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Arbeitsrecht , 29.04.2016

Epidemie im Hotel – Reisemangel?

Nicht selten kommt es in Hotels zu massenhaften Virus- oder Keimerkrankungen. Sind nachweislich 10 Prozent der Hotelgäste erkrankt, kann davon ausgegangen werden, dass das Hotel dafür verantwortlich ist. In diesem Fall liegt ein Reisemangel vor, der entschädigt werden muss.

Dies entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 283 C 9/15) im Fall eines Urlauberpaares, dass in einem 4,5 Sterne Hotel auf Rhodos in seiner ersten Nacht von einer starken Magen-Darm-Infektion ereilt wurde. Die Erkrankung hielt bis zur Abreise an. Das Paar machte den Reiseveranstalter für die Erkrankung verantwortlich. Im Hotel habe ein Magen-Darm-Virus grassiert. Vor den Hotelzimmern habe sich Bettwäsche mit Erbrochenem gestapelt. Hotelgäste hätten sich überall im Hotel übergeben. Von 1.600 Gästen seien 476 Gäste an der Virusinfektion erkrankt. Das Paar verlangte vom Reiseveranstalter eine Entschädigung sowie Schmerzenzgeld von insgesamt rund 2200 Euro.

Reiseveranstalter haftet nicht bei unter 10 Prozent erkrankter Hotelgäste


Laut Amtsgericht München muss der Reiseveranstalter dem Paar keine Entschädigung oder Schmerzensgeld leisten, da die Viruserkrankung nicht nachweislich in seinen Verantwortungsbereich fiel. Eine Virusinfektion sei die Verwirklichung allgemeinen Lebensrisikos, so das Gericht. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich das Paar an einem anderen Ort, etwa im Flugzeug, angesteckt habe. Es seien auch nicht 1o Prozent der Hotelgäste zum Zeitpunkt als das Paar im Hotel war, erkrankt gewesen. Das seien höchstens 140 Gäste gewesen, somit weit unter 10 Prozent bei 1600 Gästen. Für einen Anscheinsbeweis für die Verantwortlichkeit des Reiseveranstalters reiche das nicht.

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