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Kategorie: Anwalt Strafrecht , 06.11.2018 (Lesedauer ca. 3 Minuten)

Diese Strafen drohen Fußballfans für Böller, Bengalos, Transparente und Randale

Diese Strafen drohen Fußballfans für Böller, Bengalos, Transparente und Randale © mko - topopt

Die Fußballbundesliga ist in vollem Gange. Leider geht es in den Fußballstadien nicht immer friedlich zu. Für Fans, die bei einem Fußballspiel über die Stränge schlagen, kann das unangenehme finanzielle und strafrechtliche Folgen haben. Der Europäische Gerichtshof für Menschrechte hat jetzt entschieden, dass Hooligans, die verdächtig sind eine Straftat zu planen, in Präventivhaft genommen werden dürfen.

Präventivhaft für Hooligans erlaubt!


Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Hooligans, die verdächtigt werden eine Schlägerei zu planen, in Präventivhaft genommen werden. Dies entschied kürzlich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (Beschwerde Nr. 35553/12 u.a) im Fall von drei dänischen Hooligans, die von der Polizei für drei Stunden festgenommen wurden, um eine Schlägerei mit den gegnerischen Fans zu vermeiden. Der EGMR erlaubt diese Präventivhaft, wenn diese zur Vorführung vor der zuständigen Gerichtsbehörde stattfinde. Die vorgeworfene Straftat müsse konkret sein und sehr wahrscheinlich stattfinden. Zudem müssten die Hooligans zeitnah wieder aus der Haft entlassen werden.

Zünden eines Knallkörpers auf Fußballtribüne- 20.000 Schadensersatz!


Der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen VII ZR 62/17) hat sich mit der Frage beschäftigt, wie viel Schadensersatz ein Zuschauer, der einen Knallkörper auf der Fußballtribüne gezündet hat, an den Verein zahlen muss, dem wegen diesem Vorfall eine Verbandsstrafe auferlegt wurde. Das Besondere an diesem Fall: Die Verbandsstrafe in Höhe von rund 120.000 Euro war vom Deutschen Sportgericht gegenüber dem 1. FC Köln nicht nur wegen des einen Verstoßes ausgesprochen worden, sondern sie galt für mehrere solcher Vorfälle.

Der Bundesgerichtshof stellt in seinem Urteil klar, dass die Höhe des Schadensersatzes, den ein Randalierer für einen Böllerwurf dem Fußballverein erstatten muss, sich danach bemisst, in welchem Maß sich die Pflichtverletzung des Randalierers in der konkreten Strafe niedergeschlagen hat. Im konkreten Fall wurde der Zuschauer daher zu rund 20.340 Schadensersatz für seinen Böllerwurf verurteilt.

Böller im Stadion: Jugendlicher wird zu Bewährungsstrafe verurteilt!


Ein 19jähriger Münchner wurde vom Amtsgericht München (Aktenzeichen 1022 Ls 466 Js 220800 /16 jug) wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion verurteilt, weil er in der ausverkauften Münchner Allianz Arena bei einem Champions League Spiel des FC Bayern München gegen PSV Eindhoven einen Böller zündete und diesen in den unter ihm liegenden Rang warf. Ein Zuschauer erlitt aufgrund der Explosion ein Knalltrauma und leidet dauerhaft an einem Tinnitus. Auch weitere Zuschauer wurden durch den Böller in ihrem Hörvermögen verletzt. Das Amtsgericht München verurteilte den Jugendlichen daraufhin zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. In seiner Urteilsbegründung hielt das Gericht fest, dass die Folgen eines Böllers mit 1,5 Gramm in einem ausverkauften Stadion erheblich sein können. Von Massenpanik bis hin zu schweren Körperverletzungen sei alles möglich.

Bundesweites Stadionverbot wegen Randale auf dem Weg zum Stadion?


Bundesligavereine können randalierenden Fußballfans ein bundesweites befristetes Stadionverbot verhängen. Dafür muss dem jeweiligen Randalierer aber seine Tat nachgewiesen sein. Lediglich ein auffälliges Verhalten, was man zur Begründung einer Gefährlichkeit heranziehen könnte, reicht für ein bundesweites Stadionverbot nicht aus. Dies entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 242 C 31003/13) im Fall eines Fußballfans, der in einer Gruppe von Fans auf dem Weg zum Stadion war. Dabei kam es zu Gewalttätigkeiten mit den Fans des gegnerischen Vereins. Es folgten Steine- und Flaschenwürfe gegen Polizeibeamte. Der Münchner Fußballverein verhängte gegen den Fan ein bundesweites Stadionverbot. Die Tat konnte dem Fußballfan aber nicht nachgewiesen werden. Daher war das Stadionverbot nach Ansicht des Münchner Amtsgerichts unberechtigt. Der Fußballfan sei zwar durch sein aggressives Verhalten aufgefallen, dies begründe aber keinen Anfangsverdacht für eine Straftat. Beruft man sich bei dem bundesweiten Stadionverbot auf die Gefährlichkeit des Fans, müsse diese konkret definiert werden.

Bengalos und Knallkörper gezündet – Freiheitsstrafe?


Ein Fußball-Fan der in Deutschland nicht zugelassenes Sprengmaterial in eine Zuschauermenge eines Fußballstadions wirft, muss mit einer Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz rechnen. Da drohen schnell mindestens sechs Monate Freiheitsstrafe!

Fußballfans haften für gezündete Bengalos


Bei einem Spiel des FC Bayern München gegen den FC Zürich brannten Anhänger des FC Bayern München zahlreiche Bengalische Feuer ab. Die Kontroll- und Disziplinarkammer der UEFA (Union of European Football Associations) bestrafte den FC Bayern München darauf hin mit einer Geldbuße von 15.000 €, die der Club akzeptierte und bezahlte.

Die FC Bayern München AG klagte daraufhin gegen einen Fußballfan, der im Verdacht stand Bengalos gezündet zu haben. Der Verein musste vor dem Landgericht Karlsruhe (Aktenzeichen 8 O 78/12) eine juristische Niederlage hinnehmen. Das Landgericht Karlsruhe hat zwar entschieden, dass ein vom Sportgericht bestrafter Verein von einem Zuschauer, der Pyrotechnik abgebrannt hat, zwar unter bestimmten Voraussetzungen den Ersatz gezahlter Geldstrafen verlangen kann. Die Klage des FC Bayern München wurde aber abgewiesen, weil er nicht nachweisen konnte, dass es der Beklagte war, der Bengalische Feuer gezündet hatte.

Transparent beleidigt Polizisten


Halten Fussballfans während eines Fussballspiels in einem Stadion ein Transparent mit der Aufschrift "A.C.A.B." ("all cops are bastards") hoch, handelt es sich hier um eine kollektive Beleidigung aller in einem Fussballstadion anwesenden Polizisten, urteilte das Oberlandesgericht Karlsruhe (Aktenzeichen 1 (8) Ss 64/12- AK 40/12).


erstmals veröffentlicht am 20.11.2017, letzte Aktualisierung am 06.11.2018

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