltsführungsschadens von über 40.000 Euro.

Zu Unrecht, entschied das Oberlandesgericht Hamm. Die prothetische Neuversorgung der Klägerin sei indiziert gewesen. Eine Reparatur der alten Prothese wäre ebenso aufwendig gewesen wie die Neuversorgung. Auch die Reparatur hätte das Risiko von Druckstellen beinhaltet, zudem wäre eine Schwachstelle im Bereich der Stifte zurückgeblieben. Die Neuversorgung sei fachgerecht ausgeführt worden, eine unzureichende parodontale Befundung oder die Beschädigung eines in die Neuversorgung einbezogenen Eckzahns seien nicht festzustellen. Dass die Zahnärztin eine parodontale Befundung nicht dokumentiert habe, habe keine gegenteilige Indizwirkung, weil insoweit aus zahnmedizinischer Sicht keine Dokumentationspflicht bestanden habe.

Patientin war aufgeklärt

In die zahnärztliche Behandlung habe die Patientin auch wirksam eingewilligt. Über die Neuversorgung sei sie ausreichend informiert worden, diese sei auf der Basis eines der Zahnärztin zuvor ausgehändigten Kostenvoranschlages vorgenommen und der Patientin gegenüber abgerechnet worden, wobei sie ihren Eigenanteil gezahlt habe. Hieraus sei zu schließen, dass ihr der Umfang der Arbeiten bekannt gewesen sei und sie diese gebilligt habe. Über Behandlungsalternativen sei die Patientin nicht unzureichend aufgeklärt worden. Die Möglichkeit einer komplett auf Implantate gestützten Neuversorgung sei mit ihr erörtert und letztlich wegen der Kosten und auch aus medizinischen Gründen abgelehnt worden. Weitere fachgerechte Behandlungsalternativen habe es nicht gegeben, so die Hammer Richter.



Letzte Aktualisierung am 2016-12-22 13:31:05.0

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