anwaltssuche
Erbrecht , 07.06.2016

Gesetzliche Erbfolge: Erbrecht des Ehegatten

Bei der gesetzlichen Erbfolge wird davon ausgegangen, dass der Erblasser sein Vermögen den Menschen vererben möchte, die ihm familiär am nächsten stehen: der Ehegatte, die Kinder und die übrigen Verwandten.

Der Ehegatte zählt nicht zu den Verwandten des Erblassers, daher steht ihm ein eigenes gesetzliches Erbrecht zu. Seine Erbschaft hängt maßgeblich davon ab, in welchem Güterstand die Ehegatten gelebt haben und ob Verwandte neben ihm erben.

Gesetzliche Erbfolge gilt nicht für Ex-Partner!


Im Falle einer Scheidung vor dem Tod des Erblassers hat der geschiedene Ehegatte kein Erbrecht mehr. Das gesetzliche Erbrecht scheidet selbst dann aus, wenn die Ehe noch nicht geschieden ist, dem Ehegatten aber bereits der Scheidungsantrag zugestellt wurde (BGHZ 111, 329).

Erben bei der Zugewinngemeinschaft


Lebten die Ehegatten im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft, dann erbt der Ehegatte die Hälfte des Nachlasses, die andere Hälfte erhalten die Erben der 1. Ordnung (Kinder, Enkelkinder, Urenkel). Beispiel: Erblasser, verheiratet in Zugewinngemeinschaft, hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Die Frau erbt ½ des Nachlasses, die Kinder je ein Viertel. Hinterlässt der Erblasser eine Frau und drei Kinder, dann erbt die Frau ½ des Nachlasses und die Kinder je ein 1/6.

Erben bei entfernteren Verwandten


Sind neben dem Ehegatten nur noch Erben der 2. Ordnung ( Eltern, Geschwister, Neffen, Nichten) da, so erbt der Ehegatte im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft ¾ des Nachlasses und die übrigen Erben ¼ des Nachlasses. Das gleiche gilt für Erben der 3. Ordnung (Großeltern). Beispiel: Der kinderlos verstorbene Erblasser hinterlässt seine Frau. Als weiterer Verwandter lebt nur noch sein Bruder. Beim Güterstand der Zugewinngemeinschaft erbt die Frau ¾ des Nachlasses und der Bruder 1/4 .

Erben bei sehr entfernten Verwandten


Sind außer dem überlebenden Ehegatten nur noch gesetzliche Erben der 3. Ordnung (Urgroßeltern und deren Abkömmlinge) oder Erben fernerer Ordnungen, dann erbt der Ehegatte allein.
Hatten die Ehegatten während ihrer Ehe Gütertrennung vereinbart, so erbt der Ehegatte je nachdem welcher Ordnung die weiteren Verwandte angehören. Gesetzlich geregelt ist, das der überlebende Ehegatte und jedes Kind zu gleichen Teilen erben.

Erben bei fortgesetzter Gütergemeinschaft


Im Falle der Gütergemeinschaft gehört der Anteil am Gesamtgut zum Nachlass des Erblassers, der nach den allgemeinen Vorschriften vererbt wird. Haben die Ehegatten fortgesetzte Gütergemeinschaft vereinbart, wird der Anteil des verstorbenen Ehegatten nicht vererbt. Die Gesamthand zwischen den Ehegatten und den gemeinschaftlichen erbberechtigten Abkömmlingen wirkt in diesem Fall fort.

Anspruch auf den Voraus


Unabhängig vom Güterstand der Ehegatten, hat der überlebende Ehegatte einen Anspruch auf den Voraus. Beim Voraus handelt es sich um die Haushaltsgegenstände, soweit sie nicht Zubehör eines Grundstücks sind, sowie die Hochzeitsgeschenke.
erstmals veröffentlicht am 25.04.2013, letzte Aktualisierung am 07.06.2016

Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Erben & Vererben
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Erbrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.8976377952755907 / 5 (127 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Erbrecht 16.06.2016
Wenn Sie zu Lebzeiten entscheiden möchten, wer Ihr Erbe erhalten soll, können Sie das auf verschiedene Weise tun. Eine Möglichkeit ist es, ein Testament aufzusetzen. Bei der Erstellung oder Prüfung eines bestehenden Testaments bietet ein Anwalt entscheidende Hilfe.
21.02.2018
Unter Erbrecht fallen alle Gesetze und Vorschriften, die sich durch das Ableben eines Menschen ergeben. Einerseits möchte eine Person seinen Nachlass zu Lebzeiten nach seinen Vorstellungen ordnen, andererseits kann ein Todesfall viele juristische Fragen aufwerfen.
Kategorie: Anwalt Erbrecht 05.12.2012 (1065 mal gelesen)

Tritt ein Erbfall ein, bei dem der Verstorbene weder ein Testament noch einen Erbvertrag hinterlassen hat, tritt die gesetzliche Erbfolge ein. In diesem Fall sollen die Menschen erben, die dem Erblasser am nächsten standen. Das ist ohne Zweifel neben den Kinder, der Ehegatte.

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.7681159420289854 / 5 (69 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Familienrecht 26.04.2016 (1866 mal gelesen)

Der Deutsche Bundestag hat die Reform des Unterhaltsrechts verabschiedet. Das neue Unterhaltsrecht soll zum 1. Januar 2008 in Kraft treten. Zu den Regelungen im Einzelnen ...

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.928 / 5 (125 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Erbrecht Kanzlei Ehlers 06.02.2017 (489 mal gelesen)

In vielen Familien werden pflegebedürftige Menschen durch ihre Angehörigen gepflegt, um ihnen einen Heimaufenthalt zu ersparen. Erfolgt diese Pflege durch einen Abkömmling, unentgeltlich und in besonderem Maße, so steht unter Umständen diesem pflegenden Kind, sofern die gesetzliche Erbfolge eintritt, für die erbrachten Leistungen ein Ausgleichsanspruch gegen die übrigen Abkömmlinge zu.

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.8823529411764706 / 5 (34 Bewertungen)
Erbrecht: Wann endet die Vereinsmitgliedschaft eines Verstorbenen? © Zerbor - Fotolia
Kategorie: Anwalt Erbrecht 30.11.2016 (744 mal gelesen)

Bei der Abwicklung des Nachlasses eines Verstorbenen stellt sich für die Erben die Frage, wie mit der Mitgliedschaft des Verstorbenen in einem Verein umzugehen ist. Erlischt diese mit dem Tod automatisch? Treten die Erben in die Vereinsmitgliedschaft anstelle des Verstorbenen ein?

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.9130434782608696 / 5 (46 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Erben & Vererben