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Wann darf Chef Überstunden anordnen und wann darf ich diese abbauen?

Auch bei den Überstunden sind wir Europameister

Die Deutschen sind fleißig. Im europäischen Vergleich leisten sie die meisten Überstunden aller Länder. Ob so viel Arbeit glücklich macht, ist nicht bekannt. Überstunden sind hierzulande die Norm - und sie sind ein kitzliges Thema zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Es gilt: Grundsätzlich hat der Arbeitgeber keinen Anspruch auf die Leistung von Überstunden. Weil es keine gesetzliche Überstundenregelung gibt, bietet das Arbeitszeitgesetz den rechtlichen Rahmen. Es weist den Ruhe- und Erholungszeiten des Arbeitnehmers einen hohen Wert zu und legt einen Richtwert von 8 Stunden für die maximale (werk)tägliche Arbeitszeit fest, der nur in Ausnahmefällen überschritten werden darf. Für Arbeit, die darüber hinaus geleistet wird, ist eine angemessene Vergütung zu zahlen bzw. Freizeitausgleich zu gewähren.

Wann es Überstunden geben darf

Natürlich gibt es Ausnahmen: Müssen Überstunden sein, so dürfen diese im Rahmen einer "kurzfristigen Arbeitszeiterhöhung" maximal 10 Stunden pro Tag und 60 Stunden pro Woche betragen, aber auch nur dann, wenn "innerhalb von 6 Monaten bzw. 24 Wochen die durchschnittliche Arbeitszeit des Arbeitnehmers 8 Stunden/Tag nicht überschreitet". Will heißen: Innerhalb dieser Zeit muss für die geleistete Mehrarbeit ein Freizeitausgleich möglich sein.

Der Chef kann Überstunden anordnen

Chefs können Überstunden bzw. Mehrarbeit anordnen. Zulässig ist eine solche Anordnung nur dann, wenn dies entweder im Arbeitsvertrag, im Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung so festgelegt wurde. Das Direktionsrecht /Weisungsrecht des Chef genügt in diesem Fall nicht. Sind Überstunden nicht arbeitsvertraglich oder tarifvertraglich geregelt, können sie nur in Notfällen rechtskonform angeordnet werden. Als Notfälle gelten nach dem Arbeitszeitgesetz nur echte Notlagen ("unabhängig vom Willen des Betroffenen eingetreten"). Auf eine solche Notlage kann sich ein Arbeitgeber jedoch nicht allzu lange berufen, ohne gegen das Arbeitszeitgesetz zu verstoßen. Engpässse, die durch Organisationspannen, Entscheidungsfehler oder unternehmerische Fehlplanungen verursacht wurden, zählen nicht als Notlagen.

Wie werden Überstunden vergütet

Die offizielle Statistik sagt (Bundesagentur für Arbeit), dass um die 60 Prozent aller Überstunden hierzulande nicht vergütet werden. Für manchen Arbeitnehmer sind Überstunden ein attraktiver Zuverdienst, mit dem er kalkuliert. In der Tat sehen die meisten Tarifverträge vor, dass für Überstunden besondere Zuschläge gezahlt werden. Die Vergütung von Überstunden ist gesetzlich nur unzureichend geregelt. Entscheidend ist, was im Arbeitsvertrag oder Traifvertrag vereinbart ist (falls vorhanden). Besteht keine besondere Regelung, muss der Arbeitgeber die betriebs- oder branchenübliche Vergütung zahlen. Keinen Anspruch auf Überstundenvergütung haben (leitende) Angestellte, deren Gehalt über der Beitragsbemessungsgrenze liegt. Sie fallen nicht unter das Arbeitszeitgesetz. In zahlreichen Arbeitsverträgen finden sich Klauseln, nach denen Überstunden pauschal mit dem Gehalt abgegegolten sind. Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden, dass solche Pauschalabgeltungen unwirksam sind. Zulässig können dagegen arbeitsvertragliche Klauseln sein, die einen zeitlichen Umfang von Überstunden festlegen.

Wann kann man Überstunden abbauen?

Statt mit Geld kann man sich - ebenfalls wenn es vertraglich vereinbart ist - Überstunden auch mit Freizeitausgleich abgelten lassen und sich so zusätzlichen Urlaub bzw. einen Zeitpuffer aufbauen. Man muss sich allerdings gefallen lassen, dass der Arbeitgeber hier mitredet. Er kann den Zeitpunkt bestimmen, wann der Freizeitausgleich genommen werden soll, muss dies aber mit dem Betroffenen abstimmen. In zahlreichen Unternehmen werden Regelungen zum Abgelten von Überstunden durch Freizeitausgleich ganz selbstverständlich gehandhabt. Ist keine Regelung vorhanden, sollte man mit seinem Arbeitgeber über diese Möglichkeit sprechen. Ein klärendes Gespräch mit dem Chef empfiehlt sich auch dann, wenn zu häufig oder gar anhaltend Überstunden zu leisten sind. Das Schaffen neuer Arbeitsplätze ist in vielen Fällen zuträglicher für das Betriebsklima als dauergestresste Überstundenmalocher.

Überstunden bei Angestellten - Vorsicht Falle!

Bei der Vergütung von Überstunden für Angestellte (für viele sind Überstunden die Regel) gibt es einen juristischen Pferdfuß: Angestellte, die ihre Dauer-Überstunden endlich bezahlt haben wollen, müssen, wenn es hart auf hart kommt, selbst nachweisen. So haben Gerichte entschieden. Sie müssen sogar nachweisen können, dass die Überstunden notwendig waren. Wer eine juristische Auseinandersetzung zum Überstundenthema auf sich zukommen sieht, ist also gut beraten, frühzeitig mit einer persönlichen Dokumentation zu beginnen. Auch wenn die Arbeit viel Spaß macht: Dauerhaft Überstunden schieben geht an die Reserven. Wenn Sie an diesem Zustand etwas ändern wollen (oder müssen, weil es kurz vor knapp ist), holen Sie sich Unterstützung! Die finden Sie auf jeden Fall bei uns - bei einem Anwalt für Arbeitsrecht in Ihrer Nähe, und zwar einfach per Klick.

Letzte Aktualisierung am 2017-05-03

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