Logo anwaltssuche.de
Arbeitsrecht , 05.12.2012

Rechtsschutzversicherungen: Auf was Sie achten müssen

Was macht eine gute Rechtsschutzversicherung aus? Und woran erkennt man die "schwarze Schafe" der Branche? Das erfahren Sie hier.

Wer eine Rechtsschutzversicherung abschließt, möchte im Zweifelsfall risikolos streiten können. Eine entsprechende Police erfüllt diesen Wunsch allerdings nicht immer. Die Redaktion von anwaltssuche.de hat zusammen gestellt, auf was Versicherungsnehmer achten müssen.

Welche Rechtsschutzversicherung für welchen Personenkreis?


Zunächst muss festgestellt werden, welchen Rechtsschutz man tatsächlich benötigt. Als die zentralen Versicherungsarten gelten Berufsrechtsschutz und Verkehrsrechtschutz; je nach Lebenssituation auch eine Mieter- oder Vermieterrechtsschutz. Benötigt man mehr als eine Versicherungsart, lohnt es sich, Kombi-Angebote zu studieren. Übrigens: Nicht immer ist die teuerste Police die beste. Verbraucherschützer weisen immer wieder ausdrücklich darauf hin, wie viel man beim Rechtsschutz sparen kann, wenn man gründlich vergleicht.

Verkehrsrechtsschutz: Zu dieser Rechtsschutzversicherung raten Verbraucherschützer Normalbürgern am ehesten. Der Grund sind die hohen Streitwerte, um die es bei einem Unfall gehen kann.

Berufsrechtsschutz: Die Police ist sehr interessant für Arbeitnehmer. Denn im Arbeitsrecht gibt es die Besonderheit, dass in der ersten Instanz jede Partei ihre Kosten selbst tragen muss; und zwar auch der Gewinner. Die Police ist nicht als Einzelleistung zu haben, sondern nur in Kombination mit dem Privatrechtschutz.

Mieter- oder Vermieterrechtsschutz: Diese Policen gibt es jeweils einzeln, aber auch als Teil eines großen Kombi-Pakets. Weil die Prozesskosten in dem Bereich schnell ausufern können, sind die Einzelverträge meist recht teuer. Am billigsten wird es, wenn man diesen Rechtsschutz als Zusatz zur Privatrechtsschutz dazu nimmt.

Ob der Bedarf an weiteren/anderen Rechtsschutzarten gegeben ist, sollte unbedingt im Einzelfall abgeklärt werden. Hier helfen die Versicherungsexperten der Verbraucherzentralen oder Anwälte für Versicherungsrecht.


Zusätzlicher Tipp: Wer eine Police mit Selbstbehalt abschließt, kann von weiteren Rabatten profitieren.


Auf welche Vertragsbestandteile muss geachtet werden?



Dreh- und Angelpunkt ist, wie der Versicherer im Kleingedruckten den Zeitpunkt definiert, zu dem der Schaden eintritt (so genannter Schadenszeitpunkt). Dabei sollten Verbraucher nur Policen wählen, die von der sogenannten Ereignistheorie ausgehen, raten Versicherungsexperten. In den Klauseln muss dann stehen, dass der Zeitpunkt des Schadensereignisses maßgeblich ist. Sonst kann sich der Versicherer darauf beziehen, dass die Ursache schon vor Vertragsbeginn lag – und müsste nicht leisten. Die Folge: Der Kunde geht leer aus.

Je nach Versicherungsschutz haben die meisten Versicherungen eine Wartezeit von drei Monaten nach Vertragsabschluss; viele sogar ein halbes Jahr. Wenn der neue Vertrag direkt an einen bestehenden anschließt, dann kann die Wartezeit entfallen. Tipp: Dies sollte von der Versicherung aber ausdrücklich bestätigt werden.

Bei Prozessen mit hohem Streitwert ist die Deckungssumme von entscheidender Bedeutung. Merke: Der Versicherer erstattet maximal die Deckungssumme. Verbraucherschützer raten zu einer Deckungssumme von mindestens 300.000 Euro.

