Logo anwaltssuche.de
Arztrecht , 22.12.2016

Nebenwirkungen einer Therapie begründen keine Arzthaftung!

In immer mehr Fällen machen Patienten, deren Behandlung nicht das gewünschte Ergebnis bringt, den behandelnden Arzt für das Ausbleiben des Heilungserfolgs oder das Auftreten von Nebenwirkungen verantwortlich. Einen Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz haben die Patienten allerdings nur dann, wenn dem behandelnden Arzt ein Behandlungsfehler nachgewiesen werden kann.

Gesundheitszustand durch Nebenwirkungen verschlechtert!

Ein Patient, bei dem nach diagnostizierten Prostatakrebs eine medikamentöse Hormontherapie begonnen wird, kann vom behandelnden Urologen keinen Schadensersatz verlangen, wenn er in der Folge einer bei der Behandlung auftretenden Niereninsuffizienz dialysepflichtig wird und es keinen nachweisbaren medizinischen Zusammenhang zwischen medikamentöser Behandlung und der Nierenerkrankung gibt. Das hat das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 26 U 62/13) im Fall eines Mannes entschieden, der an einer Prostatavergrößerung litt, die er vom beklagten Urologen behandeln ließ.
Ein diagnostizierter Prostatakrebs wurde auf Anraten des Urologen mit einer medikamentösen Hormontherapie behandelt. Wenige Wochen nach Beginn der Behandlung mit dem vorgeschalteten Medikament Flutamid verschlechterte sich der Gesundheitszustand des Mannes. Im Rahmen einer stationären Behandlung stellte sich heraus, dass der Mann unter einer erheblichen Niereninsuffizienz litt, in deren sich anschließender Behandlung er einen Diabetes Mellitus entwickelte. Dies hatte zur Folge, dass der Mann seither
dialysepflichtig ist. Der Mann verklagte den Urologen aufgrund einer seiner Ansicht nach fehlerhaften, weil seine Niereninsuffizienz nicht berücksichtigende Behandlung und eine unzureichende Risikoaufklärung.

Dialysepflicht nach Prostatakrebs- keine Arzthaftung!

Zu Unrecht, entschied das Oberlandesgerichts Hamm. Das Gericht konnte nach der Anhörung eines medizinischen Sachverständigen nicht feststellen, dass dem Mann durch die Behandlung des beklagten Urologen ein Schaden entstanden ist.

Über alternative Möglichkeiten zur Behandlung des Prostatakrebses habe der Mann nicht aufgeklärt werden müssen, weil es angesichts des Alters des Klägers und des aggressiven Tumors keine aufklärungspflichtigen Behandlungsalternativen gegeben habe. Von einer Operation oder einer Strahlentherapie sei bereits aufgrund des Alters abzusehen gewesen. Das Medikament Flutamid habe der Beklagte nach seinem Ermessen auswählen dürfen, weil eine alternative Medikation in ihrer Wirksamkeit und in den Nebenwirkungen vergleichbar gewesen sei.

Keine Gesundheitsschädigung durch Auftreten von Nebenwirkungen

Ob der Mann über Risiken der medikamentösen Behandlung ausreichend aufgeklärt worden sei, könne im Übrigen dahinstehen, weil es keinen Hinweis auf einen medizinischen Zusammenhang zwischen der medikamentösen Behandlung und der Nierenerkrankung gebe. Auch bei einer in Frage stehenden Aufklärungspflichtverletzung müsse ein Patient zur Begründung eines Schadensersatzanspruches nachweisen, dass er durch die ärztliche Behandlung einen Gesundheitsschaden erlitten habe. Das sei dem Kläger nicht gelungen. Durch das Medikament Flutamid eingetretene, kurzfristige Beschwerden wie Übelkeit und Müdigkeit rechtfertigten kein Schmerzensgeld.





erstmals veröffentlicht am 19.02.2014, letzte Aktualisierung am 22.12.2016

Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Gesundheit & Arzthaftung
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Arztrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.04 / 5 (25 Bewertungen)

