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Kategorie: Anwalt Reiserecht , 20.09.2018 (Lesedauer ca. 4 Minuten)

Flug zu spät, fällt aus oder wird verlegt – Mit welcher Erstattung können Fluggäste rechnen?

Flug zu spät, fällt aus oder wird verlegt – Mit welcher Erstattung können Fluggäste rechnen? © JiSign - Fotolia

Kommt der Flieger zu spät oder fällt der Flug komplett aus, steht dem Fluggast ein Anspruch auf Entschädigung zu. Dies ist in der europäischen Fluggastrechteverordnung geregelt. Wieviel Geld es im Einzelfall zurück gibt, hängt von der Flugdistanz und der Verspätung ab. Jetzt hat ein Gericht entschieden, dass Fluggäste ihre Schadensersatzansprüche wegen Verspätung des Flugs zur Durchsetzung auch an professionelle Firmen weitergeben dürfen.

Ab drei Stunden Verspätung erhalten Fluggäste Geld zurück!


Verspätet sich ein Flug mehr als drei Stunden, gibt es für die Fluggäste Geld zurück. Bei Flügen innerhalb der EU erhalten Fluggäste bei einer Flugdistanz von bis 1.500 Kilometern 250 Euro, bei mehr als 1.500 Kilometern 400 Euro. Wer von einem europäischen Flughafen in ein nicht europäisches Land fliegt erhält bei bis 1.500 Kilometern 250 Euro, bei bis zu 3.000 Kilometern 400 Euro und bei mehr als 3.500 Kilometern 600 Euro Entschädigung. Dabei ist es unerheblich, was der Fluggast für den Flug gezahlt hat. Die Entschädigungsleistung halbiert sich, wenn die Airline dem Fluggast einen Ersatzflug anbietet, mit dem er sein Reiseziel innerhalb einer bestimmten Frist erreicht. Zudem haben die Fluggäste einen Anspruch auf eine alternative Beförderung zum Reiseziel und möglicherweise auf einen kostenlosen Rücktransport.

Ab zwei Stunden Verspätung haben Fluggäste einen Anspruch auf Verpflegung!


Bei einer zweistündigen Verspätung eines Fluges haben Fluggäste einen Anspruch auf Verpflegung und zwei kostenlose Telefonate. Muss der Fluggast über Nacht am Flughafen bleiben, hat er einen Anspruch auf ein Hotelzimmer und einen kostenlosen Transfer dort hin.

Flug gestrichen wegen Streiks an der Passagierkontrolle – Anspruch auf Ausgleichzahlungen!


Streicht eine Fluggesellschaft einen Flug, weil an der Passagierkontrolle am Startflughafen gestreikt wird, haben die Fluggäste einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen. Dies entschied der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen X ZR 111/17) und stellte damit klar, dass ein Streik der Beschäftigten der Passagierkontrolle dann kein außergewöhnlicher Umstand ist, der die Airline von Ausgleichzahlungen befreit. Der Flug hätte nicht abgesagt werden müssen, weil nicht zu befürchten war, dass kein Fluggast aufgrund des Streiks den Flieger nicht erreichen werde.

Wilder Streik des Flugpersonals – Anspruch auf Ausgleichszahlungen!



Ein sog. wilder Streik des Flugpersonals stellt keinen außergewöhnlichen Umstand im Sinne der europäischen Fluggastrechteverordnung dar und entbindet die Fluggesellschaft damit nicht von Entschädigungszahlungen, entschied der Europäische Gerichtshof (Aktenzeichen C-195/17). Das Flugpersonal hatte auf die Ankündigung von Umstrukturierungsplänen im Unternehmen mit Krankmeldungen reagiert und damit einen wilden Streik mit entsprechenden Flugverspätungen und –ausfällen verursacht. Der EUGH stellte in seiner Entscheidung klar, dass die Streiksituation von der betroffenen Airline beherrschbar gewesen sei, da mit Konflikten im Rahmen mit der Ankündigung von Umstrukturierungen habe gerechnet werden müssen.

