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Familienrecht , 22.12.2016

Soft-Air-Pistolen: Eltern haben beim Spielen Aufsichtspflicht!

Soft-Air-Pistolen: Eltern haben beim Spielen Aufsichtspflicht! © bluedesign - Fotolia

Soft-Air-Waffen sehen aus wie echte Waffen, verschießen aber „harmlosere“ Munition in Form von Kügelchen aus Kunststoff. Insbesondere Jungs sind fasziniert von diesen „Spielgeräten“. Doch Vorsicht, auch die harmlosen Soft-Airs können Verletzungen verursachen und auf die Eltern kommen Schmerzensgeld- und Schadensersatzzahlungen zu.

Aufsichtspflicht wahrnehmen!



Das Oberlandesgericht Oldenburg (Aktenzeichen 1 U 3/14) hat eine Mutter zur Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 5.000 Euro und Ausgleich weiteren Schadensersatzes verurteilt, die ihre Aufsichtspflicht beim Spiel ihres Sohnes mit einer Softair-Pistole verletzt hat.
Im zugrundeliegenden Fall spielten vier Kinder im Alter zwischen 10 und 13 Jahren zusammen. Der Sohn und ein weiteres Kind hatten Softair-Pistolen dabei und trugen Schutzbrillen. Die beiden anderen Kinder, u.a. der Kläger hatten einen solchen Schutz nicht. Bei einem vom Sohn der Beklagten abgegebenen Schuss wurde der Kläger am linken Auge verletzt. Er erlitt durch das Geschoss eine schwere Verletzung am linken Auge. Der Haftpflichtversicherer der Mutter hatte den Schaden zu 25 Prozent übernehmen wollen. Das Gericht nahm hingegen eine hundert prozentige Haftung der Mutter an.

Soft-Airs haben erhöhtes Gefahrenpotenzial für Körperverletzungen



Das Gericht hat eine Aufsichtspflichtverletzung der allein sorgeberechtigten Mutter festgestellt und dazu ausgeführt, bei Softair-Pistolen handele es sich um Gegenstände mit deutlich erhöhtem Gefahrenpotenzial. Sie könnten zwar regelmäßig keine lebensgefährlichen Verletzungen herbeiführen, seien aber geeignet, nicht unerhebliche Verletzungen an empfindlichen Körperteilen zu verursachen. Hinzu komme als spezifische Gefahr bei Jugendlichen, dass sich beim Einsatz solcher Softair-Waffen ein Wettkampfgefühl bis hin zu einem übersteigerten "Jagdeifer" entwickeln könne, was zu einem gefährlichen, unüberlegten, ungesteuerten und exzessiven Einsatz solcher "Spielzeugwaffen" führen kann.

Zumindest für Kinder, die noch keine 14 Jahre alt sind, sei es im Hinblick auf die Gefährlichkeit dieser Gegenstände erforderlich, dass die Sorgeberechtigten eine umfassende Kontrolle über den Einsatz solcher Softair-Waffen seitens ihrer Kinder behalten. Es müsse insbesondere gewährleistet sein, dass zeitnah eingegriffen werden könne, wenn etwa durch die Art des Spiels, die Spielteilnehmer oder deren Verhalten sich konkrete, besondere Gefahren ergeben.

Einer solchen umfassenden Aufsichtspflicht mit entsprechender Kontrolldichte ist die Mutter aus Sicht der Richter nicht nachgekommen. Abgesehen von einer angeblich erfolgten allgemeinen Ermahnung, die Softair-Pistole nur nach Anlegung des dafür vorgesehenen Gesichts- bzw. Augenschutzes einzusetzen und auf solche Schutzmaßnahmen auch bei anderen Spielteilnehmern zu bestehen, habe die Mutter ihren Sohn weitgehend unkontrolliert schalten und walten lassen. Dabei habe der Mutter klar sein müssen, dass ihr Sohn diese Anweisungen nur schwer gegenüber anderen Kindern durchsetzen konnte, wenn diese auch gerne an dem aus ihrer Sicht faszinierenden Spiel teilnehmen wollten, gleichwohl aber über keine Schutzausrüstung verfügten.

Schmerzensgeld und Schadensersatz drohen!



Neben dem Ausgleich für die bereits erlittenen Schäden muss die Mutter auch künftig damit rechnen, vom verletzten Kind in Anspruch genommen zu werden. Ein Sachverständiger hatte festgestellt, dass durch die Verletzungen das linke Auge lichtempfindlicher geworden ist. Dies kann im Alter zu chronischen Bindehaut-Rötungen führen. Darüber hinaus besteht die Gefahr einer in 10 bis 20 Jahren eintretenden vorzeitigen Linsentrübung, die eine sodann risikoreichere graue Star-Operation zur Folge haben kann. Schließlich kann die Eignung für bestimmte Berufe, beispielsweise im Flugverkehr und in der Seefahrt eingeschränkt sein.




erstmals veröffentlicht am 20.08.2014, letzte Aktualisierung am 22.12.2016

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