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Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht , 28.06.2012 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Navi-Bedienung kann gefährlich ablenken

Autofahrer sollten sich zwecks Unfallverhütung besser auf den Verkehr konzentrieren statt während der Fahrt nebenher das Navigationssystem zu bedienen. Andernfalls kann der Wagen im Blindflug schnell aus der Kurve getragen werden.

Autofahrer sollten sich zwecks Unfallverhütung besser auf den Verkehr konzentrieren statt während der Fahrt nebenher das Navigationssystem zu bedienen. Andernfalls kann der Wagen im Blindflug schnell aus der Kurve getragen werden. Wie riskant eine manuelle Bedienung des Navigationssystems während der Fahrt sein kann, wurde in einem vom ACE Auto Club Europa beauftragten wissenschaftlichen Test jetzt erstmals auch mit drei Pkw der Kompaktklasse (Ford Focus, Opel Astra und VW Golf) bewiesen.

Demnach nimmt die Dauer der gesamten Ablenkungszeit auf bis zu 78 Sekunden (Ford) gefährlich zu, wenn der Fahrer eine komplett neue Zieladresse in das Navi eintippen will. In diesem Fall werden sogar die als Maßstab allgemein anerkannten Grenzwerte der tolerierbaren Ablenkung vom Fahrgeschehen deutlich überschritten. Das stellten die vom ACE mit dem Test betrauten Wissenschaftler der Universität Salzburg (Österreich) fest. Deren Aufgabe war es herauszufinden, welche ablenkende Wirkungen von den HMI (Human Machine Interface) genannten Schnittstellen zwischen Fahrer und Fahrzeug ausgehen können.
Grundlage der am Mittwoch in Stuttgart veröffentlichten Untersuchung bildeten laut ACE internationale Standards und Richtlinien (Guidelines), auf die sich Fahrzeughersteller für die Entwicklung neuer Bediensysteme im Auto verständigt haben. In Anbetracht der „teils beunruhigenden Testergebnisse“ verlangt der ACE jetzt von den Autoherstellern, sie sollten die Bediensysteme künftig so konfigurieren, dass etwa das Eintippen einer Zieladresse im Navi während der Fahrt unterbunden wird.
Eingaben mittels Sprachsteuerung und per Zielspeicher hingegen sind nach Ansicht des ACE in der Regel unbedenklich. Falls sich aber die Hersteller nicht dazu entschließen ihre Systeme insgesamt den Erfordernissen der Verkehrssicherheit besser anzupassen, müsste der Gesetzgeber im Rahmen der technischen Zulassungsvorschriften konsequenterweise die Rote Karte zücken, schlussfolgert der ACE.
An die Adresse der Verkehrsunfallforschung gerichtet fordert der Club jetzt zügig zu klären, ob der neuerdings wieder negativ verlaufende Trend in der Unfallentwicklung möglicherweise damit zusammenhängt, dass Fahrer mit modernen Multimediaangeboten und bestimmten Assistenzsystemen im Auto nicht zurechtkommen. Außerdem verlangt der ACE, dass alle sicherheitsrelevanten Basisfunktionen im Auto künftig über eine einfache und gleichartige Bedienlogik verfügen sollten.
Der HMI-Test zeigt nach den Angaben des Stuttgarter Autoclubs auch, dass nicht allein die schiere Zahl der Blickwechsel von der Fahrbahn aufs Display die Verkehrssicherheit beeinträchtigt, entscheidend sei vielmehr die Dauer der gesamten Ablenkungszeit. Demnach darf sich beispielsweise die für eine einzelne Navi-Bedienung beanspruchte Zeit auf nicht auf mehr als 20 Sekunden addieren und der einzelne Blick sollte sich nicht länger als zwei Sekunden vom eigentlichen Fahrgeschehen abwenden, betont der ACE. Der Club macht zugleich darauf aufmerksam, dass es beim regelgerechten Telefonieren sowie beim Ändern von Radio- und Audioeinstellungen in den Tests zu keinen Überschreitungen der in den Guidelines festgelegten Toleranzgrenzen gekommen ist.
Die insgesamt meisten Pluspunkte für die geringste Ablenkung erhielt das Fahrzeug von Opel. Die erste HMI-Testreihe führte der ACE 2011 mit Fahrzeugen der oberen Mittelklasse von Mercedes, BMW und Audi durch.
Mit den HMI-Tests des ACE beauftragt waren das Christian Doppler Labor 'Contextual Interfaces' der Paris-Lodron-Universität Salzburg sowie der Forschungs- und Entwicklungsdienstleister AUDIO MOBIL Elektronik, Ranshofen.

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