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Nebenklage: So schaffen sich Opfer vor Gericht Gehör

Letzte Aktualisierung am 2016-02-02 / Lesedauer ca. 4 Minuten
Kommt es im Rahmen eines Strafverfahrens zu einem Hauptverfahren, nimmt der Staatsanwalt im Gerichtssaal die Rolle des Anklägers ein. Der vermeintliche Täter andererseits versucht sich, in der Regel mit Hilfe eines Anwalts, zu verteidigen. Die Rolle des Opfers ist eigentlich nicht viel mehr als die eines Zuschauers. Dann nämlich, wenn nur dessen Spuren als Beweismittel Berücksichtigung finden. Selbst eine Aussage des Opfers hat passiven Charakter, sollen doch nur Fragen beantwortet werden, die das Opfer selbst nicht beeinflussen kann. Der Gesetzgeber rückt diese Benachteiligung durch die Nebenklage zurecht. Damit kann das Opfer aktiv am Verfahren mitwirken. Dabei gibt es einige Rahmenbedingungen zu beachten. Auch die Kosten für einen Anwalt gilt es zu bedenken. Ein Überblick.

Bei welchen Delikten und wann ist Nebenklage möglich?

Grundsätzlich können Sie sich als Opfer zu jedem Zeitpunkt eines Verfahrens als Nebenkläger einschalten. Die Chancen, den Prozess in die von Ihnen gewünschte Richtung zu lenken, steigen jedoch, wenn Sie sich frühzeitig für die Nebenklage entscheiden. Dann hat ein Anwalt ausreichend Zeit die Akten zu studieren und eine Strategie auszuarbeiten. Allerdings ist die Nebenklage nach § 395 StPO in der Hauptsache bei folgenden Delikten möglich:
  • schwere Straftaten wie (versuchter) Mord oder Totschlag
  • Sexualstraftaten wie etwa Vergewaltigung oder sexueller Missbrauch von Kinder
  • Straftaten wie Freiheitsberaubung, schwere körperliche Gewalt oder Straftaten gegen das Eigentum im Anschluss an eine schwere Straftat
Auch bei Straftaten, die im Strafgesetzbuch keine explizite Erwähnung finden, ist eine Nebenklage möglich. Dies wird gegebenenfalls richterlich geprüft.

Für wen ist die Nebenklage möglich?

Wer Opfer einer Straftat geworden ist, bei welcher grundsätzlich die Nebenklage zulässig ist, kann dieses Rechtsmittel auch wahrnehmen. Oftmals ist das Opfer selbst nicht mehr in der Lage dies zu tun. In bestimmten Fällen stehen auch engen Verwandten des Opfers eine Nebenklage zu sowie unter Umständen Personen, die die öffentliche Klage herbeigeführt haben.

Welche Mittel stehen Opfer zur Verfügung

Als Opfer können Sie wie gesagt aktiv auf die Verhandlung Einfluss nehmen. Insbesondere steht Ihnen nunmehr das Recht zu, bei Vernehmungen durch den Richter und in der Hauptverhandlung anwesend sein zu dürfen, Sie können Beweisanträge stellen, Zeugen benennen und befragen. Sie haben ein Recht auf Beanstandung und Erklärung. Sie können Richter oder Sachverständige wegen Befangenheit ablehnen oder können beantragen, dass der Angeklagte oder die Öffentlichkeit bei bestimmten Zeugenbefragungen ausgeschlossen werden. Auch das Einlegen von Rechtsmittel wie Revision oder Berufung ist, wenn zulässig, durch Sie grundsätzlich möglich. Zwei wesentliche Faktoren stehen jedoch nur einem von Ihnen beauftragten Anwalt in seiner Rolle als Nebenklägeranwalt (landläufig auch Opferanwalt genannt) zu: Nur ein Anwalt hat das Recht, Akten einzusehen oder vor Gericht ein Plädoyer zur Höhe des Strafmaßes zu halten.

Was können Sie von einer Nebenklage erwarten?

Wie aussichtsreich eine Nebenklage ist, hängt davon ab, wie stark Sie - und gegebenenfalls ein von Ihnen beauftragte Anwalt - sich in den Prozess einbringen. In vielen Fällen hat die Nebenklage wesentlichen Anteil daran, eine Straftat aktiv aufzuklären und hat mitgeholfen, Schuldige auch rechtskräftig zu verurteilen. Ob es Ihnen als Opfer gelingt, eine starke Nebenklage zu führen ohne den Beistand eines Anwalts, sei dahingestellt. Denn nochmals: Sie als Nebenkläger haben umfassende Informationsrechte. Können Sie dieses Recht voll ausschöpfen, wenn Sie die Akten nicht einsehen dürfen? Können Sie auf das Strafmaß aktiv Einfluss nehmen, wenn Sie am Ende einer Verhandlung kein entsprechendes Schlussplädoyer halten dürfen? Schauen wir uns den "Hemmschuh", die Kosten für einen Anwalt als Nebenklägervertreter, näher an.

Wer trägt wann die Kosten für eine Nebenklage?

Wenn Sie einen Anwalt für eine Nebenklage beauftragen, fallen Kosten an. In einigen Fällen müssen Sie diese aber nicht bezahlen. Es gibt etwa einige Delikte, bei welchen eine Nebenklagevertretung vom Gericht angeordnet werden kann. Dann fließen die Anwaltskosten in die Gerichtskosten mit ein. Ist dies nicht der Fall, können Sie über Ihren Anwalt Prozesskostenhilfe beantragen. Lehnt das Gericht per Beschluss eine Prozesskostenhilfe ab, können Sie sich bei gemeinnützigen Vereinen und Initiative um eine Kostenübernahme bemühen. Der WEISSE RING ist hier etwa zu nennen.

Anwälte für Strafrecht

Sie haben gelernt: Als Opfer können Sie durch die Nebenklage aktiv Einfluss auf einen Prozess nehmen. Sie haben auch gelernt: Weder das Gericht oder die Staatsanwaltschaft verhilft Ihnen zu diesem Recht. Sie müssen sich selbst darum kümmern, stärker wahrgenommen zu werden. Und nicht zuletzt wissen Sie jetzt: Ohne einen Rechtsanwalt für Strafrecht, der die gesamte Klaviatur des Strafprozesses beherrscht, schmälern Sie die Chancen, die Verhandlung in die von Ihnen gewünschte Richtung zu lenken. Und nicht vergessen: Die Kosten für den Anwalt müssen Sie oftmals nicht selbst oder nicht in vollem Umfang tragen. Werden Sie jetzt aktiv und beauftragen Sie einen Anwalt für Strafrecht gleich hier in Ihrer Nähe.

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