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Arbeitsrecht , 22.12.2016

Rechtstipps zu Berufserkrankungen

Rechtstipps zu Berufserkrankungen © M. Schuppich - Fotolia

Hauterkrankungen, Lärmschwerhörigkeit und Erkrankungen an der Wirbelsäule sind einer aktuellen Statistik zur Folge die häufigsten Berufserkrankungen in Deutschland. Aber auch andere Erkrankungen von Arbeitnehmern können auf die berufliche Tätigkeit zurückzuführen sein und damit ein Fall für die gesetzliche Unfallversicherung werden.

Alle anerkannten Berufskrankheiten sind in einer Rechtsverordnung der Bundesregierung (BKV) benannt. Aber auch wenn eine Erkrankung eines Arbeitnehmers nicht in dieser Liste steht, kann es sich eventuell um eine Krankheit handeln, die wie eine Berufskrankheit behandelt wird. Hier einige interessante Urteile zu dieser Thematik.

Kniegelenkarthose – Berufskrankheit?


Ein Handwerker, der jahrelang einseitig kniend gearbeitet und dabei eine einseitige Kniegelenksarthose erlitten hat, hat Anspruch auf eine Verletztenrente aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Dies entschied das Sozialgericht Dortmund (Aktenzeichen S 18 U 113/10) im Fall eines Gas- und Wasserinstallateurs, der während seiner Arbeitstätigkeit mehrerer tausend Stunden in der sogenannten Fechterstellung – einseitig kniend – verbracht hat. Das Sozialgericht Dortmund sieht in dieser Erkrankung eine Berufskrankheit im Sinne der Berufskrankheitenverordnung. Eine einseitige Kniegelenksarthose kann als Berufskrankheit im Sinne der Berufskrankheitenverordnung (BKV) anerkannt und entschädigt werden, wenn wie im vorliegenden Fall gegeben, ein Handwerker jahrelang einseitig kniend arbeitet. Der Mann habe die berufsbedingte einseitige Belastung seines Knies glaubhaft machen können. Die Kniearthose sei ein Anzeichen für die berufliche Verursachung. Das Übergewicht des Mannes widerspreche dieser Annahme nicht, so die Dortmunder Sozialrichter.

Fersensporn – Berufskrankheit?


Ein Fersensporn ist weder als noch wie eine Berufskrankheit zu behandeln, dass entschied das Sozialgericht Karlsruhe (Aktenzeichen S 1 U 3803/14) in folgendem Fall: Ein Arbeitnehmer erkrankte an beiseitigen Fersensporn. Er verklagte die Berufsgenossenschaft diese Erkrankung wie eine Berufskrankheit zu bewerten, da er als Maschinist jahrelang auf hartem Industriefußboden gestanden habe und die Erkrankung von dieser Tätigkeit herrühre.
Zu Unrecht, entschied das Sozialgericht Karlsruhe. Der beidseitige Fersensporn sei weder als Berufskrankheit gesetzlich anerkannt, noch sei er wie eine Berufskrankheit zu behandeln. Ein Fersensporn gehöre nicht zu den in der BKV aufgeführten Erkrankungen der Sehnenscheide oder Sehnen- und Muskelansätze. Es gebe auch keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass Maschinisten berufsbedingt mehr als die übrige Bevölkerung der Gefahr ausgesetzt seien, einen Fersensporn zu bekommen.




erstmals veröffentlicht am 14.07.2015, letzte Aktualisierung am 22.12.2016

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