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Kategorie: Anwalt Arztrecht , 07.02.2017 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Schmerzensgeld vom Augenarzt!

Schmerzensgeld vom Augenarzt! © mko - topopt

Behandlungsfehler passieren auch Augenärzten. Weil eine Augenärztin eine Netzhautablösung bei einer Patientin zu spät erkannte, muss sie der Patientin jetzt 15.000 EUR Schmerzensgeld zahlen

Ärztin vergaß Ultraschalluntersuchung


So lautet eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm (Aktenzeichen 26 U 28/13) im Fall einer Patientin, die eines Tages beim Joggen feststellte, dass sie auf ihrem rechten Auge nur schlecht sehen konnte. Die Frau suchte daraufhin eine Augenärztin auf, die ein Netzhautloch und eine Glaskörperblutung feststellte und die Betroffene mit einer Laserkoagulation behandelte. Eine Ultraschalluntersuchung nahm sie nicht vor. In der Folgezeit kam es zu einer Netzhautablösung bei der Patientin, die in einer Augenklinik durch eine Glaskörper-Operationen behandelt wurde. Eine Verbesserung der Sehkraft trat aber nicht mehr ein. Die Sehkraft auf dem rechten Auge der Frau ist dauerhaft um 90 Prozent reduziert. Die Patientin verklagte daraufhin die Augenärztin auf Schadensersatz und Schmerzensgeld.

Urteil: 15.000 Euro Schmerzensgeld


Mit Erfolg! Das Oberlandesgericht Hamm sprach der Patientin ein Schmerzensgeld in Höhe von 15.000 Euro zu. Auf der Grundlage des eingeholten medizinischen Sachverständigengutachtens stehe fest, dass die nach 10 Tagen wiederholte Behandlung mit einer Laserkoagulation nicht mehr indiziert gewesen sei. Vielmehr habe die Betroffene spätestens zu diesem Zeitpunkt zum Zwecke eines operativen Eingriffs an einen Augenchirurgen überwiesen werden müssen. Die durchgeführte Laserbehandlung setze neben der Möglichkeit der sicheren und dichten Umstellung des Netzhautloches mit Laserherden Sichtverhältnisse voraus, nach denen festgestellt werden könne, dass die restliche Netzhaut sicher anliege. Diese Sichtverhältnisse seien bei der Geschädigten nicht mehr vorhanden gewesen. Auf den zentralen Glaskörper des Auges habe man wegen Blutauflagerungen nicht hinreichend sicher sehen können. Es habe die Gefahr bestanden, dass sich Flüssigkeit zum Zentrum des Auges hin verlagere und dort unbemerkt die Netzhaut ablöse. Bei dieser Situation habe der Kläger einem Augenchirurgen vorgestellt werden müssen. Zudem habe die Augenärztin die tatsächliche Situation der Netzhaut unzureichend untersucht. Sie habe es versäumt, die Netzhaut insbesondere in ihrem zentralen Bereich bereits zu Beginn der Behandlung und fortlaufend bis zur sicheren Erkenntnis über ihren Zustand durch dafür geeignete Ultraschalluntersuchungen zu befunden. Auch der Beklagte habe dies versäumt, als er die Behandlung fortgesetzt habe, so die Hammer Richter.

Das Oberlandesgericht Hamm ging in diesem Fall von einer Beweislastumkehr zu Gunsten des Patienten aus. Zum Einen liege es nahe, die Behandlungsfehler der Augenärztin als grob fehlerhaft zu bewerten. Zum Anderen sei der sehr wahrscheinlich reaktionspflichtige Befund einer Netzhautablösung nicht erhoben worden. Auch das rechtfertige die Beweislastumkehr, weil es sich ebenfalls als grob fehlerhaft dargestellt hätte, einen solchen Befund zu verkennen oder auf ihn nicht richtig zu



erstmals veröffentlicht am 30.04.2014, letzte Aktualisierung am 07.02.2017

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