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Kategorie: Anwalt Familienrecht , 13.03.2017 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Patchwork-Familien und das Umgangsrecht

Patchwork-Familien und das Umgangsrecht © detailblick-foto - Fotolia

In Patchwork-Familien spielt das Umgangsrecht der Eltern mit ihren Kindern und dessen Ausgestaltung oft eine große Rolle. Ob der wöchentliche Wechsel zwischen den Eltern oder alle vierzehn Tage ein Wochenende beim anderen Elternteil - es gibt kein Modell einer optimalen Umgangsregelung. Maßgeblich für die Umgangsregelungen ist immer das Wohl des Kindes, wie auch eine aktuelle Entscheidung des Bundesgerichtshofs zeigt.

Ist eine bestimmte Form beim Umgang vorgeschrieben?


Kinder von getrenntlebenden Eltern haben ein Recht auf Umgang mit den Eltern. Und die Eltern sind gesetzlich zum Umgang mit dem Kind verpflichtet. Wie aber der Modus des Umgangs ist, können Eltern frei bestimmen. Ist eine einvernehmliche Umgangsregelung aber nicht möglich, muss das Familiengericht den Umgang verbindlich regeln. Es schaut sich die Verhältnisse an, letztendlich entscheidet aber das Kindeswohl welche Umgangsregelung getroffen wird. Wichtig ist, je mehr sich die Eltern streiten, desto konkreter sollte die Umgangsregelung im Interesse aller getroffen werden.

Familiengericht darf hälftigen Umgang anordnen


Der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen XII ZB 601/15) hat jüngst entschieden, dass ein Familiengericht auch gegen den Willen eines Elternteils das sog. Paritätische Wechselmodell anordnen kann. Unter paritätischem Wechselmodell versteht man die hälftige Betreuung des Kindes durch beide Eltern – also in der einen Woche lebt das Kind bei der Mutter, in der anderen Woche beim Vater.

BGH: Lebensmittelpunkt bei einem Elternteil ist bei Umgangsregelung kein Gesetz


Der Bundesgerichtshof führt in seiner Begründung aus, dass das Residenzmodell – Kind lebt vorwiegend bei einem Elternteil – zwar das häufigste Umgangsmodell sei, es stelle aber kein gesetzliches Leitbild dar, das andere Betreuungsmodelle ausschließe. Eine Umgangsregelung nach dem paritätischen Wechselmodell – Kind lebt wochenweise bei einem Elternteil – stehe im Einklang mit der Ausübung des gemeinsamen Sorgerechts der Eltern für das Kind.
Entscheidend seien bei Umgangsregelungen allerdings immer das Kindeswohl und der Kindeswille, bekräftigte der Bundesgerichtshof. Entspricht das Wechselmodell mehr den Bedürfnissen des Kindes, ist dies immer vorzuziehen. Auch wenn es für die Eltern und das Kind einen größeren Aufwand darstellt. Schließlich pendelt das Kind zwischen zwei Haushalten hin und her. Das Wechselmodell erfordert daher auch eine größere Kooperationsbereitschaft bei den getrenntlebenden Eltern. Sind die Eltern sehr zerstritten, kommt das Wechselmodell laut BGH daher nicht in Frage.

erstmals veröffentlicht am 10.03.2017, letzte Aktualisierung am 13.03.2017

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