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Wirtschaftsrecht , 29.09.2011

Falsches Spiel mit Gewinnmitteilungen

Betrüger versuchen derzeit in Deutschland und Österreich mit bisher unbekannter Dreistigkeit Bürger dazu zu bewegen, Gelder ins Ausland zu transferieren. Sie locken mit gewonnenen Autos, die es zu überführen gelte. Dabei geben sie sich als Notare aus und spiegeln damit Seriosität vor.

Betrüger versuchen derzeit in Deutschland und Österreich mit bisher unbekannter Dreistigkeit Bürger dazu zu bewegen, Gelder ins Ausland zu transferieren. Sie locken mit gewonnenen Autos, die es zu überführen gelte. Dabei geben sie sich als Notare aus und spiegeln damit Seriosität vor. Ein Anruf bei der örtlichen Notarkammer sowie eine Internetrecherche bei der Deutschen Notarauskunft schaffen Klarheit, ob hier Betrüger am Werk sind.

Die Freude von Heidemarie Beyer (Name geändert) währte nicht lange. Die ihr zugesandte Gewinnbenachrichtigung der ?Gewinner-Ermittlungs-Zentrale? hatte sie für Werbung gehalten und in den Papierkorb geworfen. Zwei Wochen später meldete sich eine angebliche Notarin Dr. Post bei ihr am Telefon und erinnerte Frau Beyer daran, was zuvor schon ?beglaubigt von der Notarkammer? in dem Schreiben stand: Sie habe ein Auto ? einen Audi A 5 ? gewonnen. Dieser stehe in der Türkei für sie zur Überführung bereit. Sie müsse lediglich einen Betrag von EUR 683,- zahlen, um die Kosten für die Transportversicherung während der Überführung abzudecken. Die Notarin werde sich sodann um den Transport aus der Türkei persönlich kümmern.

Frau Beyer überwies den Betrag per Western Union an einen Herrn in die Türkei, der ihr von der angeblichen Notarin am Telefon als Empfänger mitgeteilt worden war. Ein Auto erhielt Frau Beyer nicht. Vielmehr rief die freundliche Dame eine Woche später erneut an und forderte dreist eine weitere Überweisung. Es habe sich nämlich herausgestellt, dass Frau Beyer ein noch größeres Auto gewonnen habe. Dementsprechend sei ein höherer Betrag für die Vollkaskoversicherung erforderlich. Erst jetzt schöpfte Frau Beyer Verdacht. Ein Anruf bei ihrem örtlichen Notar, der die Notarkammer einschaltete, zeigte, dass es eine Notarin Dr. Post überhaupt nicht gab und Frau Beyer Betrügern aufgesessen war. Der Anruf bewahrte Frau Beyer vor einer zweiten Überweisung. Die EUR 683,- waren indes verloren.

?Die Schreiben der Gewinner-Ermittlungs-Zentrale Istanbul haben die Notarkammern diesen Sommer immer wieder beschäftigt. Die Betrügereien gehen derzeit in immer neuen Varianten weiter. LKA und Staatsanwaltschaft wurden informiert?, berichtet Dr. Steffen Breßler von der Notarkammer Koblenz. Die Betrüger versuchen schamlos mit dem Amtscharakter des Notarberufs Seriosität vorzuspiegeln. Dabei existieren die genannten Notare überhaupt nicht. Die Betrüger schrecken in ihrer Dreistigkeit vor nichts zurück. Sie haben mittlerweile sogar eine täuschend echte Internetseite unter http://www.kanzlei-tempelhof.de/ erstellt, auf der Fantasienotare mit gestohlenen Fotos verzeichnet sind. Auf diese Internetseite werden an der Echtheit der Gewinnbenachrichtigung zweifelnde Bürger gern verwiesen. ?Die Betrüger grasen ganze Landstriche in Deutschland systematisch nach Opfern ab. Neuerdings häufen sich auch Fälle in Österreich?, so Breßler weiter.

Verunsicherte Bürger sollten sich eine schriftliche Gewinnbestätigung geben lassen. Über einen Anruf bei der örtlichen Notarkammer oder eine Recherche im Internet bei der Deutschen Notarauskunft unter www.deutsche-notarauskunft.de kann dann überprüft werden, ob der angebliche Notar tatsächlich existiert. Unter der aus diesen sicheren Quellen erfragten Telefonnummer sollte der Notar angerufen und die Angelegenheit aufgeklärt werden. ?Sobald für die Auszahlung oder die Auslieferung eines Gewinns Kosten angefordert werden, muss man hellhörig werden. In keinem Fall sollte dem Drängen nachgegeben und Geld ins Ausland überwiesen werden.?, warnt Breßler.


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