Rechtsschutzversicherungen übernehmen normalerweise nur Fälle mit Aussicht auf Erfolg. Für aussichtslose Klagen wird nicht gezahlt. Ein Vertrag mit Stichentscheid ist in der Regel vorteilhaft für den Kunden. Lehnt eine Versicherung ab, kann der Anwalt entscheiden, wie positiv die Erfolgsaussichten sind, und kein Schiedsgericht, das meist vom Versicherten gezahlt werden muss.

Immer wieder versuchen Versicherer, sich auf ungültige Ausschlussklauseln zu berufen, bemängeln Anwälte für Versicherungsrecht. Vor allem wenn es um große Summen geht wie bei Fällen aus dem Bank- und Anlegerrecht. Da kann es passieren, dass ein Vertrag über Fonds- und Unternehmensbeteiligungen schon mal als „Spiel- und Wettvertrag“ eingeordnet. Die Folge: Für die ohnehin schon geprellten Kunden gibt kein Geld.

Wichtig: Wer noch einen alten Rechtschutzvertrag mit den ehemals günstigen, weil umfassenderen Vertragsbedingungen hat, sollte sich nicht abwimmeln lassen und seine Ansprüche hartnäckig einfordern und auf keinen Fall seine Police verändern. In den meisten neuen Verträgen sind Anleger- und Aktionärsklagen gar nicht mehr mitversichert. Auch Gewinnmitteilungen sind mittlerweile nicht mehr einklagbar.


Wann sollte die Versicherung abgeschlossen werden?



Häufig kommt der Bedarf an einer Rechtsschutzversicherung sehr spät auf, nämlich dann, wenn der Ärger quasi schon an die Haustüre klopft. Hier ist allergrößte Vorsicht angeraten: Ist beispielsweise der Arbeitsplatz schon stark gefährdet, raten Versicherungsexperten von dem Abschluss einer Police ab. Der Grund: Kann die Versicherung nachweisen, dass ein Rechtsstreit vor Vertragsunterzeichnung quasi schon ins Haus stand, wird diese sehr wahrscheinlich nicht zahlen.


Abschließender Tipp: Blogs checken



Wer wissen will, welcher Versicherer regelmäßig kundenunfreundlich agiert und welcher nicht, kann das beispielsweise unter rsv-blog.de nachlesen. Auf der Internetseite zweier Rechtanwälte tauschen sich die Kollegen bundesweit über gute und schlechte Erfahrungen mit Versicherern aus. Ähnliche Blogs findet man über die Suchmaschinen.

Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Arbeit & Beruf
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Arbeitsrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.135135135135135 / 5 (37 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht 30.11.2016
Berufsunfähigkeitsversicherungen sind dazu da, bei Berufsunfähigkeit finanzielle Absicherung zu bieten. Sie sind besonders wichtig für Menschen, für die hoch spezialisiert sind und für die kaum berufliche Alternativen oder Umstiegsmöglichkeiten gibt, sollten sie in ihrem angestammten Beruf nicht mehr arbeiten können.
Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht 16.11.2015
Wer privat versichert ist (und das sind nur ca. 11 % der Bevölkerung), der geht erster Klasse zum Arzt, liegt im Krankenhaus im Einbettzimmer - und hat auch sonst kaum Sorgen. Wenn er mal krank ist, zahlt seine private Krankenversicherung alles. Er wird luxuriös gesund, denken alle gemeinhin. Aber diese Zeiten (wenn es sie je gab) sind vorbei.
Kategorie: Anwalt Familienrecht 18.02.2008 (172 mal gelesen)

Noch bevor die Hochzeitsglocken verklungen sind, sollte das Paar einen Blick in seinen Versicherungsordner werfen. Es gibt eine ganze Reihe von Änderungen und Verbesserungen, die mit der Eheschließung verbunden sind. Deshalb am besten das Thema lange vor dem Ereignis in Angriff nehmen.

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.8 / 5 (10 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht 07.11.2011 (410 mal gelesen)

Einige Versicherer wollen Kosten sparen und haben ihre Bedingungen nach der Reform des Versicherungsvertragsgesetzes nicht angepasst. Nun hat sich der Bundesgerichtshof mit diesem Rechtsproblem beschäftigt. Denn die alten Verträge sahen vor, dass der Versicherte komplett leer ausgeht, wenn er seinen vertraglichen „Pflichten“ nicht nachkommt.

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.96 / 5 (25 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Arbeit & Beruf

Suche in Expertentipps