Bitte Ort anklicken oder erweitertes Suchformular verwenden

A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W Z
Cadolzburg weitere Orte >>>
Jockgrim Jüchen weitere Orte >>>
Zirndorf weitere Orte >>>

Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Arzthaftungsrecht 14.11.2016
Ein Arzt haftet, wenn er seinen Patienten nicht mit der gebotenen Sorgfalt und nach den Regeln der aktuellen ärztlichen Kunst behandelt. Wenn der Patient als Folge daraus einen Schaden erleidet, kann er den Arzt verklagen. Neben eines Prozesses ist auch eine außergerichtliche Schlichtung möglich.
17.09.2015
Das Arztrecht fasst Themen zusammen, die einerseits das Arzt-Patientenverhältnis betreffen, andererseits beschäftigt es sich aber auch mit dem ärztlichen Berufs- und Standesrecht, Fragen der Prüfung, Ausbildung, Weiterbildung etc.
Kategorie: Anwalt Arzthaftungsrecht 25.10.2016
Ärzte tragen bei jeder Behandlung, jeder Medikamentengabe, jeder Entscheidung große Verantwortung. Aber auch ein Arzt kann eine Fehlentscheidung treffen; wer diesen beweisen muss und welche Folgen sich daraus ergeben können, erfahren Sie hier.
17.09.2015
Das Arzthaftungsrecht ist dem Medizinrecht zugeordnet. Hier geht es im Wesentlichen um die Fragen der Arzthaftung: Ein Kunstfehler passiert und der Patient erleidet einen vorübergehenden oder andauernden Schaden oder kommt gar zu Tode. Für diesen Nachteil macht der Patient bzw. machen seine Hinterbliebenen Schadenersatz oder Schmerzensgeld geltend. Das Gesetz besagt: Wenn der Arzt gegen die ärztliche Sorgfaltspflicht verstoßen hat, und wenn ihm der Verstoß nachgewiesen werden kann, muss er haften.
Kategorie: Anwalt Arztrecht 01.12.2015
Seit 2009 muss jeder Bundesbürger krankenversichert sein - entweder in einer gesetzlichen Krankenkasse (GKV) oder in einer privaten Krankenversicherung (PKV). Beide Systeme vergüten Ärzte unterschiedlich: Für PKV-Patienten können Ärzte mehr Honorar verlangen.
Kategorie: Anwalt Arztrecht 16.03.2009 (306 mal gelesen)

Viele Menschen haben sie bereits errichtet: die Patientenverfügung. Insbesondere wer nicht möchte, dass er in einem unheilbaren Zustand von Maschinen künstlich am Leben gehalten wird, legt darin fest, wie er bei einer schweren Krankheit behandelt werden will, wenn er sich nicht mehr selbst äußern kann.

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.125 / 5 (16 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Arztrecht GKS Rechtsanwälte 18.04.2017 (818 mal gelesen)

Wenn nach einem ärztlichen Heileingriff körperliche Beschwerden auftreten, sind viele Patienten oftmals verunsichert:Hat der Arzt etwas falsch gemacht? Bekomme ich nun Schmerzensgeld - oder habe ich durch meine Einwilligung keinerlei Ansprüche gegen den Arzt? Vorab sei gesagt: Wer mit der Forderung von Schadensersatzleistungen in solchen Fällen zu lange zögert, riskiert einen völligen Verlust seiner Ansprüche gegen den behandelnden Mediziner!

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.7708333333333335 / 5 (48 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Arztrecht 22.12.2016 (742 mal gelesen)

In deutschen Kliniken sterben jährlich rund 19.000 Menschen verursacht durch Behandlungsfehler. Das sind fünfmal so viele Todesfälle wie im Straßenverkehr, analysiert der aktuelle AOK Krankenhausreport. Bei jährlich rund 190.000 Patienten begründen Behandlungsfehler gesundheitliche Schäden. Letztinstanzlich müssen dann Gerichte beurteilen, ob ein Behandlungsfehler vorlag.

