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Zivilprozess - Lohnt es sich, zu streiten?

Letzte Aktualisierung am 07.04.2016 / Lesedauer ca. 3 Minuten
Möchten Sie Ihr Recht einfordern oder einen bestimmten Anspruch durchsetzen, können Sie einen Zivilprozess anstrengen. Mittels der Zwangsvollstreckung, und hierbei insbesondere durch mit Hilfe von Zwangsversteigerung, von Zwangsgeld oder einer Pfändung, können Sie Ihr Recht durchsetzen - wenn Sie Recht erhalten.

Zivilrecht und Strafrecht

Im Zivilrecht streiten sich mindestens zwei Parteien um ihr Recht. Das Gericht trifft seine Entscheidung auf Grundlage der Regelungen im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Der Staat tritt ansonsten nicht weiter in Erscheinung. Das ist in strafrechtlichen Prozessen anders. Dort vertritt der Staatsanwalt explizit die Rechte des Staates. Typisches Beispiel: Sie wurden in einen Verkehrsunfall verwickelt. Die herbeigerufene Polizei prüft, ob eine Ordnungswidrigkeit oder eine Straftat (z.B. Alkohol am Steuer, Fahren ohne Fahrerlaubnis) vorliegt. Wenn ja, hören Sie entweder von einer Behörde oder von der Staatsanwaltschaft. Die Schadensregulierung oder ob Ansprüche in Form von Schmerzensgeld bestehen, das ist nicht Sache der Polizei. Diese Streitpunkte müssen Sie zivilrechtlich klären.

Die verschiedenen Gerichtsbarkeiten

Das BGB beinhaltet die allermeisten Regeln unserer Gesellschaft. Um den jeweiligen Besonderheiten gerecht zu werden, haben sich vier so genannte Sondergerichtsbarkeiten entwickelt. Das Arbeitsgericht, das Verwaltungsgericht, das Sozialgericht und das Finanzgericht. Das bedeutet: Eine Rechtsfrage im Arbeitsrecht wird am Arbeitsgericht verhandelt, eine Rechtsfrage im Verwaltungsrecht am Verwaltungsgericht usw. Alle anderen Streitigkeiten, Streit um Sachleistungen oder einen Vertrag, um einen Verein oder im Zusammenhang mit einer Reise, Streit mit dem Nachbarn usw. werden entweder vor dem Amtsgericht oder vor dem Landgericht geführt. Vorsicht: Von dieser Entscheidung hängt viel ab.

Wichtig: Amtsgericht oder Landgericht?

Ob für allgemeine zivilrechtliche Streitigkeiten das Amtsgericht oder das Landgericht zuständig ist, ist abhängig vom Streitwert. Bei einem Streitwert von bis zu 5000 Euro ist das Amtsgericht zuständig, darüber das Landgericht. Der Unterschied: Beim Amtsgericht benötigt man keinen Anwalt, beim Landgericht herrscht Anwaltszwang und zwar vom Zeitpunkt der Klageerhebung.

Wie setzt sich der Streitwert zusammen?

Fordert der Kläger vom Beklagten eine Zahlung in Höhe von zehntausend Euro, sind diese zehntausend Euro der Streitwert. Bei einer Scheidung ist entscheidend über welche Werte im Detail gestritten sind. Soll auch über das Besuchsrecht oder um eine Wohnung entschieden werden, treiben diese zusätzlichen Streitwerte die Kosten regelmäßig in die Höhe. In Streitfällen, in denen kein expliziter materieller Wert im Raum steht, wird nach Ermessen entschieden. Der Streitwert ist deshalb von entscheidender Bedeutung, da vor dem eigentlichen Prozessbeginn erst einmal ein Vorschuss zu entrichten ist. Ansonsten können Sie als Kläger keinen Prozess ins Rollen bringen.

Die Kosten für einen Zivilprozess

Die Kosten für einen Zivilprozess setzen sich aus Kosten für den Anwalt und für die Tätigkeit des Gerichts zusammen. Grundlage ist der Streitwert. Steht dieser fest, können Sie die einzelnen Gebühren aus einer Gebührentabelle entnehmen. Als Kläger müssen Sie vor Prozessbeginn den besagten Vorschuss auf die Gerichtsgebühren leisten, ansonsten kommt es nicht zum Prozessauftakt.

Zivilprozess ohne Urteil

Die Parteien bestimmten Form und Länge des Zivilprozesses. Es muss also kein Urteil geben. Genauso kann ein Zivilprozess enden mit einem Vergleich (sehr häufig), mit der Klagerücknahme und mit dem Anerkenntnis. In diesen Fällen reduzieren sich die Gerichtskosten, die jeweiligen Anwaltskosten zahlen die Parteien selbst.

Zivilprozess mit Urteil

Gewinnen Sie den Zivilprozess erhalten Sie Ihre Anwaltskosten vom Gegner erstattet. Verlieren Sie, müssen Sie die Gerichtsgebühren sowie die eigenen und die fremden Anwaltskosten tragen. Obsiegen oder unterliegen Sie teilweise, wird "gequotelt". Auf Grundlage des Streitwerts wird also eine Quote der Gerichtskosten errechnet, die jede Partei zu zahlen hat, außerordentliche Kosten können ggf. gegenüber dem Prozessgegner geltend gemacht werden.

Berufung und Revision

Gegen ein Urteil, das nicht in Ihrem Sinne ist, können Sie in der Regel Berufung einlegen. Wird dieser stattgegeben, wird der Fall nochmals komplett neu verhandelt. Auch eine Revision ist in vielen Fällen möglich. Dabei wird das zurückliegende Verfahren auf Rechtsfehler überprüft.

Tipps

Ein wesentliches Kriterium für die Errechnung der Kostenhöhe bildet der Streitwert. Bei anwaltssuche.de bieten wir Ihnen verschiedenen Kostenrechner, mit denen Sie den Überblick behalten können: Kostenrechner Anwalt bzw. Prozessrisiko . Auch Ihr Anwalt kann mit Ihnen gemeinsam eruieren, ob sich eine Klageeinreichung lohnt oder nicht. Für die Anwaltskosten können Sie - am besten gemeinsam mit Ihrem Anwalt - Prozesskostenhilfe bei Gericht beantragen. Wird diese bewilligt, erhält der Anwalt sein Honorar und seine Auslagen direkt von der zuständigen Behörde.


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