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Zivilrecht , 06.09.2016

Shill Bidding: Ebay-Verkäufer muss Schadensersatz nach Preismanipulation leisten!

Ein Verkäufer, der im Rahmen einer Internetauktion selbst auf seine eingestellten Waren Gebote abgibt, manipuliert laut eines Urteils die Preisentwicklung. Resultat: Er muss Schadensersatz leisten und im aktuellen Fall ein Auto für Euro 1,50 hergeben!

Auf Gebrauchtauto selbst geboten


Ein Verkäufer bot auf der Internetauktionsplattform eBay seinen gebrauchten Golf 6 mit einer Startpreis von einem Euro an. Dieser Betrag wurde von einem interessierten Bieter geboten. Außer diesem bot ein weiterer Interessent bei dem gebrauchten Fahrzeug mit. Der Verkäufer beteiligte sich ebenfalls an der Auktion, indem er über einen weiteren Benutzer-Account Gebote abgab und den Preis damit in die Höhe trieb. Dies ist nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von eBay unzulässig. Am Ende der Auktion hatte der Verkäufer das letzte Angebot in Höhe von 17.000 Euro abgegeben – der Käufer ging leer aus. Dieser vertrat die Ansicht, dass er den Golf 6 eigentlich zu einem Preis von 1,50 Euro erworben habe, da dies der nächste Bieterschritt gewesen wäre, wenn der Verkäufer nicht unzulässigerweise selbst mitgeboten hätte. Der Bundesgerichtshof folgte der Argumentation des Käufers (Aktenzeichen VIII ZR 100/15).

eBay-Auktion wird nach Regeln des Vertragsschlusses beurteilt


Zunächst stelle der BGH klar, dass eine eBay-Auktion nicht nach den Regeln der Versteigerung, sondern des Vertragsschlusses beurteilt wird. Dies bedeutet, dass der Verkäufer seinen Golf 6 nur einem "anderen" anbieten konnte, nicht sich selbst. Die selbst abgegeben Angebote konnten nicht zu einem wirksamen Vertragsschluss führen.

Käufer erwarb Fahrzeug für 1,50 Euro!


Der gebrauchte Golf 6 wurde vom Verkäufer für 1,00 Euro angeboten. Das letzt wirksame Angebot erbrachte der vermeintliche Käufer in Höhe von 1,50 Euro, da die abgegebenen Angebote des Verkäufers unwirksam sind. Damit war der Käufer mit dem Angebot von 1,50 Euro der Höchstbietende bei dieser Auktion. Ihm steht damit ein Schadensersatz in Höhe von 16.500 Euro zu, diese Summe ergibt sich aus dem angenommenen Marktwert des Fahrzeugs.

Ein Auto für 1,50 Euro verkaufen zu müssen, empfindet der BGH auch nicht als sittenwidrig. Der Reiz einer Internetauktion liege schließlich gerade in der Schnäppchenjagd.

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