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Letzte Aktualisierung am 2017-06-14 / Lesedauer ca. 3 Minuten

Häusliche Gewalt: zu viele Fälle, hohe Dunkelziffer

Häusliche Gewalt ist ein erschreckend präsentes Thema in unserer Gesellschaft. Glaubt man der Statistik, so werden weit mehr als 100.000 Frauen pro Jahr in Deutschland Opfer häuslicher Gewalt. Besonders gruselig: Kaum ein Gewaltdelikt hat eine höhere Dunkelziffer; die realen Zahlen dürften also weit darüber liegen. Und die Opfer sind nicht nur Frauen: Auch Kinder und alte Menschen müssen innerhalb der häuslichen vier Wände Gewalt in den verschiedensten Formen erdulden. Es gilt zu differenzieren: Nicht immer (aber meistens) sind die Opfer Frauen, nicht immer (aber meistens) handelt es sich um körperliche Gewalt. Unter häuslicher Gewalt lässt sich die gesamte hässliche Klaviatur von Gewalthandlungen subsummieren, die nach dem deutschen Recht strafbar sind, von Formen der seelischen Gewalt und Verletzungen der Persönlichkeitsrechte bis hin zu schwersten Körperverletzungsdelikten und Mord.

Gewalt hinter verschlossenen Türen

Die Ironie: Haus und Heim gelten als Schutzraum, stehen für Sicherheit und Geborgenheit. Doch gerade dieser Nahraum lässt wenig nach außen durch, gerade hier findet Gewalt statt. Paar- bzw. Partnerschafts- und Beziehungskonflikte sind die häufigsten Ursachen häuslicher Gewalt. Zusätzliche Tragik gewinnt das Thema, weil
    • in den seltensten Fällen nur zwei Personen betroffen sind. Kinder müssen täglich mit ansehen, wie ihre Eltern auf einander losgehen und leiden ihr Leben lang darunter;
      Betroffene in den vielen Fällen erst Jahre nach den ersten Gewaltausbrüchen um Hilfe von außen nachsuchen. Viele Opfer häuslicher Gewalt versuchen „durchzuhalten“, weil sie vom Täter (finanziell) abhängig sind oder weil sie sich an die Hoffnung klammern, dass sich etwas zum Guten wenden könnte.
      wenig (öffentliches) Interesse vorhanden ist. Kaum ein Freund oder kaum ein Nachbar findet den Mut, Menschen anzusprechen, die betroffen sein könnten und ihnen Hilfe anzubieten. Man hält sich besser raus. Dass viele Betroffene aus Angst oder Scham lieber schweigen, macht die Sache nicht leichter.
  • Wenn Kinder betroffen sind, haben Behörden (Jugendamt), denen häusliche Gewalt bekannt wird, die Verpflichtung, das Gefährdungsrisiko für die Kinder einzuschätzen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Betroffene Frauen, die sich an die Behörden wenden, müssen sich nicht mehr wie früher um ihren eigenen Schutz kümmern und von zu Hause fliehen. Das Gewaltschutzgesetz besagt, dass der Täter das Feld zu räumen hat.

    Hilfe muss von außen kommen

    Welche Form auch immer häusliche Gewalt annimmt, Lösungen sind in der Regel nur durch externe Hilfe zu erreichen. In Akutsituationen hilft die Polizei; in einem ersten Schritt kann sie dem Täter / Gefährder zur Gefahrenabwehr sofort einen Platzverweis aussprechen oder ein Kontaktverbot erteilen. Der Täter kann vorübergehend in Gewahrsam genommen werden; bei einem Platzverweis / Wohnungsverweis überwacht die Polizei, dass er die Wohnung verlässt. Die Maßnahmen der Polizei sind jedoch zeitlich begrenzt. Opfer sollten jetzt auf jeden Fall umgehend Beratung und Hilfe bei den entsprechenden Stellen suchen. Stellt das Opfer einen Strafantrag, wird die Staatsanwaltschaft das Delikt verfolgen. Als schnelle rechtliche Hilfe sind Schutzanordnungen möglich (der Täter darf dauerhaft nicht mehr in die Nähe des Opfers kommen). Sie können, sofern die Zeit drängt, per Eilantrag gestellt und von einem Gericht entschieden werden (z.B. die Wohnungszuweisung an das Opfer, Umgangs- und Sorgerechtsfragen usw.). Eine Wohnungsüberlassung an das Opfer kann auch dann stattfinden, wenn der Täter Mieter oder Eigentümer der Wohnung ist.

    Häusliche Gewalt gegen Kinder

    Kinder, die von ihren Eltern misshandelt werden, können kaum alleine reagieren und Hilfe holen - eine besonders schwierige Situation. Um die Gewaltspirale zu beenden, sind sie auf Aufmerksamkeit und Hilfe von außen angewiesen. Sind Kinder betroffen, gilt das Gewaltschutzgesetz nicht; dafür kommen besondere Vorschriften aus dem Kindschaftsrecht zur Anwendung. Der Schutz von Kindern obliegt Familiengerichten und Jugendämtern. Es stehen umfangreiche Schutzmöglichkeiten zur Verfügung, die alle gegen die Gefährdung des Kindeswohls gerichtet sind: Prügelnden Eltern kann das Aufenthaltsbestimmungs- oder Sorgerecht entzogen werden, die Gewalt ausübende Person wird (ähnlich wie bei betroffenen Frauen) der Wohnung verwiesen, die Kinder werden von den Behörden in Obhut genommen usw. Das Ziel ist stets das gleiche: weitere Misshandlungen / seelische Verletzungen zu verhindern.

    Hilfe im Notfall

    Wenn es akut brennt, rufen Sie ohne zu zögern auf jeden Fall die Polizei zu Hilfe. Beratende Unterstützung finden Sie bei den örtlichen Beratungsstellen (die es in fast jeder Kommune für Frauen und in größeren Städten auch für Männer gibt). Um einen Fall häuslicher Gewalt anzuzeigen, wenden Sie sich an die zuständigen Gerichtsstellen. Und: Suchen Sie Rat bei einem Anwalt Ihres Vertrauens. Der hilft Ihnen über die juristischen Klippen und setzt sich entschlossen für Ihre Rechte ein. Hier finden Sie einen Anwalt für Strafrecht in Ihrer Nähe.

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