anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Strafrecht , 20.11.2017

Diese Strafen drohen Fußballfans für Böller, Bengalos, Transparenten und Randalen

Diese Strafen drohen Fußballfans für Böller, Bengalos, Transparenten und Randalen © mko - topopt

Die Fußballbundesliga ist in vollem Gange. Leider geht es in den Fußballstadien nicht immer friedlich zu. Für Fans, die bei einem Fußballspiel über die Stränge schlagen, kann das unangenehme finanzielle und strafrechtliche Folgen haben.

Zünden eines Knallkörpers auf Fußballtribüne- 20.000 Schadensersatz


Der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen VII ZR 62/17) hat sich in einer aktuellen Entscheidung mit der Frage beschäftigt, wie viel Schadensersatz ein Zuschauer, der einen Knallkörper auf der Fußballtribüne gezündet hat, an den Verein zahlen muss, dem wegen diesem Vorfall eine Verbandsstrafe auferlegt wurde. Das besondere an diesem Fall: Die Verbandsstrafe in Höhe von rund 120.000 Euro war vom Deutschen Sportgericht gegenüber dem 1. FC Köln nicht nur wegen des einen Verstoßes ausgesprochen worden, sondern sie galt für mehrere solcher Vorfälle.

Der Bundesgerichtshof stellt in seinem Urteil klar, dass die Höhe des Schadensersatzes, den ein Randalierer für einen Böllerwurf dem Fußballverein erstatten muss, sich danach bemisst, in welchem Maß sich die Pflichtverletzung des Zuschauers in der konkreten Strafe niedergeschlagen hat. Im konkreten Fall wurde der Zuschauer daher zu rund 20.340 Schadensersatz für seinen Böllerwurf verurteilt.

Böller im Stadion: Jugendlicher wird zu Bewährungsstrafe verurteilt


Ein 19jähriger Münchner wurde vom Amtsgericht München (Aktenzeichen 1022 Ls 466 Js 220800 /16 jug) wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion verurteilt, weil er in der ausverkauften Münchner Allianz Arena bei einem Champions League Spiel des FC Bayern München gegen PSV Eindhoven einen Böller zündete und diesen in den unter ihm liegenden Rang warf. Ein Zuschauer erlitt aufgrund der Explosion ein Knalltrauma und leidet dauerhaft an einem Tinnitus. Auch weitere Zuschauer wurden durch den Böller in ihrem Hörvermögen verletzt. Das Amtsgericht München verurteilte den Jugendlichen daraufhin zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. In seiner Urteilsbegründung hielt das Gericht fest, dass die Folgen eines Böllers mit 1,5 Gramm in einem ausverkauften Stadion erheblich sein können. Von Massenpanik bis hin zu schwerer Körperverletzung sei alles möglich.

Fußballfans haften für von ihnen gezündete Bengalos


Die FC Bayern München AG („FC Bayern München“) musste vor dem Landgericht Karlsruhe (Aktenzeichen 8 O 78/12) eine juristische Niederlage hinnehmen. Der Club unterlag mit seiner Klage gegen einen seiner Anhänger auf Ersatz einer Geldbuße, die er wegen Bengalischer Feuer beim Auswärtsspiel gegen den FC Zürich im August letzten Jahres zahlen musste. Die Klage des FC Bayern München wurde abgewiesen, weil ihm der Nachweis nicht gelang, dass es der Beklagte war, der Bengalische Feuer gezündet hatte.
Bei dem Spiel des FC Bayern München beim FC Zürich brannten Anhänger des FC Bayern München zahlreiche Bengalische Feuer ab. Die Kontroll- und Disziplinarkammer der UEFA (Union of European Football Associations) bestrafte den FC Bayern München darauf hin mit einer Geldbuße von 15.000 €, die der Club akzeptierte und bezahlte. Mit seiner Klage verlangte der FC Bayern München vom Beklagten, der eine Auswärtsdauerkarte besitzt und auch bei dem Spiel anwesend war, den Ersatz dieses Betrages, weil er bei dem Spiel Bengalische Feuer abgebrannt habe.

Das Landgericht Karlsruhe hat in seinem Urteil entschieden, dass ein vom Sportgericht bestrafter Verein von einem Zuschauer, der Pyrotechnik abgebrannt hat, zwar unter bestimmten Voraussetzungen den Ersatz gezahlter Geldstrafen verlangen kann. Im konkreten Fall hat es jedoch die Klage abgewiesen, weil dem FC Bayern München der Nachweis für die Täterschaft des Beklagten nicht gelungen ist. Mit ausschlaggebend hierfür war, dass zwei der drei vernommenen Belastungszeugen einen unbeteiligten, im Zuschauerraum sitzenden Rechtsanwalt als vermeintlichen Täter identifizierten.


Transparent beleidigt Polizisten


Halten Fussballfans während eines Fussballspiels in einem Stadion ein Transparent mit der Aufschrift "A.C.A.B." ("all cops are bastards") hoch, handelt es sich hier um eine kollektive Beleidigung aller in einem Fussballstadion anwesenden Polizisten, urteilte das Oberlandesgericht Karlsruhe (Aktenzeichen 1 (8) Ss 64/12- AK 40/12).

Bundesweites Stadionverbot wegen Randale auf dem Weg zum Stadion?


