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Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht , 17.10.2018 (Lesedauer ca. 3 Minuten)

Arbeitsunfälle auf Firmenevents: Wann zahlt die Unfallversicherung?

Arbeitsunfälle auf Firmenevents: Wann zahlt die Unfallversicherung? © gornist - Fotolia

Workshops, Geschäftsessen, Betriebsfeiern: Betriebliche Tätigkeiten finden nicht nur in der Firma statt. Kommt es im Rahmen einer Unternehmensveranstaltungen zu einem Unfall, gilt es genau den Zusammenhang zwischen der beruflichen Tätigkeit und dem Arbeitsunfall nachzuweisen. Beim Unfall nach einer Betriebsfeier auf dem Oktoberfest, einem Clubbesuch auf Ibiza oder beim Skifahren in den Alpen konnte der Nachweis für einen Arbeitsunfall nicht erbracht werden.

Unfall nach Betriebsfeier auf Oktoberfest ist nicht unfallversichert!


Ein Besuch auf dem Münchner Oktoberfest mit Kollegen ist keine betriebliche Veranstaltung im Sinne der gesetzlichen Unfallversicherung. Kommt es nach dem Oktoberfestbesuch zu einem Unfall, handelt es sich nicht um einen Arbeitsunfall. Dies entschied das Sozialgericht Berlin (Aktenzeichen S 115 U 309/17) im Fall eines Monteurs, der von seiner Firma bei einer Münchner Brauerei eingesetzt war. Diese Brauerei hatte den Monteur und ihre eigenen Mitarbeiter zu einem Brauereinachmittag auf dem Oktoberfest eingeladen. Auf dem Nachhauseweg lief der Monteur unter Alkoholeinfluss auf einen Strommast und brach sich einen Halswirbel. Die gesetzliche Unfallversicherung erkannte den Unfall nicht als Arbeitsunfall an.

Zu Recht, entschied das Sozialgericht Berlin. Der Brauereinachmittag sei keine Veranstaltung der Firma des Monteurs gewesen und seine Anwesenheit war freiwillig. Auch die übrigen Teilnehmer seien keine Betriebsangehörigen der Brauerei gewesen. Dies spreche gegen eine betriebliche Veranstaltung. Es bestehe kein innerer Zusammenhang zwischen der beruflichen Tätigkeit und dem Besuch auf dem Oktoberfest.

Wanderung von Bierstation zu Bierstation ist nicht unfallversichert!


Eine Frau stürzte bei einer Wanderung von Bierstation zu Bierstation, an der sie zusammen mit zwei anderen Kolleginnen teilnahm. Veranstaltet wurde die Bierwanderung von einem Sportverein. Aufgrund des Sturzes brach die Frau sich den Unterarm. Sie verlangte von der Berufsgenossenschaft die Anerkennung als Arbeitsunfall. Diese winkte ab. Genauso wie das Hessische Landessozialgericht (Aktenzeichen L 9 U 205/16). Begründung: Großveranstaltungen, die nicht von der Firma, sondern von einem Dritten veranstaltet werden, sind keine betrieblichen Gemeinschaftsveranstaltungen. Um als eine solche zu gelten, hätte die Bierwanderung allen Beschäftigten offenstehen müssen, nur für diese veranstaltet worden sein und das Ziel verfolgen müssen, den Zusammenhalt der Mitarbeiter zu stärken. Daran fehlte es im vorliegenden Fall. Hier lag nur eine von einem Sportverein veranstaltete Wanderung vor, an der drei Kollegen einer Firma teilnahmen. Eine Wanderung von Bierstation zu Bierstation könne auch nicht als Betriebssport gewertet werden, so die Hessischen Richter.

Auseinandersetzung mit einem Türsteher eines Clubs auf Ibiza ist nicht unfallversichert!


Der Sohn eines Firmeninhabers für Photovoltaik-Anlagen besuchte einen Club auf Ibiza um dort angeblich Geschäftsgespräche über den Verkauf von Photovoltaik-Anlagen zu führen. Er vergaß beim Verlassen des Clubs seine Jacke und versuchte am Türsteher vorbei erneut in den Club zu gelangen. Es kam zu einer tätlichen Auseinandersetzung mit dem Türsteher, bei der sich der Mann ein Schädel-Hirn-Trauma zu zog. Er versuchte diesen Vorfall als Arbeitsunfall bei der gesetzlichen Unfallversicherung geltend zu machen. Ohne Erfolg, entschied das Landessozialgericht Baden-Württemberg (Aktenzeichen 6 U 2131/16). Zunächst zweifelte das Gericht bereits an einem bestehenden Beschäftigungsverhältnis zwischen Vater und Sohn. Darüber hinaus habe der Mann behauptet, dass das Geschäftsgespräch mit dem Verlassen des Clubs beendet war. Dass der Mann dann zurück in den Club wollte, um seine Jacke zu holen, sei seine private Sache gewesen. Dieser Vorgang stehe nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Versicherung.

Skifahren beim Firmen-Event ist nicht unfallversichert!


Skifahren im Rahmen eines Firmen-Event ist keine betriebliche Tätigkeit und ein Unfall auf der Piste ist damit auch kein Arbeitsunfall, entschied das Bayerische Landessozialgericht.
Geklagt hatte ein Arbeitnehmer, der im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit von einer Bank zu einem Ski-Wochenende eingeladen worden war. Bei einer Abfahrt stürzte der Mann und verletzte sich schwer. Die gesetzliche Unfallversicherung sah sich nicht in der Pflicht: Es liege kein Arbeitsunfall vor.

So sah das auch das Bayerische Landessozialgericht (Aktenzeichen L 17 U 484/10). Das Skifahren – also die konkrete Abfahrt – habe keine beruflichen Bezüge. Der Skifahrer hätte zum Zeitpunkt des Sturzes für unternehmerische Zwecke tätig sein müssen. Dies sei bei einer Skiabfahrt auszuschließen. Sie sei als reines Privatvergnügen zu beurteilen. Geschäftlichen Bezug bekomme der Ski-Event etwa erst bei Geschäftsessen, die konkrete unternehmerische Zwecke beabsichtigten.


erstmals veröffentlicht am 27.09.2017, letzte Aktualisierung am 17.10.2018

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