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Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht , 24.02.2020 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 367 mal gelesen)

Arbeitsunfälle auf Firmenevents: Wann zahlt die Unfallversicherung?

Arbeitsunfälle auf Firmenevents: Wann zahlt die Unfallversicherung? © freepik - mko

Workshops, Geschäftsessen, Betriebsfeiern: Betriebliche Tätigkeiten finden nicht nur in der Firma statt. Kommt es im Rahmen einer Unternehmensveranstaltungen zu einem Unfall, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, damit der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung greift.

Wann ist ein Firmenevent unfallversichert?


Voraussetzung für den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz bei einem Firmenevent ist, dass die Feier oder Veranstaltung dem Unternehmensinteresse dient, die Unternehmensleitung das Event veranstaltet und die Teilnahmen allen Betriebsangehörigen offensteht.

Betriebsfeier auf Oktoberfest junge Leute mit BierkrügenEin Besuch auf dem Münchner Oktoberfest mit Kollegen ist keine betriebliche Veranstaltung im Sinne der gesetzlichen Unfallversicherung, entschied das Sozialgericht Berlin (Aktenzeichen S 115 U 309/17), da im zu entscheidenden Fall neben ein paar Kollegen überwiegend Nicht-Betriebsangehörige an ihr teilnahmen.

Wird ein Event nicht von der Firma, sondern von einem Dritten veranstaltet werden, handelt es sich ebenfalls um keine betriebliche Gemeinschaftsveranstaltungen, selbst wenn Betriebsangehörige daran teilnehmen. Dies stellt das Hessische Landessozialgericht (Aktenzeichen L 9 U 205/16) klar.

Was ist versichert?


Bei einem Firmenevent sind alle Tätigkeiten der Betriebsangehörigen versichert, die mit dem Zweck der Veranstaltung in einem Zusammenhang stehen. Dazu gehören etwa Essen oder sportliche Betätigungen.

Segway Ausflug als FirmeneventNicht versichert ist ein Sturz bei einer Segway-Tour im Anschluss an eine kaufmännische Traineeveranstaltung des Arbeitgebers, entschied das Sozialgericht Stuttgart (Aktenzeichen S 1 U 3297/17). Der verletzte Arbeitnehmer habe bei der Teilnahme an der Segway-Tour keine versicherte Tätigkeit verrichtet, die dem Unternehmensinteresse diente. Vielmehr sei die Segway-Tour im Tagungsprogramm klar aus eine Freizeitaktivität aufgeführt worden.

Pistenrettung bring Skifahrer ins TalSkifahren im Rahmen eines Firmen-Event ist ebenfalls keine betriebliche Tätigkeit und ein Unfall auf der Piste damit auch kein Arbeitsunfall, entschied das Bayerische Landessozialgericht (Aktenzeichen L 17 U 484/10). Das Skifahren – also die konkrete Abfahrt – habe keine beruflichen Bezüge. Der Skifahrer hätte zum Zeitpunkt des Sturzes für unternehmerische Zwecke tätig sein müssen, was bei einer Skiabfahrt auszuschließen sei. Geschäftlichen Bezug bekomme der Ski-Event etwa erst bei Geschäftsessen, die konkrete unternehmerische Zwecke beabsichtigten.

Wann endet der Versicherungsschutz?


Der Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung endet bei einem Firmenevent, wenn die Unternehmensleitung die Veranstaltung als beendet erklärt oder sich das Ende eindeutig zeigt. Das ist etwa der Fall, wenn die deutliche Mehrheit der Eventteilnehmer die Veranstaltung verlassen hat. Allein das Verlassen des Chefs setzt aber einer Veranstaltung kein Ende. Umgekehrt kann das Firmenevent beendet sein, obwohl der Chef noch mit ein paar Betriebsangehörigen weiterfeiert, so das Hessische Landessozialgericht (Aktenzeichen L 3 U 71/06).

Der Weg zum Firmenevent und zurück ist gesetzlich unfallversichert, wenn er u.a. nicht unterbrochen wurde oder Umwege gefahren wurden.



erstmals veröffentlicht am 27.09.2017, letzte Aktualisierung am 24.02.2020

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