Vorverlegung eines Flugs- Anspruch auf Ausgleichzahlungen!


Wird ein Flug mehr als nur geringfügig zur ursprünglichen Abflugzeit vorverlegt, kann dies einer Annullierung eines Fluges gleich kommen und so einen Anspruch auf Ausgleichzahlung nach der Europäischen Fluggastrechteverordnung begründen. Dies entschied jüngst der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen X ZR 59/14 ) und führt in seiner Urteilsbegründung aus, dass eine Annullierung eines Fluges vorliegt, wenn die Airline ihre eigentliche Flugplanung aufgibt. Das gilt auch für den Fall, dass die Fluggäste auf andere Flieger umgebucht werden. In diesem Sinne entschied auch der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH Aktenzeichen C-402/07 u.a.). Wird ein Flug um mehrere Stunden vorgezogen, ist damit die ursprüngliche Flugplanung aufgegeben worden.

Anschlussflug wegen verspätetem Zubringerflug verpasst- Kein Anspruch auf Ausgleichszahlungen!


Ein Passagier kann von einer Airline keine Ausgleichzahlungen nach der Europäischen Fluggastrechteverordnung verlangen, wenn er aufgrund eines verspäteten Zubringerflug seinen Anschlussflug verpasst hat. So lautet eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs (Aktenzeichen Xa ZR 113/08).

Generalstreik oder Radarausfall- Kein Anspruch auf Ausgleichzahlungen!


Leider nein, entschied der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen X ZR 104/13) im Fall von Fluggästen, die aufgrund eines Generalstreiks und Radarausfalls Verspätungen bei ihren Flügen nach und von Griechenland erfahren mussten. Der Bundesgerichtshof führte in seiner Entscheidung aus, dass es sich bei einem Generalstreik und auch bei einem Radarausfall um außergewöhnliche Umstände nach der Europäischen Fluggastrechteverordnung handelten, die die Airline frei von Ausgleichzahlungen stellten. Sowohl ein Generalstreik wie auch ein Radarausfall seien von der Airline nicht zu beherrschen. Hierbei handele es sich um Ereignisse die von außen kämen. Die Airline habe sogar noch versucht einen Ersatzflug zu bekommen, was aber aufgrund des Streiks nicht möglich war.

Verspäteter außereuropäischer Anschlussflug- Kein Anspruch auf Ausgleichzahlungen!


Für einen verspäteten Anschlussflug außerhalb Europas erhalten Fluggäste keinen Anspruch auf Ausgleichzahlung nach der Europäischen Fluggastrechteverordnung, entschied der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen X ZR 12/12). In diesem Fall ist die Europäischen Fluggastrechteverordnung nicht anwendbar. Dies gilt auch in dem Fall, dass der Flug von einem deutschen Flughafen gestartet ist und beide Flüge zusammen gebucht wurden.

Fluggäste dürfen Schadensersatzansprüche an Firmen abtreten


Fluggäste dürfen ihre Ansprüche auf Ausgleichszahlungen wegen verspäteter Flüge an sog. Claim-Handling-Companies abtreten, auch wenn die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Airlines dies untersagen. Dies entschied das Landgericht Nürnberg-Fürth (Aktenzeichen 5 S 8340/17) in drei Fällen, in denen Fluggäste ihre Ansprüche an professionelle Unternehmen abgetreten haben. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Fluggesellschaften, die dies nicht erlaubten, seien insoweit unwirksam, weil sie eine unangemessene Benachteiligung des Fluggastes auslösten.

Die Fluggäste hätten ein überwiegendes Interesse an der Abtretung ihrer Ansprüche auf Schadensersatz, damit diese auch durchgesetzt würden. Das Interesse der Fluggesellschaft an einem Abtretungsausschluss sei eher gering zu werten, da nicht ersichtlich sei, weshalb die Auseinandersetzung mit Claim-Handling-Companies mehr Aufwand darstelle als mit dem Fluggast selbst.


erstmals veröffentlicht am 22.08.2018, letzte Aktualisierung am 20.09.2018

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