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Kategorie: Anwalt Erbrecht , 06.09.2017

Rechtstipps zum Nottestament

Rechtstipps zum Nottestament © mko - topopt

Befindet sich ein Mensch in Todesgefahr kann er mündlich ein sogenanntes Nottestament vor drei Zeugen erklären. Für die Wirksamkeit des Nottestaments sind die nahe Todesgefahr sowie geeignete Zeugen allerdings zwingend!

Wahrscheinlichkeit des Todeseintritts vor Eintreffen eines Notars notwendig


Eine Frau verfasste aufgrund einer Krebserkrankung im Endstadium im Krankenhaus vier Tage vor ihrem Ableben in Anwesenheit von vier Zeugen ein Nottestament. In diesem Testament wurde ihr Sohn zum Alleinerben eingesetzt, allerdings beschränkt durch eine langjährige Testamentsvollstreckung. Nach dem Tod der Frau stritten sich der alleinerbende Sohn und die Testamentsvollstreckerin über die Wirksamkeit des Nottestaments.

Nach Ansicht des Oberlandesgericht Hamm(Aktenzeichen 15 W 587/15) ist das Nottestament im vorliegenden Fall nicht wirksam und damit auch keine Testamentsvollstreckung eingetreten. Nach der Beweisaufnahme des Gerichts war einem Zeugen des Nottestaments die nahe stehende Todesgefahr nicht bewusst. Er habe nicht gewusst, dass die Frau bald sterben oder geschäftsunfähig werden würde. Auch seien die Umstände nicht so gewesen, dass von einer nahen Todesgefahr ausgegangen werden musste. Diese bestehe nur dann, wenn der Tod noch vor Eintreffen eines Notars eintreten könnte. Eine fortgeschrittene zum Tode führende Krebserkrankung reiche für eine nahe Todesgefahr nicht aus, so die Hammer Richter.

Nottestament ist bei Mitwirkung des Begünstigten unwirksam


Die notwendigen drei Zeugen eines Nottestaments dürfen nicht die Kinder oder nahe Verwandte des Erblassers sein, die durch das Testament einen Vorteil erlangten. Dies entschied das Oberlandesgericht Köln (Aktenzeichen 2 Wx 86/17). Nur zwei Zeugen reichen aber für ein Nottestament nicht aus. Ungeeignet als Zeuge für ein Nottestament sei auch eine Person, die nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfüge und gar nicht an dem Nottestament mitwirken könne. Der Wille zum Mitwirken am Nottestament sei aber bei einem Zeugen notwendig, so die Kölner Richter.

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