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Kategorie: Anwalt Familienrecht , 22.12.2016

Informationen zum Kindergeld während des Studiums

Familien können für ihre Kinder in der Ausbildung bis zum 25. Lebensjahr das einkommensunabhängige Kindergeld beanspruchen. Doch gerade beim Kindergeld während des Studiums wird zwischen Staat und Familie immer wieder gestritten, ob die Anspruchsvoraussetzungen noch gegeben sind, oder nicht. Hier einige Urteile zum Thema Kindergeld und Studium.

Kindergeld auch bei Studium während Zivildienst

Der Bundesfinanzhof (Aktenzeichen XI R 12/12) hat entschieden, dass die für den Bezug von Kindergeld maßgebliche Altersgrenze von 25 Jahren sich auch dann um einen der Dauer des vom Kind geleisteten Grundwehr- oder Zivildienstes verlängert, wenn während der Dauer des Dienstes Kindergeld gezahlt worden ist, weil das Kind zeitgleich für einen Beruf ausgebildet wurde (hier: Hochschulstudium). Der Bundesfinanzhof führt seine Entscheidung aus: Kindergeld wird grundsätzlich nur bis zur Vollendung des 25. Lebensjahrs gewährt. Über diese Altersgrenze hinaus wird ein Kind gemäß § 32 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) ausnahmsweise berücksichtigt, wenn es den gesetzlichen Grundwehrdienst oder den Zivildienst geleistet hat. Der Endzeitpunkt für die Gewährung des Kindergeldes wird in diesem Fall um einen der Dauer des geleisteten Dienstes entsprechenden Zeitraum hinausgeschoben. Der Gesetzgeber, so der Bundesfinanzhof, habe in § 32 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 EStG eine typisierende Regelung getroffen mit dem Zweck, eine durch die Ableistung des Dienstes im Regelfall eingetretene Ausbildungsverzögerung zu kompensieren.

Kindergeld auch bei dualem Studium

Ein duales Studium ist als Erstausbildung, bzw. Erststudium anzusehen. Die Erwerbstätigkeit des Kindes ist daher für einen Anspruch auf Kindergeld unschädlich, entschied das Finanzgericht Münster (Aktenzeichen 2 K 2949/12 Kg). Im zugrundeliegenden Fall hatte ein junger Mann nach dem Abitur ein duales Studium zum Bachelor im Studiengang Steuerrecht. Neben dem Studium absolvierte er eine studienintegrierte praktische Ausbildung zum Steuerfachangestellten. Beides schloss er erfolgreich ab: Die Prüfung zum Steuerfachangestellten legte der Sohn bereits im Jahr 2011 ab, der „Bachelor“ wurde ihm im März 2013 - noch vor Vollendung des 25. Lebensjahres - verliehen. Die Familienkasse hob die Kindergeldfestsetzung ab Januar 2012 auf, weil sie der Auffassung war, dass die Erstausbildung des Sohnes der Klägerin bereits mit der Prüfung zum Steuerfachangestellten im Jahr 2011 beendet gewesen sei. Das erst später beendete Studium stelle eine Zweitausbildung dar. Das sah das Finanzgericht Münster anders: Der junge Mann habe sich noch bis zum Abschluss seines Studiums in einer Berufsausbildung befunden. Ein ausbildungs- und praxisintegrierender Studiengang (Duales Studium) sei als Erstausbildung bzw. Erststudium anzusehen. Dieser sei erst abgeschlossen, wenn der angestrebte akademische Grad erreicht sei bzw. das Studium aus anderen Gründen ende.

Kindergeld vor der Referendarzeit

Kindergeld für den Zeitraum nach dem ersten Staatsexamen bis zum Beginn der Referendarzeit kann unter Umständen auch dann beansprucht werden, wenn sich der Eintritt in den Referendardienst wegen hoher Bewerberzahlen verzögert. Das hat das Finanzgericht Koblenz (Aktenzeichen1 K 2123/06) entschieden.


erstmals veröffentlicht am 13.11.2013, letzte Aktualisierung am 22.12.2016

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