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Für Teilzeitarbeit gibt es viele handfeste Gründe

Der Arbeitsvertrag schreibt neben vielen anderen Details im Arbeitsverhältnis auch die vereinbarte Arbeitszeit fest. Im Regelfall wird eine Vollzeitstelle zugrunde gelegt, denn die meisten Unternehmen richten ihre Stellenplanung nach wie vor nach einer 40-Stunden-Woche ihrer Mitarbeiter aus (es sei denn, es bestehen anderslautende tarifliche Vereinbarungen). Für das Gros aller Arbeitnehmer sind jedoch 40 Stunden wöchentliche Arbeitszeit ein Traum: Sie schieben regelmäßig Überstunden. Das gilt immerhin für 60 Prozent aller Arbeitnehmer. Ob bezahlt oder nicht, sie erbringen regelmäßig (zumindest zeitliche) Mehrleistungen für ihren Chef. Es gibt allerdings auch einen Trend in die andere Richtung. Zunehmend mehr Beschäftigte spielen mit dem Gedanken, ihre Arbeitszeit zu reduzieren und die gewonnene Zeit für ihre Familie, für Weiterbildung oder Ausbildung oder auch für einen Nebenjob zu verwenden. In manchen Fällen gibt es dringende familiäre Gründe für Teilzeitarbeit, etwa die Pflege eines nahen Angehörigen. Unter Umständen wird die Reduzierung der Arbeitszeit vom Arbeitgeber nicht gerne gesehen. Oder man befürchtet, dass der Arbeitgeber dem Wunsch nach Teilzeitbeschäftigung nicht besonders positiv gegenübersteht. Vielleicht lehnt er ihn sogar ab. Kann er das denn?

Bedingungen für die Teilzeitarbeit

Die Antwort auf diese Frage ist ein juristisch-salomonisches "Jein". Grundsätzlich haben Arbeitnehmer in Deutschland nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) einen Rechtsanspruch auf eine Teilzeitstelle - unter bestimmten Bedingungen. Erste Bedingung: Der Rechtsanspruch auf Teilzeit-Beschäftigung besteht erst dann, wenn ein Mitarbeiter mindestens 6 Monate in einem Betrieb beschäftigt war. Zweite Bedingung: Die Regelung gilt nur für Betriebe, die mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigen (Auszubildende zählen bei dieser Rechnung nicht als Beschäftigte, Teilzeitkräfte sehr wohl). Dritte Bedingung (und die ist schwerer zu erfüllen): Einer Verringerung der Arbeitszeit muss der Arbeitgeber nur dann zustimmen, wenn ihr "betriebliche Gründe nicht entgegenstehen". Als mögliche Gründe nennt das Gesetz die wesentliche Beeinträchtigung von "Organisation, Arbeitsabläufen oder Sicherheit des Betriebes" sowie die "Verursachung unverhältnismäßiger Kosten". Leicht zu sehen: Hier gibt es Interpretations- bzw. Konfliktspielraum. In vielen Fällen wollten Antragsteller eine Ablehnung ihres Teilzeitantrages durch den Arbeitgeber nicht auf sich beruhen lassen und ließen Gerichte entscheiden. Die interpretieren den Anspruch auf Teilzeit im Einzelfall unterschiedlich. Hier kann der Rat eines erfahrenen Anwaltes wichtig sein und zwar vor Antragstellung bzw. vor der Entscheidung, sein Recht auf dem Klageweg geltend zu machen. Er kann sicherlich sehr gut einschätzen, wie die Chancen stehen.

Teilzeit beantragen

Arbeitnehmer stellen einen (am besten) schriftlichen Antrag bei ihrem Chef, wenn sie in Teilzeit arbeiten wollen. Der Antrag sollte einen präzisen Vorschlag enthalten, wie sich der Antragsteller sein künftiges Arbeitszeitmodell vorstellt (Reduzierung um welche Stundenzahl, arbeiten an welchen Tagen, etc.). Der Arbeitgeber muss auf diesen Antrag mit dem Angebot eines Gespräches reagieren, bei dem das Thema erörtert wird und das mit der Absicht geführt wird, eine einvernehmliche Lösung zu erzielen. Ohne dieses Gespräch darf der Arbeitgeber den Antrag nicht ablehnen. Lehnt er ihn ab, so muss die Ablehnung innerhalb von vier Wochen schriftlich erfolgen. Wichtig: Hält der Arbeitgeber diese Frist nicht ein, so gilt der Antrag des Arbeitnehmers als angenommen, und zwar mit dem Modell, das Sie in Ihrem Antrag formuliert haben. Eine Ablehnung können Sie vor dem Arbeitsgericht einklagen. Ein erneuter Antrag kann frühestens nach zwei Jahren gestellt werden.

Teilzeit: Wichtiges zum guten Schluss

Wichtig und bitte beachten: Während der Elternzeit gelten abweichende Regelungen zur Teilzeitbeschäftigung. Sie sind in einem anderen Gesetz geregelt (Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz, BEEG). Es gelten andere Fristen und andere Voraussetzungen als im TzBfG. Hier lohnt sich auf jeden Fall ein wacher Blick in ein Informationsblatt. Ebenfalls wichtig: Wer einen Antrag auf Teilzeit stellt, hat keinen Anspruch darauf, seinen Arbeitsplatz zu behalten. Ebenso hat der Arbeitnehmer nach der Genehmigung einer Teilzeitstelle keinen Rückkehranspruch zu seiner alten Vollzeitstelle. Der allerbeste Tipp ist immer noch der, das ehrliche Verständnis Ihres Chefs für Ihr Teilzeitersuchen zu gewinnen und mit ihm ernsthaft über Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren, die für beide Seiten realistisch sind. Spielen Sie mit offenen Karten. Wenn Sie der Meinung sind, dass Ihr Antrag korrekt ist, er aber trotzdem abgelehnt wird, können Sie Ihr Recht vor dem Arbeitsgericht erstreiten. Wenden Sie sich bei allen Fragen zur Teilzeit an einen Anwalt für Arbeitsrecht. Der kann Sie versiert unterstützen. Bei uns finden Sie einen, der gleich bei Ihnen um die Ecke seine Kanzlei hat.

Letzte Aktualisierung am 2016-08-25

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