Bundesligavereine können randalierenden Fußballfans ein bundesweites befristetes Stadionverbot verhängen. Dafür muss dem jeweiligen Randalierer aber seine Tat nachgewiesen sein. Lediglich ein auffälliges Verhalten, was man zur Begründung einer Gefährlichkeit heranziehen könnte, reicht für ein bundesweites Stadionverbot nicht aus. Dies entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 242 C 31003/13) im Fall eines Fußballfans, der in einer Gruppe von Fans auf dem Weg zum Stadion war. Dabei kam es zu Gewaltigkeiten mit den Fans des gegnerischen Vereins. Es folgen Steine und Flaschen gegen Polizeibeamte. Der Münchner Fußballverein verhängte gegen den Fan ein bundesweites Stadionverbot. Die Tat konnte dem Fußballfan aber nicht nachgewiesen werden. Daher war das Stadionverbot nach Ansicht des Münchner Amtsgerichts unberechtigt. Der Fußballfan sei zwar durch sein aggressives Verhalten aufgefallen, dies begründe aber keinen Anfangsverdacht für eine Straftat. Beruft man sich bei dem bundesweiten Stadionverbot auf die Gefährlichkeit des Fans, müsse diese konkret definiert werden.


Aufenthaltsverbot für Dresdner Fußballfan


Das Verwaltungsgericht Minden (Aktenzeichen 11 L 763/14) hat den Antrag eines Dresdner Fußballfans auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung seiner Klage gegen eine Polizeiverfügung des Polizeipräsidiums Bielefeld abgelehnt.

Mit dieser Verfügung war dem Antragsteller ein Aufenthaltsverbot für den Bereich der Stadt Bielefeld erteilt worden. An diesem Tag findet das Drittligaspiel zwischen den Vereinen DSC Arminia Bielefeld und SG Dynamo Dresden statt. Anlässlich des letzten Spiels zwischen diesen beiden Vereinen war es zu Angriffen auf Polizisten sowie massiven Verwüstungen und Sachbeschädigungen im Bereich des Bahnhofs Bielefeld und der Bielefelder Innenstadt gekommen, die nach den Erkenntnissen der Polizei gewaltbereiten Ultras aus der Dresdner Fan-Szene zuzurechnen waren. Zu dieser Fan-Szene gehört nach Auffassung des Polizeipräsidiums auch der Antragsteller.
Nach Auffassung der 11. Kammer wird sich die streitige Polizeiverfügung im Hauptsacheverfahren voraussichtlich als rechtmäßig erweisen. Es spreche nach dem der Kammer bislang zur Verfügung stehenden Erkenntnismaterial Vieles dafür, dass die Feststellungen des Polizeipräsidiums zuträfen. Die Polizeiverfügung sei auch nicht unverhältnismäßig.

Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Strafrecht & Ordnungswidrigkeiten
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Strafrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.017241379310345 / 5 (58 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Sozialrecht 19.07.2017
Erziehungsgeld gab es für Eltern bis zum 31.12.2006 in Deutschland. Danach wurde das Erziehungsgeld durch das Elterngeld ersetzt. In zwei deutschen Bundesländern können Eltern aber auch heute noch im Anschluss an das Elterngeld ein sogenanntes Landeserziehungsgeld erhalten.
Kategorie: Anwalt Wirtschaftsrecht 18.09.2008 (419 mal gelesen)

„Mehr Tore mehr Geld - sparen mit dem FC Bayern lohnt sich besonders.” Auch diese Saison buhlen Banken wieder um Fußballfans. Die sollen von den Erfolgen ihrer Lieblingsmannschaften profitieren. Je mehr Punkte oder Tore ein Verein erzielt, desto mehr Zinsen winken den Sparern. Zur Grundverzinsung kommt ein erfolgsabhängiger Bonus hinzu.

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.041666666666667 / 5 (24 Bewertungen)
Der geschützte Obazda - Welches aktuelle Problem Gastwirte mit der EU-Verordnung haben © gornist - Fotolia
Kategorie: Anwalt Wettbewerbsrecht 10.08.2017 (277 mal gelesen)

Wer einmal in einer bayerischen Wirtschaft essen war, kennt ihn: den Obazden, ein orangefarbener Streichkäse zu Breze und Bier. Seit 2015 ist der Obazda europaweit geschützt. Heißt: Wer den Bierkäse unter diesem Namen selbst herstellen und anbieten möchte, muss eine bestimmte Rezeptur einhalten. Und nicht nur das: Ab 2018 soll ein Kontrollsystem die Einhaltung der Original-Rahmenrezeptur überwachen. Der größte Haken: Alle Hersteller des Obazden, also auch Gastwirte, sollen ihre Kontrolle selbst bezahlen.

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.086956521739131 / 5 (23 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Strafrecht 29.06.2016 (724 mal gelesen)

Ob auf dem Weg zum Stadion oder nach dem Abpfiff: Nicht nur im Rahmen der EM 2016 machen sogenannte Fußballfans Schlagzeilen wegen Schlägereien, Körperverletzungen oder Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz. Mit welchen rechtlichen Konsequenzen diese Hooligans rechnen müssen, lesen Sie hier.

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.048780487804878 / 5 (41 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Strafrecht & Ordnungswidrigkeiten