anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Steuerrecht , 29.06.2016 (Lesedauer ca. 1 Minute)

Insolvenzanfechtung, ein Ärgernis?

Insbesondere auf Initiative des Mittelstandes und verschiedener Verbände ist die Reform des Insolvenzanfechtungsrechts, das von Betroffenen nicht selten als „scharfes Schwert“ empfunden wird, in aller Munde. Verlangt ein Insolvenzverwalter im Wege der insolvenzrechtlichen Anfechtung (§§129 ff. InsO) geleistete Zahlungen zurück, stellt sich die Frage nach der Berechtigung frei nach den Worten Shakespeares:

„Jetzt eben dies Vermögen noch, nun gar keins mehr?“.

Unter gewissen Voraussetzungen ist es nicht ausgeschlossen, dass Beträge, die innerhalb der letzten 10 Jahre gezahlt wurden, der Gefahr der insolvenzrechtlichen Anfechtung ausgesetzt sind. Nicht selten wird dadurch die eigene Existenz bedroht.

Vorsicht bei der Insolvenzanfechtung insbesondere bei zahlungsschwachen Kunden


Ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofes vom 25.02.2016 (Az.: IX ZR 109/15) macht deutlich, dass insbesondere Obacht im Umgang mit zahlungsschwachen Kunden geboten ist. Danach sind Zahlungen des Schuldners an seine Gläubiger z.B. im Wege der Ratenzahlung und nach Mahnungen sehr leicht anfechtbar, insbesondere wenn mit Inkassounternehmen, einem Anwalt, einem Gerichtsverfahren oder dem Lieferstopp gedroht wird. Auch ein Abwarten bis zur Durchsetzung einer Forderung kann zur Anfechtbarkeit führen.
Wird über das Vermögen des Schuldners das Insolvenzverfahren eröffnet, werden insbesondere Mahnungen, Ratenzahlungsvereinbarungen sowie die Korrespondenz zur wirtschaftlichen Situation einer genauen Betrachtung unterzogen. Verlangt der Insolvenzverwalter gezahlte Beträge zurück, kann häufig nur mithilfe einer fachmännischen Beratung die Berechtigung des Anspruchs eingeschätzt werden.

Rechtsprechung prägt das Anfechtungsrecht


Die Voraussetzungen für eine Anfechtbarkeit werden in erster Linie durch höchstrichterliche Rechtsprechung entwickelt, sodass umfassende insolvenzrechtliche Kenntnisse für eine Beurteilung notwendig sind.
Insbesondere wenn Sie einer Branche angehören, die häufig mit zahlungsschwachen Kunden zu tun hat, empfiehlt es sich, bereits vor Eintritt des Insolvenzereignisses die Geschäftsbeziehung mit dem Kunden zu optimieren. Der Rat eines Experten kann Sie vor der nur schwer zu kalkulierenden Gefahr der Insolvenzanfechtung schützen.
erstmals veröffentlicht am 27.06.2016, letzte Aktualisierung am 29.06.2016

Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Steuern & Finanzen
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Steuerrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.9074074074074074 / 5 (54 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
16.11.2015
In den letzten Jahren ist die Zahl der Firmeninsolvenzen und die Zahl der Überschuldungen von Privatpersonen in Deutschland erheblich gestiegen. Kernstück im Insolvenzrecht ist das Insolvenzverfahren - in dem es um einen fairen Interessenausgleich zwischen Gläubigern und Schuldnern geht - natürlich in Form von Geld.
Durch eine Privatinsolvenz bekommt ein Schuldner eine zweite Chance, denn zum Ende eines Verbraucherinsolvenzverfahrens mit Restschuldbefreiung kann er am Ende völlig schuldenfrei dastehen. Der Weg erfordert Mut und die Kooperation mit Behörden und Gläubigern.
Mobilfunk: Kein Pfand für SIM-Karte! © bloomua - Fotolia
Expertentipp vom 22.12.2016 (861 mal gelesen)

Mobilfunkdienstleister dürfen ihren Kunden nach Beendigung des Mobilfunkvertrags kein „Pfand“ in Rechnung stellen, wenn der Kunde die deaktivierte und wirtschaftlich wertlose SIM-Karte nicht zurückgibt.

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.7954545454545454 / 5 (44 Bewertungen)
Expertentipp vom 31.08.2012 (776 mal gelesen)

Gutes Handwerk hat seinen Preis- keine Frage! Kunden erleben aber nach der guten Arbeit oft eine böse Überraschung, wenn die Rechnung ins Haus flattert. Die Abrechnung ist um einiges höher als man besprochen hatte. Klare Vereinbarung zwischen Kunden und beauftragten Handwerksunternehmen helfen eine rechtliche Auseinandersetzung um die Abrechnung zu vermeiden.

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.6875 / 5 (48 Bewertungen)
Expertentipp vom 28.01.2016 (614 mal gelesen)

Nach Untersuchungen der Auskunftei Creditreform sind in Deutschland aktuell ca. 6,7 Mio. Menschen überschuldet und nicht in der Lage, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Obwohl die Überschuldung und die Zahlungsunfähigkeit der natürlichen Personen daher tendenziell zugenommen haben, nehmen die Insolvenzverfahren für Verbraucher und selbstständige oder ehemals selbstständige Personen ab.

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.8947368421052633 / 5 (38 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Steuern & Finanzen

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Datenschutzerklärung