anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 29.10.2015 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Fotoklau: Zeitungen versuchen Fotografen mit geringen Entschädigungen abzuspeisen!

Fotografen machen häufig die Erfahrung, dass Bilder, die sie einmal geschossen haben, auch Jahre später noch in Zeitungen auftauchen, ohne dass eine neue Lizenz beantragt wurde.

Das AG Leipzig hat für diese Fällen entschieden, dass die Zeitungen den hintergangenen Fotografen einen Schadensersatz zahlen müssen (Az.: 102 C 1085/12). Zwar dauert das gerichtliche Verfahren häufig mehrere Jahre, jedoch ist der Schadensersatz dann zumeist auch deutlich höher als das, was die Zeitungen bei einer außergerichtlichen Einigung zu zahlen bereit sind.

Einmalige Nutzung mit bestimmtem Zweck vereinbart


Im entschiedenen Fall hatte ein Fotograf Bilder von einem Model geschossen. Er verkaufte diese für die einmalige Nutzung an verschiedenen Zeitungen für klar definierte Zwecke: Die Zeitungen hatten eine Erlaubnis, die Bilder einmalig für den konkreten Werbezweck zu nutzen.
14 Jahre später kam das Model auf den Fotografen zu und erklärte, dass Sie das Bild in einer Tageszeitung wiedergefunden habe. Der Fotograf stellte Nachforschungen an und erkannte sein eigenes Bild tatsächlich wieder. Diesmal jedoch in einem veränderten Zusammenhang in einer Tageszeitung als Vorschau auf das Fußballspiel zwischen der Türkei und Deutschland.

Außergerichtliche Einigung zwecklos - Zeitung stellte sich quer


Dies wollten weder Model noch Fotograf auf sich sitzen lassen: Zunächst versuchten sie es mit einer außergerichtlichen Einigung. Die Zeitung war aber nicht bereit, mehr als 45 Euro für die Nutzung des Fotos zu zahlen. Damit gaben sich die Betroffenen nicht zufrieden und zogen vor Gericht. Zunächst verlangte der Fotograf 150 Euro (Empfehlung der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing(MFM)), zuzüglich 100 % Aufschlag für die nicht vorhandene vorherige Einwilligung zur Nutzung, 19 % Mehrwertsteuer und weitere 100 % dafür, dass die Zeitung keinen Quellennachweis mit dem Bild aufgeführt hatte.

Gericht spricht Fotografen mehr als das 6-fache der angebotenen Summe zu!


Schlussendlich sprach das Gericht dem Fotografen 304 Euro zu. Die Summe orientiert sich an der "Übersicht der marktüblichen Vergütungen für Bildnutzungsrechte" der MFM und fiel um einiges höher aus als das Angebot der Tageszeitung.
Mit dem Urteil erhielt der Fotograf trotz der langen Wartezeit letztendlich Recht. Zugleich strahlt der Fall auch auf ähnliche Konstellationen aus, die noch deutlich teurer werden können: Tauchen die Bilder beispielsweise nicht in einer Tageszeitung, sondern in einer Fachzeitschrift oder anderen Magazinen auf, ist die Entschädigungssumme sicher noch nach oben zu korrigieren.
Unser Tipp für Fotografen: Mit einem erfahrenen Rechtsanwalt können gerechte Ersatzzahlungen in gerichtlichen Verfahren zeitnah durchgesetzt werden. Hier sollten Betroffene nicht zögern, einen Anwalt in Anspruch zu nehmen.

Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Schadensersatz & Haftpflicht
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Versicherungsrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.9523809523809526 / 5 (21 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Wer Bilder ungefragt für seine eigenen Zwecke verwendet, läuft Gefahr, gegen die Rechte des Urhebers zu verstoßen. Derartige Verstöße geschehen häufig unbedacht und unabsichtlich. Trotzdem können sie empfindliche Folgen haben. Was tun?
Kategorie: Anwalt Urheberrecht 19.09.2016
Abmahnungen im Urheberrecht sind Warnschüsse. Sie sollen aufmerksam machen und weitere Verletzungen möglichst unterbinden. Abmahnungen sind außergerichtlich. Juristisch scharf geschossen wird erst dann, wenn eine Abmahnung wirkungslos bleibt.
Expertentipp vom 24.03.2016 (720 mal gelesen)

Wer ein Foto auf seiner Website veröffentlicht, ohne die Zustimmung des Fotografen zu besitzen, muss dem Fotograf als Inhaber des Urheberrechts dafür eine Lizenzgebühr als Schadensersatz bezahlen. Mit der Frage, wie hoch dieser Schadensersatz sein muss, hat sich jüngst das Oberlandesgericht Hamm auseinandergesetzt.

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.0 / 5 (40 Bewertungen)
Expertentipp vom 16.12.2014 (483 mal gelesen)

Das Amtsgericht München (Az.: 142 C 12802/14) sprach einem Fotografen, dessen Produktbilder im Internet von einer fremden Person veröffentlicht wurden, einen hohen Schadensersatz zu. Dieser bemisst sich aus einer fiktiven Lizenzgebühr pro benutztes Bild und häufig noch einem Rechtswidrigkeitszuschlag, wenn von den "Fotodieben" der Urheber des Bildes nicht genannt wird.

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.5 / 5 (16 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Schadensersatz & Haftpflicht

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Datenschutzerklärung