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Medizinischer Gutachter: Unangreifbar?

Letzte Aktualisierung am 20.06.2017 / Lesedauer ca. 3 Minuten

Der medizinische Gutachter unterstützt das Gericht bei der Entscheidungsfindung

Ein medizinischer Gutachter oder medizinischer Sachverständiger erstellt ein Gutachten über einen medizinischen Sachverhalt. Man könnte ihn als einen Gehilfen oder Fachberater des Gerichts sehen: Er erhebt einen medizinischen Befund und bewertet ihn nach bestem (Fach-)Wissen und Gewissen. Für das Gericht fungiert er auch als Übersetzer: Er muss seine Ergebnisse im Gutachten so darstellen, dass sie auch für einen medizinischen Laien (wie zum Beispiel einen Richter) verständlich sind. Ein medizinischer Gutachter wird zum Beispiel dann herangezogen, wenn ein Patient seinen behandelnden Arzt verklagt, dem er einen vermuteten Behandlungsfehler nachweisen möchte („Ärztepfusch“, Arztfehler). In diesem Fall wird das Gericht in der Regel den Gutachter „bestellen“ also beauftragen, ihm mit dem medizinischen Gutachten eine Entscheidungshilfe zu liefern.

Medizinische Gutachter müssen neutral sein

Ein Gutachter ist zur Neutralität verpflichtet. Er darf weder die Interessen seines Auftraggebers noch des zu Begutachtenden vertreten. Sympathie und Antipathie muss er ebenso ausblenden können wie etwaige eigene moralisch motivierte oder wertende Haltungen. Der Gutachter darf mit dem zu Begutachtenden nicht verwandt, verschwägert oder befreundet sein. Zweifel an seiner Neutralität können dazu führen, dass er wegen Befangenheit abgelehnt wird. Die gibt’s nach einer Untersuchung der Ludwig-Maximilians-Universität häufiger als gedacht (in ca. einem Viertel aller medizinischen Gutachten). Wo immer eine Partei eigene Gutachter beauftragt, fallen Gutachten häufig zugunsten der Auftraggeber aus. Begutachtete müssen sich das nicht gefallen lassen; für sie kann viel auf dem Spiel stehen, gerade in Schadenersatzprozessen.

Gutachten nicht nur in Arzthaftungsprozessen

Ein medizinischer Gutachter tritt nicht nur in einem Arzthaftungsprozess auf. Seine Expertise ist in einer Vielzahl anderer Fälle gefragt, z.B. bei medizinisch-psychologischen Untersuchungen zur Fahrtauglichkeit (MPU), bei der Untersuchung der Schuldfähigkeit eines Täters, in der Forensik zur Feststellung von Todesursachen, zur Beurteilung der Testierfähigkeit, bei der Feststellung einer Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit usw. In den meisten Fällen werden Gutachter von Gerichten beauftragt. Ihre Auftraggeber können aber auch Privatpersonen, Behörden, Versicherungen o.ä. sein („Privatgutachten“).

Auswahl des Gutachters obliegt dem Gericht

Das Gutachten eines medizinischen Sachverständigen wird, wenn er vom Gericht bestellt ist, im Verfahren als Beweismittel gewertet. Das Gericht kann (aber muss nicht) den Erkenntnissen des Gutachters folgen. Es ist in seiner Entscheidung frei. Frei ist es auch bei der Benennung / Berufung eines Sachverständigen. Die Streitparteien können zwar zur Auswahl des Gutachters gehört werden, die endgültige Entscheidung liegt aber im Ermessen des Gerichts.

Haftungsfragen bei medizinischen Gutachten

Der Gutachter ist nicht nur verpflichtet, ein medizinisches Sachverständigengutachten zu erstellen, wenn er dazu von einem Gericht beauftragt wird (dazu kann jeder in Deutschland approbierte Arzt verpflichtet werden). Er muss auch das Gutachten selbst erstellen und schließlich verantworten. Zu dieser Verantwortung gehört auch, dass der Gutachter für Fehler in seinem Gutachten haftbar zu machen ist (sofern er vorsätzlich oder grob fahrlässig handelt), wenn das Gericht aufgrund dieser Fehler eine falsche Entscheidung trifft.

Medizinische Gutachter können irren

Problematisch beim Einsatz und bei der Auswahl medizinischer Gutachter mag die Tatsache anmuten, dass ihrem Gutachten in Gerichtsverfahren ein hoher Wert zugemessen wird. Gerichte folgen häufig den Ausführungen medizinischer Gutachter; ihre Darstellungen können so leicht zum zentralen Element einer gerichtlichen Entscheidung werden. Medizinische Gutachten gehören zwar zum Aufgabenkanon eines Arztes. Im medizinischen Studium und in der Ausbildung von Ärzten werden sie aber kaum oder nur unzureichend vermittelt. Zusätzlich benötigt ein medizinischer Gutachter auch juristische Mindestkenntnisse, die ein begutachtender Arzt nicht selbstverständlich besitzt. Diese gesamte Problematik macht einen kritischen Blick auf Gutachten notwendig, die in Gerichtsprozessen zur Entscheidungsfindung eingesetzt werden. Medizinische Gutachter sind keinesfalls über jeden Zweifel erhaben. Bei uns finden Sie einen erfahrenen, spezialisierten Anwalt im Arzthaftungsrecht, der mit dieser Materie bestens vertraut ist und Sie im Falle eines Falles unterstützt.