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Zivilrecht , 10.10.2013

Pferdekäufer aufgepasst: Tierarzt haftet für Untersuchungsfehler beim Ankauf!

Der Erwerb eines Pferdes ist eine nicht unerhebliche finanzielle Investition. Da empfiehlt es sich für den Pferdekäufer, das Tier von einem Tierarzt gründlich untersuchen zu lassen. Übersieht dieser eine Krankheit führt das zu einer Haftung des Tierarztes.

Der Erwerb eines Pferdes ist eine nicht unerhebliche finanzielle Investition. Da empfiehlt es sich für den Pferdekäufer, das Tier von einem Tierarzt gründlich untersuchen zu lassen. Übersieht dieser eine Krankheit führt das zu einer Haftung des Tierarztes.

So entschieden vom Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 21 U 143/12) in folgendem Fall: Eine Pferdefreundin erwarb von einem Pferdeverkäufer eine laut Kaufvertrag vier Jahre alte Schimmelstute als Reitpferd zum Kaufpreis von 2.700 Euro. Das angegebene Alter entsprach dem im Pferdepass aufgeführten Geburtsdatum des Tieres. Der Kaufvertrag sollte im Falle der erfolgreichen Durchführung einer Ankaufsuntersuchung durch die beklagte Tierarztpraxis wirksam werden.

Der Pferdeverkäufer beauftragte einen Tierarzt mit der Ankaufsuntersuchung. Diese Untersuchung führte der Tierarzt auf der Grundlage von Vertragsbedingungen durch, die etwaige Ansprüche gegen die Praxis ausschlossen. In dem über die Ankaufsuntersuchung erstellten Protokoll, das die Käuferin in der Folgezeit billigte, vermerkte der Tierarzt nicht, dass das Tier noch ein vollständiges Milchgebiss hatte und deshalb - entgegen den Angaben im Pferdepass - noch keine vier Jahre alt sein konnte. Nachdem die Pferdekäuferin erfahren hatte, dass das gekaufte Pferd erst ca. 2 ½ Jahre alt war, verlangte sie von der Tierarztpraxis Schadensersatz. Das Pferd habe einen Minderwert, weil es nicht als Reitpferd einzusetzen sei. In Kenntnis des tatsächlichen Alters hätte sie von dem Ankauf abgesehen.

So sieht das auch das Oberlandesgericht Hamm und sprach der Pferdekäuferin rund 4.500 Euro Schadensersatz zu. Der zwischen dem Verkäufer und der beklagten Tierarztpraxis im Zusammenhang mit dem Abschluss eines Pferdekaufs abgeschlossene Vertrag über die Durchführung einer tierärztlichen Ankaufsuntersuchung entfalte eine Schutzwirkung für den Kaufinteressenten. Ihm gegenüber hafte die Tierarztpraxis für Fehler bei der Ankaufsuntersuchung. Diese Haftung könne im Vertrag zwischen dem Verkäufer und der Tierarztpraxis nicht ausgeschlossen werden. Eine Haftungsfreizeichnung nur zu Lasten der Käuferin – wie sie der vorliegende Vertrag enthalte – sei unwirksam.

Bei der Untersuchung der Stute habe der für die Beklagte handelnde Tierarzt eine Pflicht verletzt, weil er die Käuferin auf die sich aus dem Milchgebiss ergebenden Zweifel an dem im Pferdepass angegebenen Geburtsdatum nicht hingewiesen habe. In Kenntnis des tatsächlichen Alters von gut zwei Jahren hätte die Klägerin das Pferd nicht erworben, so dass ihr die Beklagte den Schaden zu ersetzen habe, der ihr durch den Erwerb des Tieres aufgrund des fehlerhaften Befundes entstanden sei. Dieser setze sich aus Unterbringungs-, Verpflegungs- und Behandlungskosten für die Stute in Höhe insgesamt rund 4.500 Euro zusammen. Die Kosten seien entstanden, bis das Pferd das Alter von vier Jahren erreicht habe, so die Hammer Richter.


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