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Familienrecht , 14.04.2016

Ehevertrag – So vermeiden Sie einen Rosenkrieg!

Wer möchte schon über einen Ehevertrag nachdenken, wenn er den Mann oder die Frau seines Lebens gefunden hat? Und doch sollten Sie bedenken: Jede dritte Ehe wird derzeit in Deutschland geschieden. Damit der menschlichen Enttäuschung nicht auch eine wirtschaftliche Katastrophe folgt, macht es Sinn, die finanziellen Angelegenheiten einer Ehe in einem Vertrag zu regeln.

Rechtssituation ohne Ehevertrag


Wer keinen Ehevertrag abschließt, lebt automatisch im Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Das bedeutet zunächst, dass sich durch die Eheschließung nichts ändert: Jedem Partner gehört das, was er mit in die Ehe gebracht hat, oder in der Ehe erworben hat. Im Fall eine Scheidung muss allerdings der, der in der Ehe einen höheren Zugewinn geschaffen hat, dem der weniger Zugewinn erwirtschaftet hat einen Ausgleich zahlen. Der Zugewinn ergibt sich aus dem Vermögen, das jeder Partner zum Scheidungszeitpunkt besitzt, abzüglich des Vermögens, das der Partner zum Zeitpunkt der Eheschließung besaß. Der Partner, der den höheren Zugewinn angehäuft hat, muss die Hälfte davon dem Partner abgeben. Bei der Berechnung des Zugewinnausgleichs werden auch die Schulden der Ehepartner berücksichtigt.

Wer keinen Ehevertrag abschließt, ist auch zwangsläufig den Regeln des Versorgungsausgleichs unterworfen. Beim Versorgungsausgleich werden die Rentenansprüche beider Partner miteinander verrechnet. Die Differenz erhält der geringer versorgte Partner. Hiermit will man die Partner absichern, die beispielsweise während einer Ehe aufgrund von Kindererziehung nicht berufstätig waren und so keine eigenen Rentenansprüche erworben haben.

Wenn Sie einen Ehevertrag abschließen möchten, sollten Sie dies rechtzeitig und in Ruhe planen. Es ist nicht empfehlenswert noch schnell am Tag der Hochzeit einen Vertrag zu unterzeichnen. Setzen Sie sich mit dem Vertragsinhalt in Ruhe auseinander, schließlich kann er für Ihr weiteres Leben von großer Bedeutung sein. Eheverträge können auch noch jederzeit während der Ehe abgeschlossen werden.

Sinnvolle Regelungen im Ehevertrag


Je nach Regelungsbedürfnis stehen Ihnen mehrere Typen von Eheverträgen zur Auswahl:

Gütertrennung


Wird in einem Ehevertrag die Gütertrennung vereinbart, erfolgt nach der Scheidung kein Zugewinn- und Vermögensausgleich. Jeder Partner behält sein Vermögen, egal, ob vor oder während der Ehe erworben. Bei der Gütertrennung haftet auch jeder Partner alleine für seine Schulden. Die Gütertrennung ist ein geeigneter Güterstand, wenn beide Ehepartner finanziell unabhängig bleiben wollen.
Die Gütertrennung hat auch erbrechtliche Folgen. Beim Zugewinn müssen im Erbfall beispielsweise keine Erbschaftssteuern gezahlt werden.

Modifizierte Gütergemeinschaft


Die Modifizierte Gütergemeinschaft regelt einen Güterstand zwischen der Gütertrennung und der Zugewinngemeinschaft. Der Zugewinn kann hier begrenzt oder ausgeschlossen werden. Beispielweise können Unternehmer Ihren Betrieb aus dem Zugewinn herausnehmen, oder es können Erbschaften während der Ehe herausgenommen werden. Auch Immobilien können aus dem Zugewinn herausgenommen werden, um deren Verkauf im Falle einer Scheidung zu vermeiden. Ebenso kann der Unterhalt hier vertraglich nach Höhe und Dauer geregelt werden. Die Ehegatten können aber auch eine andere Quote als gesetzlich vorgesehen, eine andere Art der Teilung oder andere Abweichungen von der gesetzlichen Regelung vereinbaren.
Auch wenn einzelne Immobilien, eine Erbschaft oder die Firma aus dem Zugewinn herausgenommen wurde, so fällt doch eine eventuelle Wertsteigerung des Objektes im Falle einer Scheidung wieder in die Zugewinnberechnung rein.

Gütergemeinschaft


Vereinbaren die Ehegatten den Güterstand der Gütergemeinschaft, so gibt es keinen Unterschied mehr zwischen dem eingebrachten Vermögen von beiden Partnern. Das Vermögen beider Ehegatten verschmilzt zu einem Vermögen. Problematisch wird es bei einer Scheidung sein, das Vermögen wieder auf beide Partner zu verteilen.

Scheidungsfolgenvereinbarung


Eine Scheidungsfolgenvereinbarung ist ein Ehevertrag, der vereinbart wird, wenn die Eheleute noch verheiratet sind, sich aber scheiden lassen wollen. Geregelt werden in der Scheidungsfolgenvereinbarung der Unterhalt, Hausrat, elterliche Sorge und Ehewohnung. Eine Scheidungsfolgenvereinbarung kann aber auch getroffen werden, wenn zunächst noch keine Scheidung erfolgen soll, sondern nur ein Getrenntleben.

Muss ein Ehevertrag notariell beglaubigt werden?


Wer einen Ehevertrag abschließen möchte, wird um den Gang zum Notar nicht herum kommen. Eheverträge mit Vereinbarungen zum Güterrecht, zum Versorgungsausgleich oder Grundstücksverfügungen müssen, um wirksam zu sein, notariell beurkundet werden. Die notariellen Kosten eines Ehevertrages richten sich nach dem Vermögen des Ehepaares.




erstmals veröffentlicht am 03.09.2012, letzte Aktualisierung am 14.04.2016

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