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Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 08.05.2013 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Fettabsaugen auf Kosten der Krankenkasse?

Fettabsaugen wird gemeinhin als Schönheitsoperation angesehen. Dieser operative Eingriff kann mehrere Tausend Euro kosten und muss vom Patient selbst bezahlt werden. In Ausnahmefällen kann aber auch die Krankenkasse zur Kostenübernahme verpflichtet sein.

Fettabsaugen wird gemeinhin als Schönheitsoperation angesehen. Dieser operative Eingriff kann mehrere Tausend Euro kosten und muss vom Patient selbst bezahlt werden. In Ausnahmefällen kann aber auch die Krankenkasse zur Kostenübernahme verpflichtet sein.

Nach einem aktuellen Urteil des Landessozialgerichts Hessen (Aktenzeichen ) ist die Krankenkasse im Fall von Lipödemen, dabei handelt es sich um schmerzhafte Fettgewebsvermehrung, verpflichtet, die Kosten für eine Fettabsaugung im Krankenhaus zu übernehmen. Im zugrundeliegenden Fall litt eine junge Frau an Lipödem an Armen, Beinen und Gesäß. Ihren Antrag auf Kostenübernahme einer Fettabsaugung lehnte ihre Krankenkasse mit dem Hinweis ab, dass andere Behandlungsmethoden, wie etwa Gewichtsreduktion und Lymphdrainage, nicht ausgeschöpft wurden.
Das Landessozialgericht Hessen gab der Frau allerdings Recht und verurteilte die Krankenkasse zur Kostenübernahme. Die Frau habe alle konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft, um ihr Gewicht zu reduzieren. Aufgrund der erheblichen Fettmengen von bis zu 4 Litern, die bei der Frau entfernt werden müssten, müsse diese Operation in einem Krankenhaus stattfinden. Dies ergebe sich aus den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie zur Liposuktion. Es sei unbeachtlich, dass der Gemeinsame Bundesausschuss die Liposuktion nicht positiv bewertet habe. Denn dies sei nur für ambulante Behandlungen erforderlich, da insoweit hinsichtlich neuer Behandlungsmethoden ein Verbot mit Erlaubnisvorbehalt gelte. Für den stationären Bereich seien solche Behandlungsmethoden auf Kosten der Krankenkassen hingegen nur dann ausgeschlossen, wenn eine negative Stellungnahme des Gemeinsamen Bundesausschusses vorliege. Dies sei hinsichtlich der Liposuktion nicht der Fall.

Das Landessozialgericht Baden-Württemberg (Aktenzeichen L 4 KR 3517/11) lehnt hingegen die Fettabsaugung als eine von der gesetzlichen Krankenversicherung zu erbringenden Kassenleistungen ab. Im zugrundeliegenden Fall wollte sich eine übergewichtige Frau ihre Fettdepots an den Oberschenkeln absaugen lassen. Die gesetzlich krankenversicherte Frau litt an sogenannten Reiterhosen, einer Fettverteilungsstörung im Bereich des Gesäßes und beider Oberschenkel. Sie wiegt 91 kg bei einer Körpergröße von 1,57 m und leidet nach eigenem Vortrag unter starken Schmerzen an den Oberschenkeln. Außerdem schäme sie sich wegen ihres Aussehens. Nach Auffassung der Frau handelte es sich bei der Fettabsaugung um einen medizinisch indizierten Eingriff. Zu Unrecht, wie das Gericht feststellte. Die Fettabsaugung genüge nach dem derzeitigen Stand der wissenschaftlichen Forschung nicht den erforderlichen Qualitätsanforderungen. Zudem sei eine nachhaltige Wirksamkeit dieser Behandlungsmethode nicht ausreichend belegt. Vor diesem Hintergrund verbiete vor allem das mit einem solchen Eingriff verbundene erhebliche Gesundheitsrisiko für die Klägerin eine Übernahme der Kosten durch die gesetzliche Krankenversicherung, so das Landessozialgericht Baden-Württemberg.

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