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.979591836734694 / 5 (49 Bewertungen)
Rechtstipps zu Berufserkrankungen © M. Schuppich - Fotolia
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht 22.12.2016 (543 mal gelesen)

Hauterkrankungen, Lärmschwerhörigkeit und Erkrankungen an der Wirbelsäule sind einer aktuellen Statistik zur Folge die häufigsten Berufserkrankungen in Deutschland. Aber auch andere Erkrankungen von Arbeitnehmern können auf die berufliche Tätigkeit zurückzuführen sein und damit ein Fall für die gesetzliche Unfallversicherung werden.

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.9545454545454546 / 5 (22 Bewertungen)
Schmerzensgeld vom Heilpraktiker! © alexandro900 - Fotolia
Kategorie: Anwalt Arztrecht 22.12.2016 (892 mal gelesen)

Nicht nur Ärzte müssen für Behandlungsfehler bei Patienten aufkommen, auch Heilpraktiker müssen für ihre Fehlbehandlungen gegenüber ihren Patienten finanziell gerade stehen.

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.909090909090909 / 5 (55 Bewertungen)
Arzthaftung: Wie viel Geld bekommen Patienten für Behandlungsfehler? © mko - topopt
Kategorie: Anwalt Arztrecht 20.04.2017 (1425 mal gelesen)

Geht eine Operation schief oder führte eine ärztliche Behandlung nicht zum erhofften Erfolg, stellt sich die Frage nach der Verantwortlichkeit und damit letztlich nach der Haftung des behandelnden Arztes. Wir haben Ihnen einige ärztliche Behandlungsfehler und das dazugehörige, dem Patienten zugesprochene Schmerzensgeld, zusammengestellt …

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.860215053763441 / 5 (93 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Arztrecht 22.12.2016 (1051 mal gelesen)

Führt eine ärztliche Behandlung nicht zum gewünschten Heilungserfolg, vermuten immer mehr Patienten darin einen ärztlichen Behandlungsfehler. Ein Arzt muss aber nur für fahrlässige Fehldiagnosen und Behandlungsfehler einstehen, wie folgendes Urteil zeigt.

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.1 / 5 (60 Bewertungen)
Online-Diagnose vom Arzt- rechtlich zulässig? © VadimGuzhva - Fotolia
Kategorie: Anwalt Arztrecht 08.11.2016 (729 mal gelesen)

Asthma, Verhütung, Kreislaufbeschwerden – Immer mehr deutsche Patienten nehmen die Dienste ausländischer Online-Arztpraxen in Anspruch. Ob Ärzte Patienten per Mausklick behandeln dürfen, oder sollten, ist zurzeit hoch umstritten. Für deutsche Arztpraxen sind solche Behandlungsmethoden jedenfalls unzulässig.

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.02 / 5 (50 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Arztrecht 17.06.2008 (195 mal gelesen)

Seit 1. Juni 2008 gelten für 71 Festbetragsgruppen von Arzneimitteln wieder neue Festbeträge. Grund für die Änderung sind die Beschlüsse der Spitzenverbände der Krankenkassen nach der jährlichen Überprüfung des Festbetragsmarktes.

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.888888888888889 / 5 (9 Bewertungen)
Apotheker wegen falscher Abgabe eines Medikaments verurteilt! © kocordia - fotolia.com
Kategorie: Anwalt Strafrecht 31.10.2017 (68 mal gelesen)

Ein Apotheker hatte einer 78jährigen Patientin ein anderes als das ärztlich verordnete Medikament gegeben, woraufhin die Frau aufgrund der falschen Medikamenteneinnahme verstarb. Der Apotheker wurde daraufhin strafrechtlich und berufrechtlich zu einer Geldstrafe verurteilt.

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.833333333333333 / 5 (6 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Gesundheit & Arzthaftung

Suche in Expertentipps