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Kategorie: Anwalt Erbrecht , 25.08.2015 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 870 mal gelesen)

Neues europäisches Erbrecht bringt wichtige Veränderungen!

Seit dem 17. August 2015 gilt die neue EU-Erbrechtsordnung. Sie will das Erben und Vererben über die Grenzen der einzelnen EU-Mitgliedstaaten hinweg vereinfachen und damit erleichtern. Unter andere haben EU-Bürgern ab sofort die Möglichkeit ein sogenanntes Europäisches Nachlasszeugnis zu beantragen.

Wozu wurde eine neue EU-Erbrechtsverordnung verabschiedet?


Die neue EU-Erbrechtsverordnung regelt etwa welches Erbrecht bei internationalen Erbfällen anzuwenden ist, zum Beispiel wenn ein Deutscher im Ausland lebt und dort verstirbt. Die Klärung eines internationalen Erbfalls war bislang sehr zeitaufwendig und mitunter in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten kompliziert geregelt. Die neue EU-Erbrechtsverordnung hat nun die Vereinheitlichung der Rechtslage bei internationalen Erbfällen innerhalb der EU zum Ziel. Bislang wurde etwa in Deutschland bei der Frage, welches Recht bei einem internationalen Erbfall anzuwenden sei, auf die Staatsangehörigkeit des Erblassers abgestellt. Ab jetzt gilt EU-weit das Erbrecht des EU-Mitgliedstaates, in dem der Erblasser zuletzt seinen ständigen Aufenthalt hatte. Demnach gilt für alle in Deutschland verstorbenen Erben das deutsche Erbrecht – egal welche Nationalität sie besitzen. Außerdem ist festgelegt, welches Gericht im konkreten EU-Erbfall zuständig ist. Die EU-Erbrechtsverordnung führt darüber hinaus das sogenannte europäische Nachlasszeugnis ein.

Gilt die EU-Erbrechtsverordnung in allen EU-Mitgliedstaaten?


Die neue EU-Erbrechtsverordnung gilt in allen EU-Mitgliedstaaten bis auf Irland, Dänemark und Großbritannien.

Welche Veränderungen oder Neuerungen bringt die EU-Erbrechtsverordnung?


Die jetzt in Kraft getretene EU-Erbrechtsverordnung schafft eine ganz wichtige Neuerung: Bei Strebefällen ab dem 17.8. kann ein sogenanntes Europäisches Nachlasszeugnis beantragt werden. Erben oder Testamentsvollstrecker können mit dem Europäischen Nachlasszeugnis in anderen Mitgliedstaaten ihre Rechtsstellung einfach und schnell nachweisen. Es entspricht dem in Deutschland geltenden Erbschein.

Wie erhält man ein Europäisches Nachlasszeugnis?


Erben, Nachlassverwalter oder Testamentsvollstrecker können einen Antrag auf ein Europäisches Nachlasszeugnis stellen. Dieser Antrag ist im Europäischen Justizportal zu finden.

Welche Kosten fallen für ein Europäisches Nachlasszeugnis an?


Die Erteilung eines Europäischen Nachlasszeugnisses kostet ebensoviel wie die Erteilung eines Erbscheins. Wird beides benötigt, entstehen beide Gebühren.

Müssen bestehende Testamente aufgrund der neuen EU-Erbrechtsverordnung geändert werden?


Es empfiehlt sich für EU-Bürger die im Ausland leben und bereits ein Testament errichtet haben aufgrund der neuen Rechtslage ihre erbrechtlichen Verfügungen zu überprüfen. Kompetenten Rat erhalten Sie bei einem Rechtsanwalt oder Fachanwalt für Erbrecht.

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