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Steuerrecht , 22.12.2016

Steuertipps bei Pflegekosten

Steuertipps bei Pflegekosten © CG - Fotolia

Kosten für Pflege und Pflegeeinrichtungen sind für die Betroffenen oft eine große finanzielle Belastung. Einige Pflegeaufwendungen können als außergewöhnliche Belastung bei der Steuer geltend gemacht werden.

Kosten für Seniorenwohnstift sind steuerlich absetzbar



Aufwendungen für die krankheitsbedingte Unterbringung in einem Seniorenwohnstift sind als "zwangsläufig" im Sinne des Einkommensteuergesetzes (EStG) und damit dem Grunde nach als außergewöhnliche Belastungen anzusehen. Das entschied der Bundesfinanzhof (BFH) (Aktenzeichen VI R 20/12) mit der Einschränkung, dass derartige Aufwendungen im Rahmen des Üblichen liegen. In diesem Fall ermäßigen sie nach den für Krankheitskosten geltenden Grundsätzen die Einkommensteuer.

Kosten für Seniorenheim auch ohne ständige Pflegebedürftigkeit steuerlich absetzbar



Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) (Aktenzeichen VI R 38/09) sind Kosten für einen krankheitsbedingten Aufenthalt in einem Seniorenheim auch dann als außergewöhnliche Belastung einkommensteuerlich abziehbar, wenn keine ständige Pflegebedürftigkeit besteht und auch keine zusätzlichen Pflegekosten abgerechnet worden sind. Mit der Entscheidung rückte der Bundesfinanzhof damals von seinen bisher strengeren Grundsätzen ab, wonach ein Abzug entweder zusätzliche Kosten für Pflegeleistungen oder die Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises mit den Merkzeichen "H" oder "Bl" voraussetzte.

Auch Kosten für krankheitsbedingte Unterbringung eines Angehörigen steuerlich absetzbar!



Die Kosten für die krankheitsbedingte Unterbringung eines Angehörigen können als außergewöhnliche Belastungen steuerlich berücksichtigt werden. Anders als bei typischen Unterhaltsaufwendungen kommt ein Abzug aber nur in Betracht, soweit die außergewöhnlichen Belastungen den Betrag der sog. zumutbaren Belastung überschreiten. Dies entschied ebenfalls der Bundesfinanzhof (Aktenzeichen VI R 14/10).

Kostenerstattung durch Pflegeversicherung abzugsmindernd!



Aufwendungen wegen Pflegebedürftigkeit sind nur insoweit als außergewöhnliche Belastungen bei der Steuer zu berücksichtigen, als die Pflegekosten die Leistungen der Pflegepflichtversicherung und das aus einer ergänzenden Pflegekrankenversicherung bezogene Pflege(tage)geld übersteigen. Das entschied der Bundesfinanzhof (BFH) (Aktenzeichen VI R 8/10). Der BFH führte aus: Pflegekosten seien ebenso wie Krankheitskosten eine außergewöhnliche Belastung im Sinne des Einkommensteuergesetzes. Aufwendungen für die krankheitsbedingte Unterbringung in einem Altenpflegeheim könnten deshalb als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Außergewöhnliche Belastungen seien jedoch nur insoweit abziehbar, als der Steuerpflichtige die Aufwendungen endgültig selbst trage. Deshalb müssten Vorteile oder Kostenerstattungen, die der Steuerpflichtige als Ausgleich für die eingetretene Belastung erhalte, abzugsmindernd angerechnet werden.



erstmals veröffentlicht am 16.07.2014, letzte Aktualisierung am 22.12.2016

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