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Kategorie: Anwalt Erbrecht , 10.10.2017 (Lesedauer ca. 1 Minute)

Testierunfähigkeit aufgrund von krankhaften Wahnvorstellungen?

Testierunfähigkeit aufgrund von krankhaften Wahnvorstellungen? © mko - topopt

Ein Testament ist nur dann wirksam, wenn der Erblasser im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte bei der Verfassung des letzten Willens war. Bei einem Verdacht auf chronischen Wahnvorstellungen kann die Testierfähigkeit des Erblassers möglicherweise nicht mehr gegeben sein.

Testierfähigkeit bestimmt sich nach dem Alter


Grundsätzlich ist jeder Mensch nach Vollendung seines 18. Lebensjahrs testierfähig. Ein mit 16 Lebensjahren verfasstes Testament ist nur mit notarieller Beglaubigung wirksam. Unter dem 16. Lebensjahr kann kein Testament errichtet werden.

Keine Testierfähigkeit bei Störung der Geistestätigkeit


Wer an krankhaften Störungen der Geistesfähigkeit wegen Geistesschwäche oder Bewusstseinsstörungen leidet, ist möglicherweise nicht testierfähig. Die Testierfähigkeit des Erblassers muss in solchen Fällen streng geprüft werden, entschied das Oberlandesgericht Frankfurt/Main.

Im zugrundeliegenden Fall hatte eine Erblasserin, die unter der Angst litt, bestohlen zu werden, Detektive beschäftigt, die ihr Haus mit Kameras ausstatteten. Diese Detektive setzte die Frau in ihrem Testament als Alleinerben ein. Ihre Verwandtschaft sollte nichts erben. Davon war die Verwandtschaft wenig begeistert und klagte gegen die Erteilung eines Erbscheins an die Detektive. Die Erblasserin war ihrer Ansicht nach zum Zeitpunkt der Testamentsverfassung nicht testierfähig, da sie unter Verfolgungswahn gelitten habe.

Gericht fordert strenge Prüfung


Ein Sachverständigengutachten ergab, dass die Möglichkeit bestand, dass die Erblasserin in einem lichten Moment das Testament verfasst hat. Das Oberlandesgericht verwies den Rechtsstreit daher an das Nachlassgericht zurück. Dort solle aufgeklärt werden, ob die Frau testierfähig war. Dabei wies das Gericht daraufhin, dass Testierunfreiheit auch dann vorliege, wenn allein die Motive für die Errichtung des Testaments auf einer krankheitsbedingten Unfreiheit beruhten. Ermittelt werden müsse, ob die Freiheit des Willensentschlusses durch krankhafte Störungen der Motiv- und Willensbildung – wie etwa beim Vorliegen einer chronischen Wahnvorstellung - aufgehoben waren.

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