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Kategorie: Anwalt Arztrecht , 07.01.2019 (Lesedauer ca. 1 Minute)

Arzt muss bei Brustimplantaten nicht über Risiken einer Explantation aufklären

Arzt muss bei Brustimplantaten nicht über Risiken einer Explantation aufklären © mko - topopt

Ein Arzt muss eine Patientin vor einer Brustimplantation über alle Risiken beim Einsetzen des Implantats aufklären. Er ist aber nicht verpflichtet die Patientin über Risiken bei einer späteren Explantation zu informieren.

Dies entschied das Oberlandesgericht Frankfurt/Main (Aktenzeichen 8 U 76/15) im Fall einer Frau, der aus medizinischen Gründen Brustimplantate eingesetzt wurden und die nach einem Verkehrsunfall an einem Brustimplantat eine Ruptur erlitt. Daraufhin entschied sie sich beide Brustimplantate herausnehmen und neue titanbeschichtete Brustimplantate einsetzen zu lassen. Einige Jahre später erfuhr die Frau, dass sie möglicherweise Brustimplantate besitzt, die mit Industriesilikon gefüllt wurden (sog. PIP-Skandal) und ließ auch diese Implantate entfernen. Die Frau verklagte daraufhin ihren Arzt, weil dieser sie angeblich zum ersten Austausch der Brustimplantate überredet habe.

Das sah das Oberlandesgericht Frankfurt/Main anders: Bei dem ersten Austausch der Implantate habe es um eine nicht erforderliche Operation zu rein ästhetischen Zwecken gehandelt. Dies gehe insbesondere aus dem Einverständnis zur Operation hervor, dass ausdrücklich von einer kosmetischen Operation spricht. Zu dem haftet der Arzt nicht wegen einer Verletzung seiner Aufklärungspflichten. Es habe seine Patientin lediglich über die Risiken einer Implantation aufklären müssen, nicht über die Risiken einer späteren Explantation.

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