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Kategorie: Anwalt Arztrecht , 21.08.2019 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Fehlerhafte Implantate oder Medizinprodukte– Welche Rechte haben betroffene Patienten?

Fehlerhafte Implantate oder Medizinprodukte– Welche Rechte haben betroffene Patienten? © mko - topopt

Wirbelsäulenprothesen zersetzen sich im Körper, Brustimplantate platzen und Insulinpumpen funktionieren nicht – Berichte über fehlerhafte Medizinprodukte verunsichern betroffene Patienten immer wieder. Wie können Patienten ein Implantat vor dem Einsatz überprüfen? Haben sie einen Anspruch auf Entfernung? Wie sieht es mit Schmerzensgeld und Schadensersatz aus?

Wie können Patienten ein Implantat vor der OP überprüfen?


Vor dem Einsatz eines Implantats sollten Patienten sich von ihrem Arzt umfangreich beraten lassen. Dazu gehört auch, dass der Arzt dem Patienten den Produktnamen des Implantats mitteilt. Der Patient kann dann Erfahrungen anderer Patienten mit dem Implantat im Internet recherchieren und eventuelle Bedenken erneut mit seinem Arzt besprechen.

Was tun, wenn ein fehlerhaftes Implantat im Körper eingesetzt wurde?


Hat ein Patient den Verdacht, dass bei ihm ein fehlerhaftes Implantat eingesetzt wurde, sollte er seinen behandelnden Arzt aufsuchen und sich umgehend untersuchen lassen. Stellt sich die Fehlerhaftigkeit des Implantats heraus, hat der Patient einen Anspruch auf Entfernung und Austausch des Implantats. Wichtig ist, dass der Patient sich das fehlerhafte Implantat nach der Operation zu Beweiszwecken aushändigen lässt. Die Kosten für diese Operation trägt in der Regel die Krankenkasse.
Patienten, deren Implantat aufgrund eines Rückrufs vom Markt genommen wird, haben keinen Anspruch auf Entfernung des Implantats, wenn es bei ihnen einwandfrei funktioniert. Anders zu beurteilen sind Fälle, bei denen die Fehlerhaftigkeit des Implantats droht sich zu verwirklichen – etwa bei Prothesen, die sich im Körper langsam zersetzen. Hier hat der Patient ebenfalls das Recht auf einen Austausch des Implantats.

Haben betroffene Patienten einen Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz?


Die Entfernung eines fehlerhaften Implantats ist für den betroffenen Patienten mit Schmerzen und Eingriffen in seine Gesundheit verbunden. Aus diesem Grund steht ihm in der Regel ein Anspruch auf Schmerzensgeld gegenüber dem Hersteller des fehlerhaften Produkts zu. Sind dem Patienten aufgrund der Operation weitere Vermögensschäden entstanden, wie etwa ein Verdienstausfall, hat er auch einen zusätzlichen Anspruch auf Schadensersatz.

So hat das Landgericht Freiburg (Aktenzeichen 1 O 460/11, 1 O 223/12, 1 O 266/12) einen international agierenden Hersteller von Hüftprothesen zu Zahlung von Schmerzensgeld und Schadensersatz verurteilt, weil er für Produktfehler bei seinen auf den Markt gebrachten Hüftprothesen einstehen muss. Zwischen 17.500 und 25.000 Euro Schmerzensgeld erhielten die betroffenen klagenden Prothesenträger vom Gericht zu gesprochen. Die Hüftprothesen führen laut einer Untersuchung zu Metallabrieb, der bei den Patienten gesundheitliche Beeinträchtigungen herbeiführte, und weisen insgesamt ein zu hohes Versagensrisiko auf, so das Gericht.
erstmals veröffentlicht am 12.12.2018, letzte Aktualisierung am 21.08.2019

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