anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht , 22.12.2016

Arbeit: Auch junge Arbeitnehmer fühlen sich altersdiskriminert!

Arbeit: Auch junge Arbeitnehmer fühlen sich altersdiskriminert! © WavebreakMediaMicro - Fotolia

Nicht nur ältere Arbeitnehmer erfahren Altersdiskriminierung am Arbeitsplatz. Auch junge Arbeitnehmer fühlen sich durch Maßnahmen ihres Arbeitgebers gegenüber älteren Arbeitgebern benachteiligt.

Mehr Urlaub ab 58!



Bei einem Schuhhersteller wurde Arbeitnehmern nach Vollendung des 58. Lebensjahres jährlich 36 Arbeitstage Erholungsurlaub und damit zwei Urlaubstage mehr als den jüngeren Arbeitnehmern gewährt. Durch diese Urlaubsregelung fühlte sich eine jüngere Arbeitnehmerin altersdiskriminiert.
Das sah das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 9 AZR 956/12 ) anders: Gewährt ein Arbeitgeber älteren Arbeitnehmern jährlich mehr Urlaubstage als den jüngeren, kann diese unterschiedliche Behandlung wegen des Alters unter dem Gesichtspunkt des Schutzes älterer Beschäftigter nach § 10 Satz 3 Nr. 1 AGG zulässig sein. Bei der Prüfung, ob eine solche vom Arbeitgeber freiwillig begründete Urlaubsregelung dem Schutz älterer Beschäftigter dient und geeignet, erforderlich und angemessen im Sinne von § 10 Satz 2 AGG ist, steht dem Arbeitgeber eine auf die konkrete Situation in seinem Unternehmen bezogene Einschätzungsprärogative zu.

Die nicht tarifgebundene Beklagte stellt Schuhe her. Sie gewährt ihren in der Schuhproduktion tätigen Arbeitnehmern nach Vollendung des 58. Lebensjahres jährlich 36 Arbeitstage Erholungsurlaub und damit zwei Urlaubstage mehr als den jüngeren Arbeitnehmern. Die 1960 geborene Klägerin hat gemeint, die Urlaubsregelung sei altersdiskriminierend. Die Beklagte habe deshalb auch ihr jährlich 36 Urlaubstage zu gewähren.

Im zu entscheidenden Fall hat der Arbeitgeber nach Auffassung des Bundesarbeitsgericht mit seiner Einschätzung, die in ihrem Produktionsbetrieb bei der Fertigung von Schuhen körperlich ermüdende und schwere Arbeit leistenden Arbeitnehmer bedürften nach Vollendung ihres 58. Lebensjahres längerer Erholungszeiten als jüngere Arbeitnehmer, seinen Gestaltungs- und Ermessensspielraum nicht überschritten. Dies gilt auch für ihre Annahme, zwei weitere Urlaubstage seien aufgrund des erhöhten Erholungsbedürfnisses angemessen, zumal auch der Manteltarifvertrag der Schuhindustrie vom 23. April 1997, der mangels Tarifbindung der Parteien keine Anwendung fand, zwei zusätzliche Urlaubstage ab dem 58. Lebensjahr vorsah, so das Bundesarbeitsgericht.
Staffelung der Kündigungsfristen nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit- Altersdiskriminierung?
Nein, entschied ebenfalls jüngst das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 6 AZR 636/13). Die vom Arbeitgeber einzuhaltende gesetzliche Kündigungsfrist beträgt vier Wochen zum Fünfzehnten oder Ende eines Kalendermonats und verlängert sich bei längerer Betriebszugehörigkeit in mehreren Stufen. Diese Staffelung der Kündigungsfristen verletzt das Verbot der mittelbaren Altersdiskriminierung nicht.

Aufgepasst: Frist zur Geltendmachung von Schadensansprüchen wegen Diskriminierung einhalten!



Will ein Arbeitnehmer geltend machen, er sei wegen eines durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbotenen Merkmals nachteilig behandelt worden, so muss er für alle Ansprüche auf Schadensersatz die Zweimonatsfrist des § 15 Abs. 4 AGG beachten.



erstmals veröffentlicht am 30.10.2014, letzte Aktualisierung am 22.12.2016

Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Arbeit & Beruf
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Arbeitsrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.2727272727272725 / 5 (11 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
14.03.2018
In vielen Fällen geht es bei arbeitsrechtlichen Streitigkeiten nicht nur um die Arbeitsleistung, sondern im Kern (auch) um persönliche Differenzen. Anwälte für Arbeitsrecht zeigen Erfolgsaussichten und Alternativen auf. Denn jeder Fall erfordert seine eigene Herangehensweise.
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht 08.05.2017
Die Interessen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer kollidieren, wenn der Arbeitnehmer seinem Chef Konkurrenz macht. Er setzt sein Wissen noch während des Beschäftigungsverhältnisses ein und verdient im Arbeitsfeld und Tätigkeitbereich seines Arbeitgebers Geld. Das (nach)vertragliche Wettbewerbsverbot kann eine solche Konkurrenztätigkeit wirksam verhindern.
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht 23.03.2012 (1122 mal gelesen)

Laut Zeitungsberichten verkauft Vodafone sein vorrangig für Festnetzkunden zuständiges Callcenter (ca. 500 Mitarbeiter) an die Bertelsmann-Tochter Arvato. Mitarbeiter, die einen Übergang zur Arvato ablehnen, sollen Abfindungen in Höhe von deutlich mehr als einem Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr erhalten. Beschäftigungszeiten bei den Firmen Arcor und Otelo sollen hierbei angerechnet werden. Außerdem soll den Mitarbeitern, die auf Arvato übergehen wollen, für mindestens zwei Jahre das bisherige Gehalt garantiert werden. Dazu eine kurze Einschätzung vom Fachanwalt.

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.8620689655172415 / 5 (58 Bewertungen)
Burnout: Was als Arbeitnehmer, was als Arbeitgeber tun? © Brian Jackson - Fotolia
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht 26.04.2017 (477 mal gelesen)

Stressbedingte Erkrankungen bis zum totalen Burnout nehmen laut Marktforschungsstudien stetig zu. Und so beschäftigt das Thema Burnout auch immer mehr Gerichte: Kann ein Arbeitnehmer etwa auf Schadensersatz wegen Burnout klagen? Muss ein Chef es dulden, wenn ein wegen Burnout krankgeschriebener Arbeitnehmer eine Segelreise unternimmt?

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.407407407407407 / 5 (27 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Arbeit & Beruf