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Kategorie: Anwalt Arztrecht , 03.11.2015 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Kosten für Heilpraktiker – Wer muss zahlen?

Immer mehr Menschen suchen jenseits der klassischen Schulmedizin Lösungen für ihre Gesundheitsbeschwerden, etwa bei einem Heilpraktiker. Die Kosten für eine Heilpraktikerbehandlung können im Einzelfall sehr hoch sein – wer muss zahlen: Patient oder Krankenkasse?

Wer muss Heilpraktikerbehandlung bezahlen?


Schlechte Nachrichten für gesetzlich versicherte Patienten: Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten eine Heilpraktikerbehandlung in der Regel nicht. Es gibt allerdings gesetzliche Krankenkassen, die Zusatzversicherungen für alternative Medizin anbieten.
Gute Nachrichten für privat versicherte Patienten: Die privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten für Heilpraktikerbehandlungen in der Regel. Beamte haben im Hinblick auf die Kosten für eine Heilpraktikerbehandlung meistens einen Anspruch auf Beihilfe.

Private Krankenversicherung muss Kosten für Heilpraktikerbehandlungen im Ausland nicht erstatten


Nach einem Urteil des Landgerichts Trier (Aktenzeichen 1 S 123/15) ist eine private Krankenkasse nicht zur Kostenübernahme einer Heilpraktikerbehandlung in Luxemburg verpflichtet, wenn der Heilpraktiker über keine Erlaubnis nach dem deutschen Heilpraktikergesetz verfügt.
Im zugrundeliegenden Fall hatte ein Patient einen in Luxemburg tätigen Chiropraktiker aufgesucht. Als er die Kosten für diese Behandlung von seiner privaten Krankenkasse zurück erstattet haben wollte, berief die sich auf ihre Versicherungsbedingungen. Danach dürfen von den Versicherungsnehmern nur Heilpraktiker im Sinne des deutschen Heilpraktikergesetzes in Anspruch genommen werden. Heilpraktiker im Sinne des deutschen Heilpraktikergesetzes sind aber nur solche, die eine Erlaubnis nach Heilpraktikergesetz besitzen. Daran fehlte es beim luxemburgischen Chiropraktiker.

Beihilfe für Heilpraktikerbehandlung darf nicht begrenzt werden

Ein Dienstherr darf nicht nur den Mindestsatz des Gebührenverzeichnisses für Heilpraktiker als beihilfefähig anerkennen, entschied das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig (Aktenzeichen 2 C 61.08). Die Beihilfevorschriften beziehen sich auf ein Gebührenverzeichnis von Heilpraktikern aus dem Jahre 1985. Mittlerweile entsprechen diese Beträge nicht mehr den realen Gebührenabrechnungen der Heilpraktiker. Begrenze man die Beihilfe, führe das faktisch zum Ausschluss einer Beihilfe für Heilpraktikerbehandlungen, was der grundsätzlichen Entscheidung für die Gewährung von Beihilfe für Heilpraktikerbehandlungen widerspreche. So die Bundesverwaltungsrichter in Leipzig.

Wie hoch darf die Heilpraktiker-Rechnung ausfallen?

Grundsätzlich können Heilpraktiker ihre Tätigkeit individuell und im eigenen Ermessen berechnen. Es gibt zwar eine Gebührenordnung für Heilpraktiker aber diese ist nicht rechtliche bindend.

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